Warum selbst ansetzen?
Ein Kräuteröl ist nichts anderes als ein Auszug: Die fettlöslichen Bestandteile einer Pflanze wandern in ein Pflanzenöl und bleiben dort. Das Verfahren ist uralt und braucht keine besondere Ausrüstung - ein sauberes Glas, gutes Öl, getrocknete Kräuter und ein paar Wochen Geduld genügen.
Der Reiz liegt in der Kontrolle. Sie bestimmen, welches Trägeröl verwendet wird, wie stark der Auszug wird und ob überhaupt Duftstoffe hineinkommen. Gerade bei empfindlicher Haut ist das ein Vorteil, denn viele gekaufte Massageöle enthalten Konservierungsstoffe und Parfüm.
Und es ist günstig. Ein halber Liter selbst angesetztes Johanniskrautöl kostet einen Bruchteil dessen, was dieselbe Menge im Handel kostet.
Das Trägeröl - die wichtigste Entscheidung
Das Trägeröl bestimmt, wie sich die Massage anfühlt, wie lange das Öl haltbar ist und wie es riecht. Nehmen Sie kaltgepresste Öle in Lebensmittelqualität.
Sonnenblumenöl ist der günstige Klassiker. Es zieht mittelschnell ein, ist geruchsneutral und für fast jede Haut verträglich. Haltbarkeit etwa acht bis zwölf Monate. Wenn Sie unsicher sind, fangen Sie hiermit an.
Olivenöl ist sehr haltbar und pflegt trockene Haut gut, hat aber einen kräftigen Eigengeruch und zieht langsam ein. Es eignet sich besser für Einreibungen als für großflächige Massagen.
Mandelöl ist das angenehmste für die Massage: leicht, geruchsarm, zieht gut ein und ist auch für Babyhaut geeignet. Es kostet mehr und hält etwa acht Monate. Bei Nussallergie nicht verwenden.
Jojobaöl ist streng genommen kein Öl, sondern ein flüssiges Wachs. Es wird kaum ranzig und hält zwei Jahre und länger. Als Zusatz von zehn bis zwanzig Prozent verlängert es die Haltbarkeit der ganzen Mischung spürbar.
Distelöl zieht sehr schnell ein und eignet sich für fettige Haut, wird aber am schnellsten ranzig.
Der Kaltauszug
Der Kaltauszug ist das schonendste Verfahren. Er dauert länger, erhält aber die empfindlichen Inhaltsstoffe am besten.
So gehen Sie vor
Füllen Sie ein sauberes, völlig trockenes Schraubglas locker zu zwei Dritteln mit getrockneten Kräutern. Gießen Sie das Trägeröl darauf, bis alle Pflanzenteile mindestens zwei Zentimeter hoch bedeckt sind. Das ist wichtig: Was aus dem Öl herausragt, schimmelt.
Verschließen Sie das Glas und stellen Sie es an einen warmen, hellen Platz - eine Südfensterbank ist ideal. Schütteln Sie es täglich einmal.
Nach drei bis vier Wochen wird abgeseiht. Nehmen Sie ein Leinentuch oder einen Kaffeefilter und drücken Sie die Kräuter gut aus. Füllen Sie das Öl in eine dunkle Flasche und beschriften Sie sie mit Inhalt und Datum.
Wer einen kräftigeren Auszug möchte, gießt das fertige Öl über frische Kräuter und wiederholt den Vorgang. Das nennt sich Doppelauszug.
Ein wichtiger Hinweis zu frischen Kräutern: Grundsätzlich sollten Sie getrocknete Pflanzen verwenden. Frische Kräuter bringen Wasser mit, und Wasser im Öl bedeutet Schimmel. Die einzige verbreitete Ausnahme ist das Johanniskraut, dessen Blüten frisch angesetzt werden - dann aber unbedingt gut abgetrocknet und nur die Blüten, keine Stiele.
Der Warmauszug
Wenn es schneller gehen soll, arbeiten Sie mit Wärme. Der Auszug ist in wenigen Stunden fertig, allerdings gehen hitzeempfindliche Stoffe dabei verloren.
Geben Sie Kräuter und Öl im selben Verhältnis wie oben in ein Glas und stellen Sie dieses in einen Topf mit Wasser. Erhitzen Sie das Wasserbad auf etwa 40 bis höchstens 60 Grad und halten Sie diese Temperatur zwei bis drei Stunden. Das Öl darf nie kochen oder rauchen.
