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Schlafstörungen richtig erkennen und behandeln


Schlafstörungen richtig erkennen und behandeln


Was sind Schlafstörungen?

Schlafstörungen sind Zustände, die einen Menschen daran hindern, erholsam zu schlafen und dadurch eine starke Tagesmüdigkeit hervorrufen. Aber auch gelegentliche Schlafprobleme können den Tagesablauf anstrengender machen oder die Produktivität verringern.


Nachts wach – tagsüber müde

Doch was raubt dem Menschen den Nachtschlaf, lässt ihn sich ruhelos in den Kissen wälzen, anstatt Entspannung und Erholung zu finden? Viele Menschen stellen sich diese Frage Nacht für Nacht, zählen Schafe oder schlürfen heiße Milch mit Honig. Wer mit den klassischen Hausmitteln keinen Erfolg hat, hofft irgendwann auf Hilfe aus dem Tablettenröhrchen – oftmals der Beginn eines verhängnisvollen Kreislaufs.


Die Folgen

Schlafmangel bewirkt auf Dauer, dass sich der Körper nicht ausreichend erholen kann. Außerdem bedeutet er auch eine Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit, allein schon durch die verminderte Konzentrationsfähigkeit.

Chronische Schlafstörungen können sogar zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Bluthochdruck, Magen-Darm-Erkrankungen und psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen sind keine Seltenheit. Neuere Untersuchungen bestätigen außerdem einen schädigenden Einfluss auf das Immunsystem.

Schlafstörungen, die länger als vier Wochen anhalten, sind also keinesfalls bloße Befindlichkeitsstörungen, sondern ernstzunehmende Hinweise auf ein gesundheitliches Problem!


Wie sieht gesunder Schlaf aus?

Aus der Schlafforschung weiß man heute, dass nicht die Dauer, sondern die Tiefe des Schlafes entscheidend für die körperliche und seelische Erholung ist. Darum gehen Schlafforscher der Universität Regensburg inzwischen davon aus, dass fünf Stunden Tiefschlaf zur Regenerierung körperlicher und geistiger Funktionen ausreichend sind. Allerdings sollte der Tiefschlaf vor drei Uhr nachts beginnen, denn alle Körperfunktionen unterliegen einem bestimmten Rhythmus.


Tiefschlaf – wichtig für den Körper

Dieser Tiefschlaf ist gekoppelt mit großer Entspannung der Muskulatur. Atmung und Herzschlag werden langsamer, der Blutdruck fällt ab und die Augen bewegen sich nicht ("NREM": Non-Rapid-Eye-Movement). Diese Schlafphase ist verantwortlich für die körperliche Erholung. Im Laufe des Lebens, genauer gesagt bis zum 40. Lebensjahr, reduziert sich die Tiefschlafphase auf circa 5 Prozent des Gesamtschlafes. Eine Erklärung dafür, warum der Schlaf von Erwachsenen häufig als weniger erholsam empfunden wird als der von jungen Menschen.


Traumschlaf – wichtig für den Geist

Der Traumschlaf wechselt sich mit anderen, leichteren Schlafphasen ab und wird aufgrund der auffallend starken Augenbewegungen als "REM-Phase" (Rapid-Eye-Movement) bezeichnet. Die Muskelspannung verschwindet fast völlig, Herzschlag, Blutdruck und Atmung werden schneller und unregelmäßiger. Werden Patienten in dieser Phase geweckt, können die meisten von Träumen berichten. Die extreme Erschlaffung der Muskulatur lässt sich damit erklären, dass der Schläfer sonst alles Geträumte auch ausführen würde. Die schnellen Augenbewegungen sind noch nicht schlüssig geklärt.

Sicher ist: Diese Traumphase ist die eigentliche Erholungsphase für das Gedächtnis. Ist dieses Stadium über längere Zeit gestört, stellt sich zunächst Unbehagen und schlechte Laune ein. Später kommt es dann auch zu vegetativen Erscheinungen wie hoher Blutdruck, unregelmäßiger Herzschlag und schlechte Verdauung. Australische Forscher haben daher längere Schlafstörungen im Verdacht, eine der Ursachen für Demenzerkrankungen wie Alzheimer zu sein.


Es gibt nicht nur eine Schlafstörung

Die Schlafmedizin unterscheidet bis zu 80 verschiedene Formen von Schlafstörungen. Für einen groben Überblick werden zunächst vier Gruppen unterschieden:

Bei Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie/Hyposomnie) liegen in der Regel psychische Gründe vor, von unzureichender Stressbewältigung bis hin zur Depression.

