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Das Heilkräuter - Verzeichnis

Der Weihebüschel oder Kräuterbuschen

Der Weihebüschel wird auch Kräuterstrauß, Kräuterbuschen, Kräuterboschen, Weihbüschel, Würzwisch, Werzwisch oder Würzbüschel genannt.

Die jeweilig richtige Bezeichnung hängt vom Landstrich, und dort sogar teils von der Gemeinde ab. Und so wie sich die Namen ändern, so ändern sich auch die einzelnen Pflanzen in ihrer Zusammensetzung, aus denen man den Kräuterbuschen herstellt. Oft orientiert man sich einfach an den heimischen Pflanzen.

Viele Volkskundler sind der Meinung, dass bei der Öffnung des Grabes der Maria an Mariä Himmelfahrt sich ein Duft von Rosen und Heilkräutern ausbreitete. An diesen Duft will man mit dem Kräuterbuschen erinnern und die Mutter Gottes ehren.

Wie dem auch sei: Bereits im 9. Jahrhundert feiert man an Maria Himmelfahrt Gottesdienste, an denen diese Weihebüschel geweiht wurden.

Es gab wohl zu dieser Zeit auch noch ähnliche heidnische Bräuche, die man für eine bessere Ernte zelebrierte, diese Bräuche wurden auf diese Weise elegant in die Kirche übernommen.

Im sicher bekannten Sachsenspiegel nannte man diese Gottesdienste auch "Krudemisse", was man frei mit Kräutermesse übersetzen darf.

Der Chronist Sebastian Franck aus Donauwörth schrieb im Jahre 1534 dazu:

"An ... Himmelfahrt da trägt sämtliche Welt Obst, Büschel allerei Kräuter, um diese in der Kirche zu weihen." Dies schütze vor Seuchen und Krankheiten. Und natürlich, wie konnte es zu dieser Zeit auch anders sein, umgab die Kräuterbuschen auch so manche Zauberei: So hat man zum Beispiel bei einem Gewitter die Buschen ins Feuer geworfen, was vor Blitz und Hagel schützen sollte. Toten legte man ein Kreuz aus den Kräutern in den Sarg. Krankes Vieh bekam die Buschen auch schon mal zu fressen, damit sie gesund wurden. Ein Tee, gekocht aus den Kräutern, sollte ebenso vor Erkrankungen schützen. Im schönen Frankenland bekamen Kühe und Kälber nach der Geburt ein wenig des Kräuterstraußes ins Futter.

Wie schon erwähnt, ist jeder Kräuterstrauß je nach Region anders. Früher ging das auch nicht anders, denn es waren ja nur die Pflanzen da, die eben vor der Haustüre wuchsen.

Welche Kräuter aber meistens darin vorkommen, sind Spitzwegerich, Donnerwurz, Bohnenkraut, Katzenpfötchen, Malve, Königskerze, Golddistel, Kamille, Rotklee, Leinkraut, Tausendgüldenkraut, Kümmel, Salbei, Schafgarbe, Baldrian, Johanniskraut, Sauerampfer, Wermut, Weidenröschen, Herzgespann, Rainfarn, Mohn, Thymian, Odermennig, wilde Möhre, Beifuß, Melisse und Arnika, sowie verschiedene Getreidesorten. Meist wird der Buschen um eine Königskerze herum aufgebaut und gebunden.

Teilweise werden die Kräuter und Pflanzen auch auf kirchlich organisierten Wanderungen gesammelt und danach geweiht, so soll sich die Heilkraft der Kräuter noch verstärken.

Es gibt auch noch viele Gegenden, in denen die Anzahl der Kräuter sich aus einem Vielfachen magischen Zahlen zusammensetzt. Zu diesen Zahlen gehören die 3, die 7 und die 9.

Und wann stellt man so einen Kräuterbuschen her?

Wenn man den Buschen zu Maria Himmelfahrt weihen will, natürlich kurz vorher.

Es gibt aber auch hier noch eine Besonderheit: Es gibt eine ganz besondere Zeit, in der nach altem Wissen die Heilkraft der Kräuter besonders stark sein soll, sogar dreimal so stark! Genannt wird diese Zeit "die goldig-grünen Dreißiger" oder auch "Frauendreißiger". Das ist die Zeit ab dem 15. August (Mariä Himmelfahrt), die 30 Tage dauert bis zum 12. September.

Und auch dieser Buschen kann anschließend noch geweiht werden.

Den Kräuterbuschen wirft man dann an "Heilige Drei Könige" in ein Glutgefäß und räuchert das Haus und den Hof damit, auf dass Schlechtes fern bleibt.





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