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Malve - Wilde Malve


Kein geringerer als Dioskurides gab der Malve (Malva sylvestris) ihren Namen, denn er nannte die Pflanze "malakos", was so viel wie „weich“ bedeutet. Er deutete damit die erweichende Eigenschaft der Malve an.


Leider nimmt die Malve fast niemand als Heilkraut wahr, die meisten Menschen sehen sie einfach als schöne Blume oder, was noch schlimmer ist, als Unkraut. Dabei hat die Malve tatsächlich einiges zu bieten, was für unsere Gesundheit gut ist.


Die Malve stammt eigentlich aus dem südeuropäischen und asiatischen Raum, inzwischen ist sie jedoch weltweit an Hängen und Wegesrändern zu finden.

Die in der Malve enthaltenen Schleimstoffe helfen bei Erkrankungen der Atemwege, zudem regen sie die Tätigkeit des Darmes an, sie helfen bei Magenbeschwerden und beruhigen gereizte Schleimhäute. Außerdem hemmt die Wilde Malve Entzündungen, sie hilft bei Koliken oder auch bei Abszessen.


Die in den Blüten enthaltenen Schleimstoffe setzt man auch heute noch in Mundwässern und in Gurgelmitteln ein.


Man verwendet die Blätter und Blüten u. a. auch gegen trockenen Husten, Heiserkeit, Kehlkopfbeschwerden, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Rachenraum, gegen Gastritis, bei Reizungen im Mund, Halsschmerzen, bei Sodbrennen und Reizungen der Speiseröhre. Weitere Anwendungsgebiete sind Katarrhe, entzündliche Angina, Bronchitis, Rippenfellentzündungen, Harnverhalt, Verstopfung, Geschwüre und Geschwülste, Gicht und Rheumabeschwerden oder Akne.


Äußerlich eignet sich die Malve in Form von Waschungen, Bädern und auch Kompressen gegen trockene entzündliche Haut, Neurodermitis, Psoriasis, Insektenstiche, Hämorrhoiden, Furunkel, Ekzeme und Juckreiz.


Die Malvenwurzel ist ein vorzügliches Pflegemittel für Zähne, es verhindert Infektionen im Mundraum und schützt vor Mundfäule.


Die Wilde Malve ist eine meist mehrjährige Pflanze aus der Pflanzenfamilie der Malvengewächse. Sie wird bis zu 1 m groß und hat einen behaarten Stängel. Sie hat hellrote oder violette Blüten. Diese Blüten sitzen meist in Büscheln auf den Zweigen, die Blätter sind rundlich, manchmal auch herzförmig.

Die Blüten haben fünf Blütenblätter, sie sind normalerweise rosarot und haben einen typischen dunklen Streifen in Längsrichtung. Nach dem Trocknen werden die Blüten dunkelblau.


Verwendet werden die Blätter und die Blüten der Pflanze, aber auch die Wurzeln. Die Sammelzeit ist zwischen Juli und August.


Nach dem Sammeln sollte man die Pflanze in einem gut belüfteten Raum trocknen.


Möchte man die Schleimstoffe der Malve innerlich einsetzen, so muss man diese durch einen Kaltauszug aus der Pflanze herauslösen, denn würde man es mit heißem Wasser versuchen, würde man die Schleimstoffe unwiederbringlich zerstören.


Ein Tee aus den Blättern und den Blüten kann bei Entzündungen helfen, man kann zerquetschte Blätter oder die zerquetschte Wurzel auf Abszesse, Furunkel oder zum Beispiel auch auf entzündete Brustwarzen auflegen.


Wenn Sie unter Hautentzündungen oder Augenentzündungen leiden, können Sie Umschläge mit einem Teeaufguss auflegen.


Malve
Malve

Geschichtliches und Sagen um die Malve

Die Malvensamen galten bei Frauen als ein sehr starkes Aphrodisiakum.


Der Volksname Pissblume kommt nicht daher, weil die Malve den Harn treibt, sondern vielmehr daher, weil sie früher als Schwangerschaftstest verwendet wurde. Und dies funktionierte so: Wenn eine Frau auf eine Malve urinierte und diese nach einigen Tagen verwelkte, so lag keine Schwangerschaft vor. Eine Schwangerschaft lag jedoch vor, wenn die Pflanze weiterhin schön grün blieb. Einige Leute sollen das ganze Prozedere sogar erweitert haben: Sie dachten, sie könnten die Unschuld einer Frau damit testen...


Die Malve wurde schon im Mittelalter und im Altertum verwendet. So soll Dioskurides sie zur Behandlung von Gebärmutterkrankheiten eingesetzt haben oder auch bei Stichen von Skorpionen.