Ein Backofen bei 50 Grad Umluft leistet dasselbe, wenn Ihr Herd so niedrige Temperaturen sauber hält. Danach wie beim Kaltauszug abseihen und abfüllen.
Vier Rezepte für Massageöle
Johanniskrautöl - das Rotöl
Das bekannteste Kräuteröl überhaupt. Frische Johanniskrautblüten in Oliven- oder Sonnenblumenöl ansetzen und fünf bis sechs Wochen in die Sonne stellen. Es färbt sich tiefrot. Traditionell wird es bei verspannter Muskulatur und bei Nervenschmerzen eingesetzt.
Achtung: Johanniskrautöl macht die Haut lichtempfindlich. Nach der Anwendung für einige Stunden nicht in die Sonne.
Lavendelöl zum Entspannen
50 g getrocknete Lavendelblüten auf 500 ml Mandelöl. Vier Wochen kalt ausziehen. Ein ruhiges Öl für den Abend, das gut zu einer Nackenmassage passt und angenehm duftet, ohne aufdringlich zu sein.
Ringelblumenöl für strapazierte Haut
40 g getrocknete Ringelblumenblüten auf 500 ml Sonnenblumenöl, drei bis vier Wochen. Die Ringelblume gilt als das Hautkraut schlechthin. Dieses Öl eignet sich für rissige Hände, trockene Stellen und als Grundlage für Salben.
Wärmendes Öl für den Rücken
25 g Rosmarinnadeln, 15 g Ingwerstückchen und 10 g Wacholderbeeren auf 500 ml Sonnenblumenöl. Als Warmauszug in drei Stunden fertig. Dieses Öl wärmt kräftig und passt zu Massagen bei verspanntem Nacken und Rücken. Nicht am Abend anwenden, es macht wach.
Haltbarkeit und Aufbewahrung
Bewahren Sie fertige Öle in dunklen Glasflaschen kühl und lichtgeschützt auf. Licht und Wärme sind die größten Feinde - während des Ansetzens brauchen Sie beides, danach nicht mehr.
Rechnen Sie mit sechs bis zwölf Monaten, je nach Trägeröl. Ein Zusatz von Vitamin E aus der Apotheke, etwa zehn Tropfen auf 500 ml, verzögert das Ranzigwerden.
Riechen Sie vor jeder Anwendung kurz an der Flasche. Ranziges Öl riecht scharf und kratzig wie alte Nüsse. Dann gehört es nicht mehr auf die Haut.
Worauf Sie achten sollten
Arbeiten Sie sauber. Gläser und Flaschen sollten heiß ausgespült und vollständig getrocknet sein, bevor Öl hineinkommt.
Testen Sie jedes neue Öl zuerst in der Armbeuge und warten Sie einen Tag ab, besonders wenn Sie zu Allergien neigen.
Ätherische Öle sind kein Muss. Wenn Sie welche zusetzen möchten, genügen fünf bis höchstens fünfzehn Tropfen auf 100 ml - mehr reizt die Haut, statt zu pflegen. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit empfindlicher Haut gelten deutlich niedrigere Mengen.
Die Öle, die hier beschrieben sind, dienen der Pflege und der Entspannung. Sie ersetzen keine ärztliche Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Ursache abgeklärt.
Und noch ein praktischer Hinweis: Das schönste Öl nützt wenig, wenn die Griffe nicht sitzen. Wer die handwerkliche Seite lernen möchte - Druck, Tempo, Aufbau einer Massage - findet das in den Massagekursen der Massageschule Baumann. Zur Kräuterstempelmassage, bei der solche Öle zum Einsatz kommen, haben wir eine eigene Anleitung mit Kräutermischungen geschrieben.
Über den Autor
Peter Baumann schreibt seit 2004 über Heilpflanzen. Zu den Kräutern kam er als Kind: Seine Mutter nahm ihn mit hinaus zum Sammeln und erklärte ihm unterwegs, wofür die Pflanzen am Wegrand gut sind - was sie kann, wo sie wächst, wann man sie erntet. Aus diesen Kräuterwanderungen wurden später neun Bücher über Heilpflanzen und ätherische Öle und dieses Verzeichnis, das seit 2004 online ist.
Heute leitet er die Massageschule Baumann in Aalen und unterrichtet dort Massage und Aromatherapie - also genau die Stelle, an der die Kräuterkunde auf die Arbeit mit den Händen trifft. Mehr über Peter Baumann