Die Wegwarte war die Blume des Jahres 2009. Wahrscheinlich kommt der Name der Wegwarte daher, weil sie am Wegesrand wächst bzw. "wartet".
Die Wegwarte wird bis zu einem Meter hoch und hat blaue Blüten.
Diese Blüten der Wegwarte öffnen sich morgens in östliche Richtung und folgen dann dem Lauf der Sonne, bis sie abends nach Westen stehen und sich schließen.
Verwendung in der Naturheilkunde finden die Blüten und die Wurzeln der Wegwarte. Die Blüten werden im Juli geerntet und schnell getrocknet. Die Wurzeln gräbt man im späten Herbst aus dem Boden, man zerteilt sie und trocknet sie an der Luft.
Früher verwendete man die Wegwarte übrigens auch als Kaffeeersatz, sicher eine gesündere Alternative zum echten Kaffee, besonders wenn man viel trinkt.
In der Naturheilkunde kann man einen Absud aus 2 TL Wegwarte und einer Tasse Wasser zur Steigerung der Gallensaftproduktion und zur Appetitanregung einsetzen. Des weiteren kann die Wegwarte auch bei Lebererkrankungen, bei Gallen- und Nierensteinen als auch bei Entzündungen der Harnwege verwenden.
Geschichtliches zur Wegwarte
Hieronymus Bock schrieb über die Wegwarte
Eine handtvoll Wegwart in wasser gesotten vnd getruncken führt aus die gallen vnd weissen schleim durch den stuhlgang...
Ein decoction gemacht auss dem kraut vnd wurtzel mit wein oder wasser
vnnd warm gedruncken
eröffnet die Leber vnd Miltz
soll genützt werden im anfang der Wassersucht vnd Cachexia.
Solches vermag auch das gebrannt wasser
vnnd ist trefflich gut zu dem hitzigen Magen
zu allen brennenden Febern
vnnd schwachheit des Hertzens getruncken..
dienet auch zum hitzigen Podagra...
Man findet schon in alten ägyptischen Papyrustexten aus dem 4. Jahrtausend vor Christus Berichte über die Wegwarte.
Sagen-haftes über die Wegwarte
Laut einer Sage wartete die Geliebte eines jungen Ritters, der an einem Kreuzzug teilnahm, am Wegrand vor dem Stadttor mit ihren Hofdamen auf seine Rückkehr. Doch der Ritter kam nicht mehr zurück. Auch als sie schon nicht mehr an eine Rückkehr des Ritters glaubten, weigerte sich das Burgfräulein, die Hoffnung aufzugeben. Und so konnte man diese kleine Gruppe noch lange Tag für Tag vor dem Stadttor warten sehen. Schließlich hatte der Himmel ein Einsehen. Das Burgfräulein wurde mit seinen Hofdamen in Blumen - Wegwarten - verwandelt, wobei die Hofdamen in blaue und die unglückliche Geliebte in eine weiße Wegwarte verwandelt wurden.
Man kann die Wegwarte als Sonnenuhr verwenden: Sie öffnet ihre Blüten morgens um sechs Uhr, gegen elf Uhr schließt sie sie wieder.
Einer christlichen Legende nach entstand die Wegwarte folgendermaßen:
Jesus kam, noch unbekannt als der Messias, an einem Haus vorbei und erbat Hilfe von einer Magd. Diese nahm sich seiner jedoch nicht an, weil sie auf ihren Bräutigam wartete. Als dieser dann tatsächlich kam, fand er aber nicht mehr die Magd, sondern eine Wegwarte. Laut Sage soll die verwandelte Magd erst dann wieder zurückverwandelt werden, wenn Jesus eines Tages zurück zur Erde kommt.
Laut einer anderen Sage sind Wegwarten verwunschene Menschen. Wegwarten mit weißen Blüten sind dabei die guten Menschen, blauen Blüten stehen für schlechte Menschen.
Pfarrer Kneipp erwähnte eine Abkochung oder einen Saft aus der Wegwarte zur Reinigung der Nieren.
Friedrich der Große von Preußen empfahl, aus den gerösteten Wurzeln der Wegwarte einen Kaffeeersatz herzustellen.
Partnersuche auf die andere Art: Wenn man am Tag des Heiligen Petrus, dem 29. Juni, mit einem Hirschgeweih eine Wegwarte ausgräbt und dann mit diesem ausgegrabenen Kraut jemanden berührt, so werde derjenige sich in den anderen verlieben.
Wenn ein Jäger am Tag des Heiligen Jakob, dem 25. Juli, mit einem Goldstück die Wegwarte ausgräbt und die Wurzel bei sich trägt, soll sein Schuß niemals verfehlen.
Wan einer etwas verloren hat, so soll er nehmen Wegwart, soll dasselbige in die Schlaffhauben thun, die Nacht darauff schlafen, so treumet ihm die ganze Nacht von dem, der es gethan, du mußt aber das Kraut morgens frühe vor der Sonne Auffgang holen.
Wegwarte-Wurzeln sollen ihren Träger vor Hieben und Stichen schützen.
Wenn jemand bestohlen wurde, so solle er Wegwarte unter sein Kopfkissen legen. Er erkenne dann im Traum den Dieb.
Die Stiftung Naturschutz erklärte sie zur Blume des Jahres 2009, weil sie inzwischen als gefährdet eingestuft wird. Da es immer weniger unversiegelte Flächen gibt, findet sie immer weniger Platz zum Wachsen.