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Das Kräuter-Verzeichnis

Lein

Der Lein (Linum usitatissimum) ist eine 30 bis 80 cm hohe Pflanze, die ausschließlich als Kulturpflanze bekannt ist. Der Stängel des Leins trägt dichte Blätter, die schmal und gräulich grün sind. Die wunderbaren blauen Blüten stehen in Rispen am Stängel.

Der Lein, der auch Flachs genannt wird, war vermutlich den Menschen schon in der Steinzeit bekannt. Man nutzte ihn damals zur Fasergewinnung und als Lieferant für Öl. Dies kann man aus Funden der Schweizer Pfahlbauten schließen. Und auch die alten Griechen benutzen den Lein schon, genauso wie die Ägypter. Dort wurde er gegen Durchfälle, Leibweh und Katarrh verwendet.

Der Lein ist ein einjähriges Kraut und erblüht von Juni bis September, den Samen sammelt man im August und September.

Lein war wohl schon den Steinzeitmenschen bekannt, sie stellten daraus Leinöl her. Zudem nutzten sie seine Fasern zur Stoffherstellung.

Im alten Ägypten gab man Leinsamen als Wegzehrung für die Toten mit ins Grab.

Die Verwendung des Leins in der Kräutermedizin geht auf Hieronymus Bock zurück, der 1577 recht ausführlich über die Verwendung des Samens in seinem Buch berichtete.

Heutzutage benutzt man den Samen überwiegend bei Verstopfung und Darmträgheit, äußerlich als warmer Umschlag oder Kompresse bei entzündeten Hautausschlägen und Geschwüren.



Über den Lein

Der Name "Lein", ist ja nicht nur der Name der Leinpflanze, sondern er steckt auch in dem Wort Leinen, gemeint ist damit der Leinenstoff, oder auch die Leinwand, auf dem gemalt wird.

Der Name Flachs leitet sich vom Flechten ab, normalerweise sagt man zum Lein erst dann Flachs, wenn er geerntet wurde. Der Lein, oder der Flachs, wurde schon in den Pfahlbauten am Bodensee gefunden, dies belegt, dass sich schon tausende Jahre vor Christi die Menschen daraus Stoffe webten. Gleiches galt für die alten Ägypter, die Römer und die Griechen. Griechen und Römer stellten sogar die Segel für ihre teils mächtigen Schiffe daraus her.

Die Herstellung von Leinstoffen war ein gesellschaftlicher Treffpunkt, bei dem die Menschen lachten und erzählten und ihren Spaß hatten. Und so nebenbei dürfte auch die ein oder andere Ehe hier in die Wege geleitet worden sein.
Die Herstellung von Leinstoffen war ein gesellschaftlicher Treffpunkt, bei dem die Menschen lachten und erzählten und ihren Spaß hatten. Und so nebenbei dürfte auch die ein oder andere Ehe hier in die Wege geleitet worden sein.

Plinius der Ältere schrieb nieder, dass sich die wunderschönen germanischen Frauen mit ihren goldenen Haaren in Leinenkleider kleideten - er war wohl sehr beeindruckt von unseren hübschen Damen - und das zu Recht! Generell war der Flachs eher etwas der Nordeuropäer, und hier wieder eher bei den Frauen als bei den Männern. Mann jagte und bestellte die Felder - Frau stellte die Kleidung her.

Damals war es wohl auch üblich, immer eine Pflanze auf dem Feld übrig zu lassen, als Opferpflanze für die Götter und als Dank für die Ernte.

Karl der Große soll eine besondere Neigung für Leinenstoffe gehabt zu haben, wie sein Schreiber niederschrieb.

In der vorindustriellen Zeit war Deutschland das Zentrum der Leinenverarbeitung. Die Weber und Stoffhändler stiegen schnell zu großem Reichtum und Macht auf.

Die brave Hausfrau hingegen versuchte, sich die Stoffe so weit es ging selbst zu machen, wie Schiller in seinem Gedicht "Das Lied von der Glocke" schreibt:

"Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,

Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,

Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein

Die schimmernde Wolle, den schneeichten Lein,

Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,

Und ruhet nimmer."

Die Spindel war ein Zeichen für die Hausfrau, und das Spinnen war sogar bei den besser betuchten Damen beliebt. Es war zudem üblich, dass man sich in Gruppen traf, und sang, und erzählt, und seinen Spaß hatte, und nebenbei Leinenstoffe herstellte.