Experten sprechen hier auch von einer psychophysiologischen Insomnie, die als die häufigste Form der circa 80 unterschiedlichen Schlafstörungsarten gilt. Ursprünglich ist sie eine Reaktion auf eine akute oder chronische Belastung. Die Schlaflosigkeit kann sich dann im Laufe der Zeit verselbständigen. Manchmal ist auch nur die Schlafsituation (Bett, Raumtemperatur, Geräusche) dafür verantwortlich. Aber auch Bewegungsmangel während des Tages (zum Beispiel durch sitzende Tätigkeit, längeres Autofahren etc.) kann einen erholsamen Schlaf verhindern.

Typisch für die Hypersomnie sind Probleme, tagsüber wach zu bleiben, ungewolltes Einschlafen oder Einnicken am Tage und das Gefühl, trotz ausreichender Schlafdauer permanent schläfrig zu sein. Häufig, aber nicht immer ist sie verbunden mit Schnarchen in der Nacht.

Schlafgebundene Störungen (Parasomnie) bezeichnen Erkrankungen in der Übergangsphase zwischen Wachsein und Schlafen, wie zum Beispiel Schlafwandeln. Häufige Begleiterscheinungen sind nächtliches Aufschrecken, Zähneknirschen oder Alpträume.

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus sind häufig zu finden bei Menschen, deren "innere Uhr" durch Schichtarbeit, Reisen etc. gestört wird.


Was tun gegen Schlafstörungen?

Treten die Probleme über Wochen oder Monate auf, wird es für den Betroffenen Zeit, sich mit dem Problem auseinander zu setzen.

Ein erster Schritt: Der Betroffene durchleuchtet kritisch seine persönliche Situation. Liegen Probleme im Beruf oder im Privaten vor, die nicht bewältigt werden können? Wie steht es mit der so genannten "Schlafhygiene" – schwere Mahlzeiten, Sport, aufreibende Diskussionen vor dem Zubettgehen, Fernseher im Schlafzimmer? Auch Fragen wie "Wann in der Nacht treten Probleme auf?", "Wie steht es um den Konsum von Kaffee, Nikotin und Alkohol?", "Werden Appetitzügler eingenommen?" können helfen, den Ursachen auf die Spur zu kommen.


Hilfe zur Selbsthilfe

  1. Warme Bäder (34 bis 36 Grad Celsius) mit entspannenden Zusätzen aus Melisse, Hopfen oder Baldrian. Diese Pflanzen verhelfen auch in Form von Tees zu einer wohligen Müdigkeit.
  2. Abendliche Spaziergänge an frischer Luft. Sauerstoff und Bewegung verbessern die Durchblutung des Körpers und des Gehirns und fördern das Schlafbedürfnis.
  3. Wer unter Anspannung leidet, sollte es mit "autogenem Training" oder "progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen" versuchen. Die Übungen beruhigen das Gemüt und fördern die körperliche Entspannung.
  4. Auch an das Schlafzimmer sollte gedacht werden: Es sollte gut belüftet sein und idealerweise eine Temperatur von circa 18 Grad Celsius haben.
  5. Bett und Matratzen sollten spätestens nach zehn Jahren erneuert werden, da sie unter Umständen nicht mehr genügend den Körper stützen oder völlig durchgelegen sind. Beratung sollte auf jeden Fall eingeholt werden.
  6. Wer länger als 15 Minuten wach im Bett liegt, sollte wieder aufstehen und sich ein wenig mit einer "langweiligen" Tätigkeit ablenken, bis erneut Müdigkeit auftritt.
  7. Vermeiden Sie tagsüber längere "Nickerchen". 10- bis 15-minütige Schlafphasen sind ausreichend und rauben nicht den Nachtschlaf.
  8. Störende Helligkeit im Schlafzimmer ausschließen.

Wenn alles nicht hilft ...

Wenn auf die sanfte Weise keine Verbesserung der Situation zu erzielen ist, ist der Gang zum Arzt unerlässlich. Nach Angaben der Ärzte vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg sind Schlafstörungen nach vier Wochen behandlungsbedürftig, nach drei Monaten werden sie als chronisch eingestuft. Häufig kommen Patienten erst nach fünf Jahren zum Arzt und haben in dieser Zeit auf eigene Faust diverse Schlaf- und Beruhigungsmittel ausprobiert. Dadurch wird der Arzt häufig auf eine falsche Fährte geführt, da die Patienten von Erschöpfung sprechen. Hinzu kommt, dass durch längere Eigentherapie sich das Risiko von Alkohol- und Drogenmissbrauch erhöht.