Plinius sagte damals schon, dass ein Skorpion erstarren würde, wenn man ihn auf ein Malvenblatt setzen würde. Zudem war er der Meinung, dass die Malve ein Aphrodisiakum für Frauen sei.


Römer und Griechen verwendeten die Malve wohl auch als Gemüse.


Xenokrates, ein Arzt des Kaisers Tiberius, behauptete, dass Malvensamen, die man über die männlichen Genitalien streut, die Lust des Mannes unendlich steigern sollen („Schwellkraut").


Tabernaemontanus schrieb: "Sie lindert einen harten truckenen Husten, auch die rauhe Keel und macht ein leichte Stimm".


Hildegard nannte die Malve auch „Babbela“, was wohl vom Wort "Pappel" kommt. Sie empfahl eine Malvensalbe gegen Kopfschmerzen, die von der „Melancholie" verursacht wurden, der „Schwarzen Galle“. Eine solche Salbe stellte sie aus Malve, Salbei und Olivenöl her. Sie empfahl die Malve auch gegen Schläfrigkeit, Nierenbeschwerden, Blutergüssen, Harnverhalten und Vergiftungen.


Die heilige Hildegard empfahl gesunden Menschen, dass sie diese Pflanze nicht roh zu sich nehmen sollten, sie sagte aber auch, dass Menschen mit einem schwachen Magen gedünstete Blätter zu sich nehmen sollten. Zudem empfahl sie bei schlechten Augen die Tautropfen, die sich am Morgen auf den Blättern der Malve bilden, auf die Augenlider aufzustreichen und sich danach auszuruhen.


Es wird auch berichtet, dass man früher dachte, dass ein übermäßiger Genuss der Früchte zu einem Befall mit Läusen führte oder dass man den Verstand verlieren würde. Deswegen sollte übrigens auch der Teufel sich wie verrückt benehmen, denn er liebt die kleinen Früchte der Malve.


Die Malve gehört in vielen Gegenden zu den so genannten Kräuterpuschen, die man zu Mariä Himmelfahrt weiht. Diese Kräuterpuschen sollen vor Blitzschlag und Krankheiten schützen, wenn man sie im Haus aufhängt.


Die Malve wird zudem auch zum Räuchern verwendet, sie soll dadurch die Fruchtbarkeit steigern und vor Erkrankungen schützen.


Im 16. Jahrhunderts waren viele Ärzte wohl auch der Meinung, dass die Malve eine Art Universalheilmittel war, so dass sie sogar die tägliche Einnahme vorsorglich gegen jegliche Erkrankung für richtig hielten.


Früher färbte man Rotwein und auch andere Lebensmittel mit den Blüten.


„Malve im Gemüsegarten, lässt den Doktor draußen warten.“


„Nähert man einem wehen Zahn die Wurzel eines Malvenstengels, so beruhigt sie den Schmerz.“

Mayer


An dem Oberschenkel gebunden soll eine Malvenwurzel die Liebeskraft steigern.


In die Scheide eingeführt sollte sie Gebärmutterverhärtungen aufweichen und sogar eine abtreibende Wirkung haben.


Früher sollen Bäuerinnen an Christi Himmelfahrt sich mit dem Saft der Malve eingerieben haben, da dies Schönheit verleihen sollte.


Wirkung und Anwendung der Malve

  1. Bronchitis
  2. Drüsenschwellungen
  3. Ekzeme
  4. Entzündungen im Mund- und Rachenraum
  5. Erkältungen
  6. Hautentzündungen
  7. Halsschmerzen
  8. Heiserkeit
  9. Husten
  10. Kehlkopf- und Stimmbänderentzündungen
  11. Lungenbeschwerden
  12. Magen- und Darmschleimhautentzündungen
  13. Mund- und Rachenentzündungen
  14. Weißfluss
  15. entzündete Ekzeme (zur Reizmilderung)



Übersicht



Volksnamen

Hasenpappel, Käskraut, Käsepappel, Käseköpfe, Katzenkäse, Krallenblume, Päppel, Poppel, Stoppelkraut, Übersehende Malve, Wessig, Zuckerplätzchenkraut



Wo findet man die Malve:

Waldränder, Ödland, Äcker



Ernte und Trocknung

Man sammelt Blätter und Blüten direkt vor dem Erblühen, also von Juni bis August. Die Wurzeln werden im Herbst ausgegraben.


Man trocknet die Blüten und Blätter schattig und gut belüftet, so dass sie schnell trocknen und nicht schimmeln können. Die dabei auftretende blaue Farbe der Malvenblüten bleibt nur, wenn sie vor Licht geschützt bleiben.