Früher war es üblich, dass junge Damen viel Bettwäsche aus Lein mit in die Ehe brachten, eine Frau mir viel Beisteuer war gut angesehen
Früher war es üblich, dass junge Damen viel Bettwäsche aus Lein mit in die Ehe brachten, eine Frau mir viel Beisteuer war gut angesehen

Allerdings, so die Sage, durfte man in der Nacht nicht spinnen, auch nicht samstags. Denn es gab die Geschichte über eine Frau, die das getan hatte, und die wurde auf den Mond verbrannt, wo man fortan ihr Gesicht sehen kann (einfach mal hochschauen, dann sieht man es!)

Damit der Lein im Frühling gut wächst, hat man früher so allerlei Zauber und Tricks gekannt. Lein war wichtig, damit man viele Stoffe weben konnte, und ohne Kleidung wurde es schrecklich kalt im Winter. Man kannte zum Beispiel die Bauernregel "Lichtmess hell und klar, gibt ein gutes Flachsjahr!"

Aber das alleine reichte natürlich nicht aus, man musste ja auch aktiv etwas dafür tun. So wurde am Saattag in westfälischen Gegenden um das Feld herum getanzt, bis es dunkel wurde am Abend. Es war auch Brauch, dass zum Fasching Frauen so hoch wie möglich springen sollten, auf dass der Lein besonders gut wachsen solle.

Der Lein sollte generell nicht an einem Mittwoch gesät werden, denn das war der Tag des Wotan, der an diesem Tag mit seinem Pferd angeblich über die Felder reiten soll und so alles niedertrampelt. Bester Saattag sei der Gründonnerstag, also der Donnerstag vor Ostern, dann ist es nämlich schon so warm, dass die Saat nicht mehr erfriert.

Gibt man etwas gestohlenen Samen in sein eigenes Saatgut, so soll der Lein besonders gut wachsen.

Wenn der Bauer beim Aussäen große Schritte machte, wurde der Lein so hoch wie seine Schritte lang waren.

Es war auch üblich, Opfer zu geben, damit der Lein gut wuchs. So sollte man dem Aussäenden ein Trinkgeld geben für seine Arbeit, oder eine frisch vermählte Braut sollte von ihrer Pferdekutsche Lein werfen.

Am Johannistag, wenn man das Johannisfeuer feiert, sollten die Frauen möglichst hoch über das Feuer springen, dann würde der Lein besonders hoch wachsen.

"I spring übers Sonnwendfeuer, alle Nachbarn sann mir teuer.

Springets mit mir allezam, so wirds Hoar (der Lein) recht lang."

Damit die Leinpflanzen besonders gut wuchsen, erinnerte man sich auch der Nacktheit, die ja für die Fortpflanzung und Fruchtbarkeit gesehen werden kann. Es war zum Beispiel in den Spreegebieten üblich, dreimal nackt um das Feld herum zu laufen, damit die Saat besonders gut wuchs. In Oberfranken sollten die Damen nackt spinnen, damit möglichst viel aus der Ernte wurde.

Es gibt aber noch allerlei andere seltsame Bräuche und Sitten um den Lein: So sollte man 9 Leinpflanzen von fremden Feldern stehlen, daraus Fäden spinnen und sie tragen, so dass man die Liebe findet.

Spinnt ein jungen Mädchen unter 7 Jahren das Garn, so soll dieses Garn besonders zauberstark sein. Legte man dieses Garn dann in der Kirche heimlich unter das Altartuch, und wurden darüber 3 Messen gelesen, so sollte man zum Beispiel ein Hemd daraus herstellen können, mit dem man niemals ertrinken konnte, oder mit dem man sicher vor Messerstichen war, das auch Krankheiten fernhielt, böse Zauber sowieso, das muss man eigentlich gar nicht mehr erwähnen.

Gab man etwas des Garns in sein Gewehr, so traf angeblich jeder Schuss.

Eine anderes kugel- und stichfestes Hemd war das so genannte Nothemd, das eine Jungfrau in nur einer Nacht spinnen, weben und nähen musste. Als wäre das nicht Stress genug, musste sie dabei noch den Teufel anbeten. Am nächsten Morgen war die Jungfer dann dem Teufel hörig, das Hemd sollte durch die Kraft des Teufels unverwundbar machen. Angeblich befindet sich ein solches Nothemd in der Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. in Prag.

