Das Kräuter-Verzeichnis


Stimme, Verlust derselben


So wichtig ist für uns Menschen die Stimme, daß wir schon etwas ausführlicher von ihr reden dürfen.

Es kommt im Leben häufig vor, daß die Stimme theilweise oder ganz verloren geht. Man weiß oft keine Ursache. Manche können noch heiser sprechen, manche aber müssen die Zuflucht zur Feder oder zum Griffel nehmen.

So kam vor 17 Jahren ein Priester zu mir, der lange Zeit Papier und Blei mit sich tragen musste, um zu notiren, was er Anderen mittheilen wollte. Er war ganz und gar unfähig, seinem Berufe als Priester nachzukommen. Ueberall, wohin man ihm gerathen, hatte er Hilfe gesucht. Er bekam Gurgelwasser, er wurde magnetisirt, elektrisirt, man setzte Schröpfköpfe an, vierzehnmal brannte man mit Höllenstein den Hals aus (Stäbchen aus Silbernitrat + Kaliumnitrat kommen als "Höllenstein" zum Einsatz, beispielsweise zum Entfernen wuchernden Gewebes oder zum Verätzen von Warzen), so daß ein Arzt erklärte, er werde die Sprache nie wieder bekommen; solches Unheil, Narben u.s.w. hatte der Höllenstein angerichtet. Als nichts mehr helfen und kein Arzt Heilung bringen konnte, da wurde das kalte Wasser das Heilmittel, dem der Priester nächst Gott seine Hilfe verdankte. Dieser Priester schien ganz gesund zu sein. Die Gesichtsfarbe indessen war nicht frisch, vielmehr trübe und krankhaft. Schmerzen fühlte er im ganzen Körper keine besonderen; er meinte, ihm fehle nichts außer der Stimme. Wie kann ein Sprachorgan zum Sprechen unbrauchbar sein, wenn es weder verletzt ist, noch irgend welcher Schmerz empfunden wird? Wenn ich einem ein Tuch über den Mund binde, so ist kein Sprachorgan verletzt, und doch kann der Betreffende nicht mehr reden. Thorheit wäre es, suchte ich das Uebel im Halse. Ich muss das Tuch wegnehmen, und die Rede hat wieder ihren Fluß. Die Sprachorgane können ganz gesund sein, aber verschiedene Einwirkungen, gleichsam Ueber- und Unterbindungen derselben, hindern zu sprechen. Was sind das für Einwirkungen?

Wenn ein Bächlein durch ein Thälchen läuft, und werfen die losen Hirtenbuben Steine in sein Bett und verstopfen den Lauf mit Schlamm und Erde, so ist das Wasser gehindert, seinen geregelten Lauf fortzusetzen; es muss nach rechts und links aus dem Bette weichen, Auswege suchen, Vertiefungen, in denen es weiter fließe oder sich aushält. Gerade so geht es oft im menschlichen Organismus. Könnte man hineinschauen in dieses vieladrige Stromgebiet, so würde man sehen, daß dem Blutlaufe oft gerade solche Hindernisse gelegt werden. Die Folgen sind Blutstauungen, Schleimhautschwellungen. Wer hat noch nie ein sogenanntes Ueberbein an einer Hand, am Fuße gesehen? Denke Dir nun eine solche Anschwellung, oder was immer sie sei, nach innen gebildet, nie sie drückt. Muß das gedrückte Organ nicht in seiner Thätigkeit beeinträchtigt, gestört werden? Hänge der klangvollsten Glocke einen Quersack an, aller Ton ist dahin. Und da hilft kein Brennen und kein Hämmern.

Doch zurück zu unserem stummen Herrn! Der erste Oberguß ließ mich die gewaltigen Anstauungen, fast schon Geschwulstbildungen, erkennen. Das waren die Missethäter, die mit ebenso vielen Fesseln die Sprachorgane, die Stimmbänder, gefangen hielten und an ihrer Thätigkeit hinderten. Wurden jene entfernt, so waren diese gelöst. Die Entfernung der Anstauungen geschah durch auflösende und ableitende Wasseranwendungen. Als auflösende Anwendung steht in erster Linie der Kopfdampf. Dieser erzeugt Schweiß über den ganzen Oberkörper hin. Ein kalter Abguß (Kopfguß) unmittelbar darauf wird das Aufgelöste wegschwemmen und die Natur kräftigen. Da der Patient ziemlich beleibt ist und bei solchen Personen gewöhnlich Blutandrang nach oben stattfindet so leite man das Blut mehr nach unten durch einen Fußdampf mit folgendem kalten Abguß (Knieguß oder Fußguß). Diese zwei Anwendungen (die in unserem Falle zusammengehören) können in jeder Woche einmal, wenn die Korpulenz ziemlich stark ist, auch zweimal genommen werden.