Diagnostik

In Schlaflabors kann festgestellt werden, wie es um die Qualität des Schlafes bestellt ist. Hier werden Hirnstrommessungen durchgeführt, Muskelspannung, Atemmuster, Augenbewegungen, Herzfrequenz und Sauerstoffkonzentration gemessen. Zusammen mit einer gründlichen Anamnese ergibt sich ein differenziertes Bild der Schlafstörung.

Das Führen von Schlaftagebüchern über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen gibt Aufschluss über die Schlafdauer, auch im Zusammenhang mit der Tagesbefindlichkeit.

Unter "Schlafhygiene" versteht man die Regeln des gesunden Schlafes. Regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten wirken sich häufig schlaffördernd aus. Das Bett sollte erst aufgesucht werden, wenn sich eine als ausreichend eingeschätzte Müdigkeit eingestellt hat.


Sind Tabletten ein Ausweg?

Zunächst muss vom Arzt geklärt werden, dass keine körperliche Ursache als Auslöser für die Schlaflosigkeit in Frage kommt und dass nicht bereits eine Abhängigkeit von Medikamenten oder Alkohol vorliegt.

Medikamente sind niemals erste Wahl der Behandlung, können aber – initial eingesetzt – helfen, den Teufelskreis zu unterbrechen. Wichtig ist dabei im Hinblick auf Abhängigkeit die Länge der Einnahme. Die Ärzte vom Schlafmedizinischen Institut der Universität Regensburg sprechen von zwei bis vier Wochen. Danach sollten die Tabletten für den gleichen Zeitraum abgesetzt werden.

Eine weitere Möglichkeit, die Schlaflosigkeit mit Medikamenten in Griff zu bekommen, ist die intermittierende Einnahme, das heißt, zwei oder drei Tage mit und anschließend denselben Zeitraum ohne chemische Unterstützung.

Bei allen Methoden handelt es sich um zeitlich begrenzte und vom Arzt begleitete und überwachte Maßnahmen. Das Risiko der Abhängigkeit ist dann relativ gering, die Angst vor dem Nicht-Einschlafen-Können wird durchbrochen und der Körper kann sich erholen. Problematisch sind Langzeiteinnahmen, denn hierzu fehlen gute wissenschaftliche Studien, welche die Auswirkungen beschreiben.

Bei älteren Menschen gehen die Mediziner davon aus, dass es wenig sinnvoll ist, die Einnahme zu unterbrechen, wenn sich die Schlafstörungen wieder einstellen und das Medikament gut vertragen wurde.


Welche Medikamente werden heute eingesetzt?

Zunächst unterscheidet man bei den Schlafmitteln zwischen Benzodiazepinen und den neuentwickelten Nicht-Benzodiazepinen. Während bei den Benzodiazepinen die Gefahr der Abhängigkeit relativ hoch ist, haben die Nicht-Benzodiazepine bei vergleichbarer Wirksamkeit ein geringeres Gewöhnungs- und Abhängigkeitspotential. Außerdem verfügen sie über eine kürzere Wirkungsdauer und es gibt kein Überhangphänomen: Die gewünschte Müdigkeit der Nacht wird nicht in den nächsten Tag verschleppt. Die Nicht-Benzodiazepine sind weniger muskelentspannend als die Benzodiazepine, was gerade für ältere Menschen das Risiko der nächtlichen Sturzgefahr verringert. Sie gelten daher zurzeit als das ideale Mittel zur Kurzzeitbehandlung von Schlaflosigkeit.

Neuerdings werden häufig Antidepressiva verschrieben – nicht nur, wenn Schlaflosigkeit mit einer Depression gekoppelt auftritt. Um die gute schlafanstoßende Wirkung der Antidepressiva zu nutzen, reichen bei reinen Schlafstörungspatienten oft schon geringe Dosierungen aus. Kommen Depressionen hinzu, sind höhere Gaben notwendig. Wichtig ist auch zu wissen: Der stimmungserhellende Effekt tritt erst nach zwei bis drei Wochen auf.

