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Rückenschmerzen: Beschwerdefrei durch Chiropraktik?


Rückenschmerzen: Beschwerdefrei durch Chiropraktik?

Jeder Zweite hat sich schon einmal im Laufe seines Lebens verhoben, verrenkt oder verlegen. Die Folgen sind akute starke Rückenschmerzen, die möglichst schnell behandelt werden müssen. Rückenschmerzen sind zur Volkskrankheit geworden und die Zahlen sprechen für sich: 70 Millionen Krankheitstage entstehen allein durch Rückenschmerzen. Arbeitsausfall, Behandlungskosten, Rehabilitation verschlingen die unglaubliche Summe von einer halben Milliarde Euro im Jahr. Den Bärenanteil davon nehmen acht Millionen Menschen in Anspruch: Sie leiden unter chronischen Beschwerden.

Rückenschmerzen bedeuten generell eine große Einschränkung für die Betroffenen. Häufig wird die kleinste Bewegung zur Qual. Sind die Schmerzen akut, hoffen immer mehr Menschen auf einen raschen Behandlungserfolg durch die manuelle Therapie, auch Chiropraktik oder Chirotherapie genannt. Doch genauso alt wie die Technik selbst ist die Diskussion über ihre Wirksamkeit und ihre Risiken. Besonders in den letzten Monaten ist die Kritik an der Chiropraktik wieder laut geworden, da Lähmungen und Schlaganfälle nach einem chiropraktischen Eingriff beobachtet worden sind.


Definition und Geschichte der Chiropraktik

Schlägt man in einem medizinischen Lexikon nach, findet man folgende Erklärung: „Unter Chiropraktik versteht man spezielle Handgriffstechniken zum Einrichten von, durch Verschiebung der Wirbel gegeneinander entstandenen, Einklemmungen im Zwischenwirbelbereich.“ Aber diese Definition alleine wird der Chiropraktik wohl nicht gerecht. Denn die Chiropraktik blickt auf eine uralte Geschichte zurück.


Geschichte der Chiropraktik

Das Wort Chiropraktik stammt aus dem Griechischen und bedeutet „mit der Hand bearbeiten“. In Schriften aus dem 5. Jahrhundert vor Christus notierte Hippokrates: „Erlanget Wissen über das Rückgrat, denn von diesem gehen viele Krankheiten aus.“ Im Mittelalter gab es die so genannten „Knochenbrecher“.

Am englischen Hof waren „bone setters“ (Knochensetzer) immer im Gefolge. Anfang des 19. Jahrhunderts begründete der Amerikaner Daniel Palmer die Chiropraktik als Methode, die bis heute ihren Stellenwert erhalten hat. In Deutschland wurde sie erst nach dem 2. Weltkrieg bekannt und vorwiegend von Heilpraktikern ausgeübt. Anfänglich von der Schulmedizin verachtet, fand die Chiropraktik erst sehr spät Anhänger unter den Ärzten.


Dschungel der Begrifflichkeiten

1976 wurde auf dem deutschen Ärztetag die Bezeichnung „Chirotherapie“ für die Ausübung der Chiropraktik durch Ärzte festgelegt. Sie wollten sich von anderen ausübenden Berufsgruppen sichtbar abgrenzen. Einen inhaltlichen Unterschied zur Chiropraktik gibt es jedoch nicht. Fest steht: Chiropraktik darf in Deutschland nur von Ärzten und Heilpraktikern ausgeübt werden – vorausgesetzt, dass sie eine fundierte Weiterbildung haben. Im Gegensatz zu Deutschland wird in anderen europäischen Ländern die Chiropraktik als „eigenständiger Heilberuf“ anerkannt.


Was behandelt die Chiropraktik?

-Allgemein

Der Anwendungsbereich dieser Therapieform ist eine primäre Funktionsstörungen des Bewegungsapparates. Bei Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, die auf funktionellen Störungen der Gelenke im Zwischenwirbelbereich beruhen, kann eine chiropraktische Therapie hilfreich sein. Berücksichtigt werden Wirbelverdrehungen, -verkippungen, -blockierungen und -verrenkungen. Oftmals sind es minimale Abweichungen von der statisch korrekten Position, die zu starken Schmerzen und Verspannungen führen.

Die Schwachstellen der starken Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ermöglicht alle notwendigen Bewegungen wie Beugung, Streckung, Seitenneigung und Drehung. Die einzelnen Wirbel sind durch die Bandscheibe, die Wirbelgelenke, Bandstrukturen und Muskeln miteinander verbunden, welche die Wirbelsäule stabilisieren. Außerdem ist diese Region sehr nervenreich. Auch wichtige Gefäße, die für die Blutversorgung des Kopfes zuständig sind, laufen durch die kleinen Wirbellöcher der Halswirbel.

Form

Seitlich betrachtet ist erkennbar, dass die einzelnen Wirbelsäulenabschnitte unterschiedlich geformt sind. Die Wirbelsäule weist die Form einer doppelten S-förmigen Krümmung auf. Diese Form dient dem menschlichen Körper als Stoßdämpfer, sie fängt also Erschütterungen auf. Die Halswirbelsäule ist nach vorne geschwungen (Lordose), die Brustwirbelsäule nach hinten (Kyphose) und die Lendenwirbelsäule wiederum nach vorne (Lordose).