Eine zweite Anwendung, die in ähnlicher Weise im ganzen Körper auflösend wirkt, ist der spanische Mantel. Dazu kommen kalte Bäder (1 bis 2 in der Woche, höchstens eine Minute lang), Halbbäder (bis an die Magengegend) mit kräftigen Waschungen des Oberkörpers; ein Ober- und Unterguß statt des Bades thun ähnliche Dienste. Diese Anwendungen pünktlich vollzogen und verbunden mit einer geregelten Lebensweise - nicht zu viel sitzen, Bewegung im Freien, kleine Handarbeiten - machten Alles gut. Die ganze Maschine kam wieder in den richtigen Gang, und das Rädchen der Stimme lief ohne Pinseln und Brennen und Elektrisiren von selbst mit in der alten trefflichen Weise. Niemand hatte geglaubt, daß dieser Priester je seine Stimme wieder erhalte. In 6 Wochen war er vollkommen hergestellt, und heute noch, nach 17 Jahren, hat seine Stimme einen Wohlklang und eine Kraft, die Jeden erfreut, der sie zu hören bekommt.

Ein Priester im Queisthale hatte seine Stimme dermaßen eingebüßt, daß er zur Pastoration seiner Gemeinde 5 Jahre hindurch einen Hilfspriester halten musste. Innerhalb dieser 5 Jahre suchte er die berühmtesten Aerzte auf. Er inhalirte viel, die Mandeln wurden ihm ausgeschnitten, Alles vergebens. Man suchte das Leiden natürlich nur stets im Halse, bis endlich der letzte Arzt, der ihm den Hals untersuchte, erklärte, er finde im Halse absolut kein Uebel, wisse aber auch nicht, warum er nicht reden könne. Erst aus diese Erklärung hin nahm der Patient die Zuflucht zu der immer so gescheuten und gefürchteten Wasserkur. Er bekam die Stimme, noch bevor ein halbes Jahr vorüber war, und eine so starke Stimme, wie er sie früher nicht stärker hatte; er meinte, eine halb so starke würde auch ausgereicht haben.

Auch bei diesem Herrn fehlte in den Sprachorganen nicht das Geringste. Dagegen fand ich den Hals, wenn auch nicht in besonderer Weise, doch stärker als normal, den Oberkörper aber unverhältnißmäßig stark im Vergleiche zu den ziemlich abgemagerten Händen und Füßen. Früher hatte der Herr, wie er erzählte, öfters die Kolik, die regelmäßig nicht lange dauerte. Die Natur suchte auf diese Weise sich immer selbst zu helfen; doch konnte sie die krankhaften Stoffe nie gänzlich auswerfen. Die Koliken hörten später auf, und der Kranke fühlte bloß von Zeit zu Zeit Beengungen auf der Brust, die aber nicht besonders lästig waren. Es erging da, wie es in manchem Haushalte zu gehen pflegt. Wenn vom untern Stock des Hauses Einer in den obern Stock zu einer anderen Familie einsieht, dann gibt es Einschränkungen; die beiden Hausherren finden sich nicht mehr zurecht. Da hilft kein Inhaliren, auch kein Ausschneiden der Mandeln, nicht einmal das Abschneiden des Zäpfchens, - da hilft allein das Ausziehen. Hat man den gesammten Organismus in Ordnung gebracht, dann wird die Stimme auch wieder kommen.

Dieser Kranke musste in der Woche einmal oben und unten kräftig schwitzen (Kopf- und Fußdampf) und gerade so kräftig gießen (Ober- und Unterguß). Damit sodann die aufgedunsenen Körpertheile durch die Kälte zusammengezogen würden, stieg er jede Woche viermal in's kalte Wasser bis unter die Arme (Vollbad), so kurz als möglich, nie mehr als eine Minute; dabei wusch er den Oberkörper kräftig ab. Dazu kam zuletzt ein spanischer Mantel. Nach 4 Wochen genügte die Hälfte der Anwendungen, d.i. in der Woche ein Ober- und Unterguß und ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers. Später durfte er nicht plötzlich aussetzen; er musste längere Zeit hindurch die eine oder andere Anwendung noch vornehmen und zwar der Reihe nach, wie er sie bei der Heilung selbst vorgenommen hatte. Dazu bedarf es meist keiner besonderen Anregung.

Mit dem Gefühle der Kraftsteigerung wächst das Verlangen nach der Wasseranwendung und das Vertrauen zu derselben. Man staunt nur mehr über die wasserscheuen, empfindsamen Mitmenschen, die wohl Gesicht und Hände waschen, aber einen Höllenlärm anschlagen, wenn auf's Wasser die Rede kömmt. Habeant sibi! Sie mögen es selbst büßen.

