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Kräuterstempelmassage: Anleitung und Kräutermischungen

Warme Stempel aus Leinen, gefüllt mit Heilkräutern, die auf der Haut abgerollt werden: Die Kräuterstempelmassage verbindet Wärme, Druck und die Wirkstoffe der Pflanzen. Sie lässt sich mit etwas Stoff und getrockneten Kräutern gut selbst herstellen.


Was ist eine Kräuterstempelmassage?

Die Kräuterstempelmassage stammt ursprünglich aus Südostasien, wo sie in Thailand und Indien seit Jahrhunderten angewendet wird. In Indien gehört sie unter dem Namen Pinda Sweda zur ayurvedischen Behandlung. Nach Europa kam sie erst in den letzten Jahrzehnten, wo sie vor allem in Wellnesseinrichtungen einen festen Platz gefunden hat.

Das Prinzip ist einfach: Getrocknete Kräuter werden in ein Baumwoll- oder Leinentuch gebunden, im Wasserdampf erhitzt und dann mit sanftem Druck über die Haut gerollt, getupft und gestrichen. Der warme Stempel gibt dabei Feuchtigkeit, Wärme und die löslichen Pflanzenstoffe an die Haut ab.



So wirken die Kräuterstempel

Drei Dinge wirken hier zusammen, und das macht den Reiz dieser Anwendung aus.

Die Wärme. Sie entspannt die Muskulatur und erweitert die Blutgefäße. Warme Anwendungen werden seit jeher bei Verspannungen eingesetzt, und der feuchte Dampf des Stempels dringt tiefer ein als trockene Wärme.

Der Druck. Das Abrollen und Tupfen wirkt wie eine sanfte Massage. Es ist weicher als eine klassische Handmassage und wird deshalb auch von Menschen als angenehm empfunden, die kräftigen Druck nicht mögen.

Die Pflanzenstoffe. Durch Wärme und Feuchtigkeit lösen sich ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe aus den Kräutern. Sie gelangen auf die Haut und werden zugleich eingeatmet - der Duft ist ein wesentlicher Teil der Wirkung.



Kräuterstempel selber binden

Sie brauchen dazu nur wenig, und das meiste haben Sie vermutlich im Haus.

Das Material

Ein Quadrat aus unbehandeltem Baumwoll- oder Leinenstoff, etwa 30 x 30 cm. Alte Geschirrtücher aus Leinen eignen sich hervorragend. Dazu ein Stück Naturbast, Küchengarn oder ein schmaler Stoffstreifen zum Zubinden - kein Kunststoffband, das hält die Hitze nicht aus.

Etwa 40 bis 60 Gramm getrocknete Kräuter pro Stempel. Für eine Ganzkörperanwendung brauchen Sie zwei Stempel, damit einer nachwärmen kann, während Sie mit dem anderen arbeiten.

So gehen Sie vor

Legen Sie das Tuch flach aus und häufen Sie die Kräutermischung in die Mitte. Wer möchte, gibt einen Esslöffel grobes Meersalz oder zwei Esslöffel Leinsamen dazu - das Salz speichert Wärme, die Leinsamen geben beim Erhitzen etwas Schleim ab, der die Haut pflegt.

Nun die vier Ecken zusammennehmen, den Stoff über der Füllung fest zusammendrehen und mit dem Garn dicht über dem Kräuterballen abbinden. Der überstehende Stoff wird zum Griff. Wickeln Sie das Garn mehrfach herum und verknoten Sie es sicher - der Stempel muss halten, wenn er nass und schwer wird.

Erhitzen

Die Stempel kommen für etwa zehn bis fünfzehn Minuten in einen Dampfgarer oder in ein Sieb über kochendem Wasser. Sie sollen durchgewärmt und feucht sein, aber nicht triefen. Prüfen Sie die Temperatur immer erst an der eigenen Unterarminnenseite, bevor Sie den Stempel auf die Haut eines anderen Menschen setzen. Er darf sich warm anfühlen, niemals heiß.



Drei bewährte Kräutermischungen

Die Mengen reichen jeweils für zwei Stempel. Verwenden Sie getrocknete Kräuter - frische schimmeln und geben zu viel Wasser ab.

Mischung zum Entspannen

30 g Lavendelblüten
20 g Melissenblätter
20 g Kamillenblüten
20 g Rosenblütenblätter
1 EL grobes Meersalz

Diese Mischung ist die freundlichste von allen und eignet sich für den Abend, bei Unruhe und für Menschen mit empfindlicher Haut.

