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Das Heilkräuter - Verzeichnis

Wermut - Geschichten und Sagen

Nach Dioskurides, der verschiedene Absinthiumarten kennt, ist die gewöhnliche Art ein bekanntes Kraut, die beste Sorte davon wachse am Pontus und in Kappadokien. Dioskurides schildert ihn als erwärmend, adstringierend und verdauungsbefördernd. In der Propontis und in Thrakien wird daraus ein Wein bereitet, der als sehr gesund gilt. Mit Essig getrunken lobt er ihn als ein gutes Mittel gegen Vergiftung durch Pilze, mit Wein gegen Ischias und Vergiftung durch den Schierling.

Ein Zeichen der allgemeinen Wertschätzung des Wermuts war, dass bei den latinischen Festen der Sieger im Wettrennen mit Stiergespannen auf dem Kapitol einen Wermuttrank zu sich nahm. Lukretius erzählt, dass man den Kindern, die Wermut gegen Würmer erhielten, Honig um den Rand des Bechers schmierte. Galenus nennt ihn als antifebriles Mittel. Auch sonst wird er bei den römischen und griechischen Ärzten viel erwähnt.

Im Mittelalter begegnen wir dem Wermut zum ersten Male im "Hortulus", dem Lehrgedichte des Abtes Walafrid Strabus (9. Jahrhundert), dann bei der hl. Hildegard, die ihn "wermuda" nennt. Für das hohe Ansehen, das die Pflanze genoss, spricht, dass ihr Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuche nicht weniger als 13 Folioseiten widmet. Die wichtigsten Anwendungen waren die als Wundmittel, gegen Cholera und Pest, Rheumatismus, Lähmungen, Gelbsucht, Wassersucht, Skorbut, Bleichsucht, Magenleiden, Frauenleiden, Epilepsie usw. Boerhaave empfahl ihn gegen Malaria.

Jedoch nicht nur in der Heilkunde, sondern auch sonst hatte man viel Verwendung für die Pflanze. So soll sie zur Verhinderung des Rausches gedient haben und ein beliebtes Mittel gegen Katzenjammer gewesen sein. Als einfaches und gutes Floh- und Lausmittel wird in R. Minderers "Kriegsarzneibüchlein für den Dreißigjährigen Krieg" folgende Vorschrift gegeben: "Willst du von Ungeziefer gesichert sein, so tauche dein Hemd in einen Absud von Wermut und Hufabschnitzeln von Pferden in halbverdünnter Lauge und lass es trocknen: so kommt dir keine Laus hinein, während sonst eine im Hemd stürbe und viele Tausende mit ihrer Leiche gehen."

Der Brauch, den Matthiolus berichtete, dass man die jungen Blätter in Eierkuchen buk, scheint heute in Vergessenheit geraten zu sein. Die appetitanregende Eigenschaft der Pflanze hielt man für so groß, dass es genügte, die Blätter nur in die Schuhe zu legen, und darauf zu gehen, dass "die Lust zur Speiß komme". Auch in der sympathetischen Medizin und als Dämonen abwehrendes Mittel hat der Wermut, der als Bestandteil von Hexensalben und -tränken galt, im Volke eine gewisse Rolle gespielt.

Wie beliebt der Wermut noch heute ist, zeigt der bergische Spruch "Wärmot ist för alles got". Das, was man als Absinthschnaps bezeichnet, ist kein Wermutwein, sondern ein Wermutdestillat. In der Basler Gegend benutzt man den Absinthschnaps als Abortivum, auch im Kaukasus wird er als wehentreibendes Mittel verwendet.

Die Verwendung des Absinthlikörs scheint erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich aus Algerien eingeführt worden zu sein. Der Absinthgenuss hatte sich besonders in den schweizerischen und französischen Großstädten rasch verbreitet. Infolge der sehr schädlichen Wirkung (Schwindel, Muskelzuckungen, Krämpfe, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, epilepsieähnliche Anfälle) setzte um 1900 eine lebhafte Bewegung zur Bekämpfung des Absinthismus ein, die zu einem völligen Verbot der Herstellung und Einfuhr in Deutschland, in der Schweiz, in Italien und Holland und zu einer Einschränkung von Anbau, Fabrikation und Konsum in Frankreich führte.

Mönche im Mittelalter mischten Wermut in ihre Tinte, um das Papier später vor Tierfraß zu schützen.

Der Rauch schütze angeblich Kinder vor dem Teufel. Er sollte einen davor bewahren, eine Hexe zu werden. Kleine Kinder und Tiere wollte man mit Wermut vor dem Bösen schützen. Außerdem war die Pflanze ein traditioneller Grabschmuck.

In der Antike stellte man Absinth her, weil man glaubte, er helfe gegen die Degeneration des Gehirns.

In Ägypten war der Wermut eine wichtige Pflanze, die Priesterinnen der Isis verwendeten sie bei ihren Ritualen.

Um den Hals getragen soll Wermut vor dem bösen Blick schützen, auch vor Verhexung: „Wer Wermut bei sich trägt, kann nicht beschrien werden.”





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