Bei unserm Herrn kam die Stimme wieder, wie sie besser nie gewesen. Das alte Uebel kehrte nie wieder. Seit der Heilung sind heute mehr als 16 Jahre verstrichen.

Ein Studienrektor in den schönsten Jahren konnte drei-viertel Jahre seinem Berufe als Lehrer nicht mehr vorstehen; es fehlte ihm die Stimme. Er suchte bei den nächsten Aerzten Hilfe; dann wandte er sich an namhafte Spezialärzte. Nach wochenlangem Inhaliren, Elektrisiren u.s.w. wurde ihm erklärt, die Stimmbänder hätten ihre Elastizität gänzlich verloren. Und weil alle Einwirkung umsonst gewesen, so könne man vorläufig nichts thun als abwarten, wie sich die Sache weiter gestalte; er solle wenigstens ein Jahr frei von aller Thätigkeit sein und sein Sprachorgan ruhen lassen. Dieses war dem Herrn zu arg, und er nahm die Zuflucht zur Wasserkur. In 6 Tagen hatte er seine Stimme wieder, in 6 Wochen war sie so klangvoll und stark, wie in den besten früheren Zeiten. Dieses geschah vor 4,5 Jahren, und der Herr darf keine Sorge haben; seine Stimme wird ihm bleiben. - Die Antwort auf die Frage: "Was hat da gefehlt?" will ich nicht schuldig bleiben.

Das Aussehen des Patienten war wohl etwas welk, aber im Ganzen nicht krankhaft. Eines hatte etwas auffallend sein können, daß nämlich der sonst gut gewachsene Herr den Kopf etwas vorwärts geneigt hielt. Er hatte den besten Appetit, besaß die volle Naturkraft; einzig und allein die Stimmbänder sollten von der Mutter Natur so stiefmütterlich behandelt worden sein, daß sie jetzt so elendiglich verkümmerten und alle Elastizität verloren ? Das ist nicht denkbar. Meine Behauptung, es fehle den Sprachorganen gar nichts, verletzte den Herrn nicht wenig, und meine Praxis, nach welcher ich kein einziges mal in seinen Hals schaute, in dem allein doch er sein Hauptgebrechen vermutete, brachte ihn fast außer Fassung und wollte ihm alles Vertrauen rauben. Ich dagegen wollte dem Herrn beweisen, daß dem Halse gar nichts fehle, daß deßhalb auch kein Mittel für den Hals anzuwenden sei, wie auch faktisch keines angewendet wurde. Wo lag die Wurzel des Uebels?

Auf der obern Seite der Schulterblätter, quer über dem obern Rücken, zu beiden Seiten des siebenten Halswirbels hatte der Herr ganz kleine Erhöhungen wie kleine Pölsterlein. Wer aber nicht gesucht hätte, hätte sie auch nicht gefunden. Sie drangen etwas einwärts und drückten so auf die Sprachorgane. Der noch junge Mann wurde kräftig begossen (Oberguß); er bekam den Shawl, Halbbäder und den spanischen Mantel. Zuletzt reichten Halbbäder mit Waschungen des Oberkörpers aus. Die Scheu vor Wasser verwandelte sich später in ein fast zur zweiten Natur gewordenes Bedürfniß nach Wasser. Keine Woche verging mehr ohne einige Anwendungen, die frisch und wohl erhielten. Wie oft kann ich die Bekräftigung hören: Jetzt weiß ich selber, daß die Anwendungen mir gut thun; ich werde sie im Leben nie mehr aufgeben.

Gräfin N., 15 Jahre alt, erzählt: "Ich hatte vor zwei Jahren Diphtheritis (Hals- Kehlkopferkrankung), wie der Arzt sagte, im höchsten Grade. Auf diese Krankheit bekam ich Kopfleiden zum Verzweifeln. Nach einigen Wochen verlor ich nach einem heißen Bade die Stimme, so daß ich keinen Laut mehr geben konnte und jede Mittheilung durch Aufschreiben machen musste. Meine Eltern suchten mir die ersten Aerzte.

Ich musste Monate hindurch inhaliren, verschiedene mineralische Stoffe einnehmen; ich wurde elektrifirt, mehrere Wochen hindurch alle Tage; mir wurden Blutegel an den Hals gesetzt, daß ich öfters in Ohnmacht fiel. Am Halse herum wurde schrecklich operirt. Mit Grausen denke ich an die Einzelheiten. Was ich alles eingenommen. will ich nicht schildern. So ging es fort über zwei Jahre. und schließlich erklärten einige Aerzte, ich werde an Schwindsucht (Tuberkulose) sterben. Darin kamen alle überein, die Stimme könne und werde ich nie und nimmer erhalten. Wie ich fühle und was ich leide? Ich habe das ganze Jahr nicht eine Stunde warme Füße, eiskalt sind meine Hände, eiskalt mein Kopf. Ich weiß seit Monaten kein Mittel, weder im warmen Zimmer, noch mit wärmenden Kleidern, mich zu erwärmen. Ich mag nicht essen und kann nicht essen. Was ich genieße, peinigt mich; ich möchte oft verzweifeln. Ich bin erst 15 Jahre alt, kenne aber kein so unglückliches Geschöpf wie mich."