Die Wurzeln sollte man gut reinigen und ebenfalls luftig trocknen. Zerschnitten werden sie erst vor dem Gebrauch.



Inhaltsstoffe der Malve

Viele Schleimstoffe, ätherische Öle, Gerbstoffe




Wirkung und Anwendung der Malve






Ein Malventee als Kaltansatz

Einen Kaltansatz verwendet man, wenn man die Schleimstoffe erhalten will, die ansonsten bei heißem Wasser zerstört werden würden.


Sie brauchen dazu

1 Teelöffel Malvenblüten, den Sie mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen. Eine halbe Stunde ziehen lassen, ab und an umrühren, dann absieben. 3 Tassen pro Tag trinken. Bitte trinken Sie den Tee aber nicht länger als eine Woche am Stück, machen Sie nach 7 Tagen eine Pause von einer Woche. Der durch die Schleimstoffe aufgebaute Schutzfilm vermindert die Aufnahmefähigkeit von Wirkstoffen anderer Medikamente und anderer Nährstoffe. Medikamente sollten deshalb auch erst eine Stunde nach dem Tee eingenommen werden.



Man kann die Malve äußerlich in Form eines Gurgelmittels gegen Halsschmerzen oder auch Mund- und Zahnfleischentzündungen einsetzen.



In Form einer Kompresse oder als ein Badezusatz hilft sie bei der Hautpflege trockener und empfindlicher Haut. Aber auch bei einem Sonnenbrand, bei Ekzemen, Schuppenflechte, Hämorrhoiden und Genitalentzündungen hilft die Malve.



Auflagen, getränkt mit Malventee, wirken bei ständig trockenen und überanstrengten Augen, zum Beispiel bei Bildschirmarbeitern.


Zur äußerlichen Anwendung verwendet man einen Absud, der doppelt so stark ist wie ein Tee.



Ein Tee gegen Husten und Katarrhe

Geben Sie 2 Esslöffel Blüten in einen Liter kochendes Wasser, dann 5 Minuten ziehen lassen und dann absieben. Trinken Sie drei bis vier Tassen täglich davon.



Bäder mit Malve

Verwenden Sie eine Hand voll Blütenblätter, Blätter oder auch Wurzeln, die Sie in einen Liter kochendes Wasser geben, fünf Minuten ziehen lassen, dann absieben und dem Badewasser zugeben.



Ein Absud

Verwenden Sie dazu zwei Hand voll ganzer Malvenpflanzen, die Sie in einen Liter kochendes Wasser geben, fünf Minuten ziehen lassen, dann absieben.

Ein solcher Absud hilft gegen Scheidenentzündungen, Brandwunden, Neurodermitis, Akne, Abschürfungen, Hautflechten.



Ein Malvenpulver

Zerstoßen und zermörsern Sie getrocknete Wurzeln der Malve, um ein feines Pulver zu bekommen. Die kann zum Beispiel als Zahnpasta oder auch als Desinfektionsmittel im Mund verwendet werden, oder auch als Zutat für Cremes und Salben.


Rezepte mit Malve

Malve in der Küche


Man kann die jungen Blätter der Malve auch Salaten zugeben, ältere Blätter der Malve lassen sich wie Spinat verarbeiten.


Vorsicht - Risiken und Nebenwirkungen

Bei der Verwendung von Malve kann es zu einer verminderten Wirkung anderer Medikamente kommen. Wenn Sie also andere Medikamente einnehmen, so sollten Sie diese erst mindestens 1 Stunde einnehmen, nachdem Sie Malve zu sich genommen haben. Ansonsten sind keine Nebenwirkungen bekannt.











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Kommentare zum Beitrag "Malve - Wilde Malve"

Kommentar von Elisabeth Schleimer
hallo,

es ist ein bisschen irritierend, wenn zuerst geschrieben steht die malve nicht kochen lassen, da diese ja eine schleimdroge ist, wird sie abgekocht bei den anderen heilenden sachen?

liebe grüße






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Thema: Heilkräuter
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Wissenschaftliches

Die Kommission E nennt eine Anwendungsmöglichkeit von Malvenblättern und -blüten bei

  1. Reizungen der Mund- und Rachenschleimhäute
  2. Entzündungen der Atemwege
  3. trockenem Reizhusten




Malventee ist heilsam bei allen inneren Entzündungen und tut auch den Lungenkranken gut.

Johann Künzle





Letzte Änderung am Freitag, 20.3.2015, 22:57:21 Uhr




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