Mischung für verspannte Muskeln

25 g Rosmarinnadeln
25 g Thymian
20 g Johanniskraut
15 g Ingwerstückchen, getrocknet
15 g Wacholderbeeren, angequetscht

Rosmarin und Ingwer wärmen deutlich spürbar. Diese Mischung ist nichts für den Abend, sie macht eher wach. Bei Bluthochdruck sollte man Rosmarin zurückhaltend einsetzen.

Mischung für die erkältete Zeit

25 g Pfefferminze
25 g Salbei
20 g Fichtennadeln oder Kiefernnadeln
20 g Thymian
10 g Eukalyptusblätter

Diese Mischung wird auf Brust und Rücken angewendet. Der aufsteigende Dampf wird mit eingeatmet. Bei kleinen Kindern bitte auf Pfefferminze und Eukalyptus verzichten.



Die Anwendung Schritt für Schritt

1. Vorbereiten. Der Raum sollte warm sein, die zu behandelnde Person liegt bequem und ist zugedeckt. Nur die Partie, an der Sie gerade arbeiten, bleibt frei.

2. Die Haut vorbereiten. Tragen Sie etwas Massageöl auf. Es schützt die Haut und verteilt die Wärme gleichmäßiger. Wie Sie ein solches Öl selbst ansetzen, lesen Sie in unserem Beitrag Massageöle aus Heilkräutern selbst ansetzen.

3. Temperatur prüfen. Erst am eigenen Unterarm, dann kurz auf dem Rücken der behandelten Person auftupfen und nachfragen.

4. Tupfen. Beginnen Sie mit leichtem Auftupfen, damit sich die Haut an die Wärme gewöhnt. Arbeiten Sie vom unteren Rücken nach oben.

5. Rollen und Streichen. Wenn die Wärme angenehm angenommen wird, rollen Sie den Stempel in ruhigen Bahnen über die Haut. Immer in Richtung Herz arbeiten. Der Druck bleibt leicht - der Stempel soll die Arbeit tun, nicht Ihre Kraft.

6. Verweilen. An besonders verspannten Stellen legen Sie den Stempel für einige Atemzüge einfach auf und lassen die Wärme einziehen.

7. Wechseln. Wird der Stempel kühl, tauschen Sie ihn gegen den zweiten aus dem Dampf.

8. Nachruhen. Decken Sie die behandelte Person danach zu und lassen Sie sie mindestens zehn Minuten liegen. Das Öl und die Kräuterstoffe ziehen weiter ein. Ein Glas Wasser danach tut gut.

Eine ganze Anwendung dauert je nach Umfang zwanzig bis vierzig Minuten. Die Stempel sind Einmalprodukte - die feuchten Kräuter verderben rasch. Der Stoff lässt sich waschen und wiederverwenden.

Wer den Griff und die Druckdosierung nicht nur nachlesen, sondern unter Anleitung an einem Menschen üben möchte, findet das in den Wellnessmassage-Kursen der Massageschule Baumann, wo warme Anwendungen zum Ausbildungsstoff gehören.



Wann Sie darauf verzichten sollten

Wärmeanwendungen sind nicht in jeder Situation angebracht. Verzichten Sie auf die Kräuterstempelmassage bei akuten Entzündungen, bei Fieber, bei frischen Verletzungen und Prellungen, bei offenen oder gereizten Hautstellen sowie bei Krampfadern und Thrombosen.

Vorsicht ist auch geboten bei Menschen mit gestörtem Temperaturempfinden, etwa bei Diabetes mit Nervenbeteiligung - sie spüren zu große Hitze möglicherweise zu spät. In der Schwangerschaft und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sprechen Sie besser vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.

Und prüfen Sie bei allen verwendeten Kräutern, ob eine Allergie bekannt ist. Korbblütler wie die Kamille können bei entsprechend empfindlichen Menschen Hautreaktionen auslösen.



Über den Autor

Peter Baumann schreibt seit 2004 über Heilpflanzen. Zu den Kräutern kam er als Kind: Seine Mutter nahm ihn mit hinaus zum Sammeln und erklärte ihm unterwegs, wofür die Pflanzen am Wegrand gut sind - was sie kann, wo sie wächst, wann man sie erntet. Aus diesen Kräuterwanderungen wurden später neun Bücher über Heilpflanzen und ätherische Öle und dieses Verzeichnis, das seit 2004 online ist.

Heute leitet er die Massageschule Baumann in Aalen und unterrichtet dort Massage und Aromatherapie - also genau die Stelle, an der die Kräuterkunde auf die Arbeit mit den Händen trifft. Mehr über Peter Baumann

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