Jede Abweichung von der physiologischen Stellung der Wirbelsäule bringt eine Mehrbelastung verschiedener Gelenkstrukturen und der Bandscheibe mit sich, welche durch die Chiropraktik behandelt werden können.


Anwendungsbereiche der Chiropraktik:

  1. Gelenke müssen nicht blockiert sein, um Beschwerden zu verursachen. Eine muskuläre Fehlspannung reicht aus, um eine Verkantung oder eine geringfügige Verschiebung der Gelenkflächen herbeizuführen. Folge davon ist, dass die Muskulatur versucht, das instabile Gelenk „festzuhalten“ und somit zunehmend verkrampft. Dies bereitet Schmerzen. Um solche Verkrampfungsstellen herum kommt es zu Stoffwechselübersäuerung und häufig auch zu lokalen Flüssigkeitsansammlungen, dem so genannten lokalen Ödem. Häufig drückt solch ein Ödem auf Nervenbahnen und verursacht dort Störungen, die zu einer „nervlichen Unterversorgung“ bestimmter Körperteile oder Organe führen. Dies äußert sich dann zum Beispiel durch Symptome wie: Einschlafen und Pelzigkeit der Gliedmaßen, gestörte Kälte- oder Wärmeempfindungen in der Haut, Wasserstauungen in den Händen etc.
  2. Geringe Verschiebungen im Bereich der ersten beiden Halswirbel, Atlas und Axis, können zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Da die Durchblutung (Arteria vertebralis) sowohl des Kopfbereiches wie auch der Wirbelsäule durch die Öffnung dieser beiden Wirbel führt, können Symptome wie Schwindel, andauernde Kopfschmerzen, chronische Migräne und vieles mehr auftreten.
  3. Nacken und Kreuzschmerzen.
  4. Ischialgien, also Schmerzen, die über den Ischiasnerv in ein oder beide Beine ausstrahlen.
  5. Lumbago, das ist die Bezeichnung für akut auftretende Kreuzschmerzen, im Volksmund auch unter „Hexenschuss“ bekannt.

Wann ist Vorsicht ist geboten?

Trotz aller Begeisterung ist Vorsicht geboten. Viele Ursachen für Rückenschmerzen dürfen auf keinen Fall chiropraktisch behandelt werden. Deshalb ist eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte durch den Behandler von enormer Wichtigkeit. Von einer chiropraktischen Behandlung sollte abgesehen werden, wenn folgende Erkrankungen vorliegen: Bandscheibenvorfälle, frische Verletzungen, Tumore, Osteoporose. Menschen, die an einer Gerinnungsstörung leiden, dauerhaft Cortison oder blutverdünnende Mittel nehmen sowie Menschen mit Gefäßerkrankungen sollten ebenfalls vorsichtig sein, da die Folgen unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein können.


Risiken einer chiropraktischen Behandlung

Zwölf Millionen chiropraktische Eingriffe werden jedes Jahr in Deutschland durchgeführt. Die Dunkelziffer chiropraktischer Eingriffe bei „alternativen Therapeuten“ ist hoch, so dass mit fast 40 Millionen Manipulationen gerechnet wird. Die Komplikationen, wie Schlaganfall, Lähmung oder gar Tod, sind prozentual kaum erfasst. Statistisch liegen die Komplikationsraten zwischen 1:400.000 Eingriffen, in manchen Fachblättern wird sogar nur von 1:3.000.000 Komplikationen gesprochen.

Ein verschwindend geringer Risikoanteil, der mit anderen medizinischen Behandlungen vergleichbar ist. Manipulationen der Halswirbelsäule gelten als besonders gefährlich, da verschiedene Kräfte auf einmal einwirken. Wenn Komplikationen nach chiropraktischer Behandlung gemeldet wurden, fehlte es meist an Informationen bezüglich des Ausbildungsstandes des Therapeuten und der angewandten Technik. Demnach ist es schwer, die Chiropraktik als Methode grundsätzlich zu verunglimpfen.


Vorsorge, aber wie?

Jeder Betroffene muss für sich entscheiden, ob er die Vorteile und möglichen Risiken in Kauf nehmen möchte. Chiropraktik heilt nicht, sondern sorgt dafür, dass Blockierungen und daraus resultierende schmerzhafte Muskelverspannungen sich lösen. Die Schwachstellen des Rückgrads kann aber nur der Betroffene selber langfristig stabilisieren. Dabei hilft Sport: Radfahren, Schwimmen, Muskelaufbautraining, Rückenschule, Krankengymnastik. Zur Vorbeugung dient auch: gesundes Schuhwerk, Massagen, Wärme- oder Kältebehandlungen. Ein wichtiger Faktor ist nicht zu unterschätzen: Stress. Wer in der Lage ist, seinen Stress zu reduzieren, hat sein Muskel-Verspannungsrisiko halbiert.





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