Da das Abhängigkeitspotential insgesamt niedriger ist, eignen sich Antidepressiva auch für länger andauernde Behandlungen über einige Monate. Sie sind nicht muskelentspannend und die Atmung wird nicht beeinträchtigt. Allerdings verzeichnen diese Medikamente mehr Nebenwirkungen als Benzodiazepine: Mundtrockenheit, Sehstörungen, Verstopfung, Blutdrucksenkung, Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheit, Gewichtzunahme, Libido- und Potenzverlust oder Leberfunktionsstörungen. Und sie vermindern die REM-Traumphasen!

Neuroleptika wurden bis dato in der Medizin zur Behandlung von schweren Psychosen eingesetzt. Da sie aber außerdem über eine beruhigende Wirkung verfügen, werden sie auch bei Schlaflosigkeit verschrieben. Vor allen Dingen dann, wenn sie durch eine Psychose oder Schizophrenie hervorgerufen wurde.

Antihistamine, die eigentlich zur Behandlung von Allergien eingesetzt werden, haben als Nebeneffekt ebenfalls eine schlafanstoßende Wirkung. Dies machen sich Patienten mit leichteren Schlafstörungen zunutze, da die Präparate ohne Rezept erhältlich sind. Die Wirkung wird erst nach ein bis drei Stunden spürbar, bleibt allerdings oftmals bis in den kommenden Tag hinein bestehen und beeinträchtigt somit die Reaktionsfähigkeit. Da die müdemachende Wirkung allerdings nur bei geringfügigen Schlafstörungen hilft, andererseits Nebenwirkungen, Gewöhnungseffekte und Abhängigkeitsrisiken bestehen, ist die Anwendung im Hinblick auf Nutzen und Risiko fragwürdig.

Pflanzliche Präparate aus der "Hausapotheke" wie Baldrian, Hopfen, Melisse haben in der Regel keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, sind allerdings in ihrer Wirksamkeit wesentlich schwächer. Die Kavawurzel ist allerdings nicht mehr zu empfehlen, da sie inzwischen als leberschädigend gilt. Die pflanzlichen Präparate eignen sich als unterstützende Therapie bei leichteren Formen der Schlaflosigkeit oder als Zusatzmedikation beim Ausschleichen der Behandlung mit schwereren Medikamenten.


Schlafstörung und Depression

Häufig ist es schwer, zwischen beiden zu unterscheiden, da Depression meist mit Schlafstörungen einhergeht. Umgekehrt können anhaltende Ein- und Durchschlafstörungen ihrerseits Depressionen auslösen. Wie Schlafforscher der Universität Regensburg kritisieren, setzt die Behandlung dieser Patienten immer noch viel zu spät ein. Gerade diese Gruppe von Betroffenen ist suizidgefährdet und bei einer Vorerkrankung des Herzen kommt es häufig zu Herzinfarkten.


Ältere Menschen – weniger Schlaf?

Bereits ab 35 Jahren nimmt die Tiefe des Schlafes ab. 70-Jährige schlafen oft nur fünf bis sechs Stunden pro Nacht und wachen häufiger auf, da sich der Tiefschlaf mit zunehmendem Alter reduziert. Außerdem mehren sich insgesamt gesundheitliche Probleme und auch seelischer "Ballast" sammelt sich im Lauf der Lebensjahre an. Hier sollten die grundlegenden Regeln der Schlafhygiene beachtet werden. Stellt sich auf diesem Wege keine Besserung ein, gilt es, Rat und Hilfe beim Arzt zu suchen.


Schlafstörung als Hinweis auf hirnorganische Veränderungen?

Auch bei der Alzheimer’schen Krankheit ist der Schlaf-Wach-Rhythmus aufgehoben und die für die Regenerierung des Gedächtnisses wichtige REM-Schlafphase ist gestört. Dies lässt aber keinesfalls den Umkehrschluss zu, dass eine Schlafstörung der Beginn einer solchen Erkrankung sein muss. Zur Klärung der Ursachen verhilft die Untersuchung im Schlaflabor.


Aufklärung hilft

Fachärzte warnen, dass Schlafstörungen mit der entsprechenden Tagesmüdigkeit heutzutage immer noch – insbesondere von den Kostenträgern – als eine reine Störung der Befindlichkeit angesehen werden. Im Hinblick auf die ernsthaften Folgeerkrankungen ist dies kurzsichtig, nicht zuletzt wegen der dann entstehenden hohen Behandlungskosten.

Der Gang zum Arzt sollte also nicht über Jahre hinausgeschoben werden. Mit einem Bündel von Maßnahmen, einschließlich Verhaltenstherapie und Schlafschule, lassen sich schwerwiegende Erkrankungen im Ansatz vermeiden.





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