Aber zurück zu den lieblicheren Dingen des Lebens! In der Nacht des heiligen Thomas am 21. Dezember streuten sich junge Damen Leinsamen über ihr Haupt und sagten den Spruch

"Ich säe meinen Samen, In St. Thomas' Namen;

In St. Thomas' Garten, Will ich auf meinen Bräutigam warten."

Ob es half, können Sie gerne auch heute noch ausprobieren, Erfolgsmeldungen nehme ich gerne an und werde sie hier veröffentlichen, gerne auch mit Foto! Ich warte mit Freude…


Volksheilkundliche Anwendungen

Man verwendete und verwendet den Lein innerlich gegen Schmerzen, Krampfhusten, Blasenentzündungen, Lungenleiden und gegen Krämpfe.

Eine äußerliche Anwendung findet bei Entzündungen der Haut statt.


Wirkung und Anwendung von Lein

  1. Furunkel
  2. Gallensteine
  3. Geschwüre
  4. Gürtelrose
  5. Heiserkeit
  6. Husten
  7. Magenschleimhautentzündung
  8. Magenübersäuerung
  9. Mund- und Rachenentzündungen
  10. Prellungen
  11. Rheuma
  12. rheumatische Schmerzen
  13. Schleimhautentzündungen
  14. Schuppenflechte
  15. Verstauchungen
  16. Verstopfung

Übersicht



Volksnamen

Dreschlein, Flachs, Flas, Glix, Haar, Haarlinsen, Klengel, Leinwanzen, Stempenhaar


Verwendete Teile

Verwendung finden die getrockneten Samen des Leins


Inhaltsstoffe

Schleimstoffe, Glykoside, Lignane und fettes Öl, in dem viele wertvolle ungesättigte Fettsäuren enthalten sind.


Rezepte und Anwendungen rund um den Lein



Tee

2 Teelöffel Samen mit 1/4 l kaltem Wasser übergießen und kurz aufkochen. Nach 20 Minuten absieben. Tee lauwarm trinken.


Stuhlregulierung

2 Esslöffel frisch geschroteter Leinsamen morgens und abends mit 1/4 l Flüssigkeit einnehmen.


Umschlag bei Verbrennungen

2 Esslöffel Leinsamen (ganz) 500 ml Wasser

Man übergießt die Leinsamen mit dem Wasser, erhitzt und lässt 3 Minuten kochen. Dann siebt man ab, tränkt ein Tuch mit der Flüssigkeit und legt das Tuch auf die verbrannte Stelle auf. Umschlag öfters wechseln.


Leinsamenkompresse gegen Verletzungen

Zubereitung

Einige Esslöffel Leinsamen zerstoßen, mit Wasser zu einem Brei verrühren und unter ständigem Rühren zu einer zähen Masse einkochen.

Anwendung der Kompresse

Diese Masse streicht man fingerdick auf ein Tuch, faltet es oben wie ein Kuvert zusammen und legt es mit der glatten Seite auf den Körper.

Hilft bei allen oberflächlichen Entzündungen sowie Verletzungen.


Magen-Darm-Entzündungen

Bei Entzündungen des Magen-Darm-Bereiches kochen Sie 2 - 3 Esslöffel Leinsamen.


Bevor Sie sich selbst mit Heilkräutern behandeln, fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker!







Vorsicht - Risiken und Nebenwirkungen

Verwenden Sie Leinsamen nicht, wenn Sie unter einem Darmverschluss leiden, wenn die Speiseröhre oder der Magen-Darm-Trakt verengt ist.

Wenn Sie Leinsamen essen, kann die Wirksamkeit anderer Medikamente gesenkt werden.





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Kurzinfo
Lein
  • Gehört zur Familie der Leingewächse
  • Pflanzenbeschreibung: Wächst aufrecht und wird bis zu 1 m groß
  • Blätter sind fiedrig, schmal und lanzenförmig, die Blüten sind himmelblau
  • Die Samen sind rundliche, glänzende Kapseln
  • Der Wuchsort ist sonnig. Lein mag nährstoffhaltige und leichte Erdböden
  • Pflanze im Garten: Nur gering düngen, stauende Nässe vermeiden
  • Verwendungsmöglichkeiten: Die Samen sind bekannt aus dem Müsli oder aus dem Joghurt.

    Lein wirkt verdauungsanregend, als Gurgelmittel bei Zahnfleischentzündungen und Entzündungen im Mundraum.


    Leinöl hilft als Umschlag bei Hautausschlag. Das Öl ist zudem ein wertvolles Speiseöl.


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