Daß dieses arme Kind das kalte Wasser scheute, läßt sich denken. Auch die Eltern mochten nicht für das Wasser eintreten, wohl um das frostige Kind nicht auch noch damit zu quälen. Nur eine Seele nahm sich des bemitleidenswerthen Geschöpfes an, und sie suchte Hilfe beim Wasser. Ich konnte ihr solche in Aussicht stellen - wenn auch nicht in nächster Zeit, bei maßvollem Gebrauche und pünktlicher Anwendung, und zugleich mit Sicherheit erklären, daß den Sprachorganen nicht das Mindeste fehle. Hier gelte es vor Allem, den übermäßig geschwächten Körper, der nur mehr eine Ruine sei, neu zu beleben und zu kräftigen. Sobald die Normalkraft zurückgekehrt, werde die Sprache nicht lange mehr auf sich warten lassen.

Das Madchen ist im höchsten Grade blutarm; dieses beweist die Kälte am ganzen Körper; nur aus der Brust allein fühlte es noch eine gewisse Wärme. Es muss eingewickelt werden, daß Blutbildung und richtige Circulation eintritt. Die Kranke soll bei einfacher Kost täglich zwei- bis dreimal die Hände bis an die Ellenbogen (Hand/Armbad), die Füße bis über Knöchel in's Wasser halten (zuerst 5 Minuten in warmes Wasser, anschliessend 1 Minute ins kalte Wasser, mehrfach wechseln, nach einer Woche nur noch ins kalte Wasser), oder noch besser im nassen Grase oder auf nassen Steinen barfuß gehen. So widersinnig es Manchem scheinen mag, es sind dieses vortreffliche Mittel, wieder Wärme in die kalte, halbabgestorbene Natur, besonders in die blutarmen Extremitäten, die Hände und die Füße zu bringen. Gerade so muss am Körper Wärme erzeugt und neue Thätigkeit angebahnt werden. Es soll deßhalb die Kranke täglich ein- bis zweimal Rücken, Brust und Unterleib kräftig mit kaltem Wasser waschen.

Die ersten Versuche kosteten Ueberwindung; mit dem Erwachen der Wärme kam neuer Muth; es war gleichsam ein Frühlingswehen, das dem armseligen Körper nochmals ein Wiedererstehen ankündigte. Die Kranke that einen Schritt weiter, sie rückte mit den Füßen tiefer in's Wasser und hielt die Arme längere Zeit in das nasse Element. Aus einer halben Minute wurde eine ganze. Diese Uebungen währten ca. 8 bis 10 Tage. Ihnen folgten gelinde Knie- und Obergüsse, je einer jeden zweiten oder vierten Tag, der eine Vormittags, der andere Nachmittags. Mit diesen Anwendungen wurde ca. 14 Tage fortgefahren. Dann kamen täglich ein Halbbad (bis an die Magengegend) eine Minute lang und ein Oberguß. Die Vertheilung, welche Anwendung Vormittags, welche Nachmittags genommen wurde, blieb sich gleich. Bezüglich der Kost mussten leichtverdauliche, für Blut- und Säftebildung günstige Nährstoffe gewählt werden: einfache, unverfälschte, durch scharfe Gewürze u.s.w. nicht verdorbene Hausmannskost. Das beste Getränk bildet Milch, wenig Bier; Hitziges sollte gar nicht genommen werden. Kraft und Stimme kamen bei unserer Patientin wieder. Um die Gesundheit und die Kräfte zu festigen, sollen obige Uebungen noch längere Zeit fortgesetzt werden. Sie können indessen nach und nach wegfallen, je nachdem die Kräfte langsamer oder schneller wiederkehren.

Ein Mädchen von 16 Jahren verlor ohne jede Veranlassung seine Stimme und konnte bei seiner Heiserkeit nur mit der größten Anstrengung sich verständlich machen. Es befragte Aerzte; diese verordneten Mittel, aber selbe wirkten nicht. Das Mädchen sah bei gutem Appetite blühend aus, der Kopf war voll und rund, der ganz kurze Hals ziemlich, fast zu stark gefüllt. Man merkte, daß das Athmen etwas schwer ging. Die Füße waren immer kalt. In 6 Wochen war das Mädchen vollständig geheilt. Durch welche Anwendungen? Die blühende Farbe, der volle und heiße Kopf, sowie die kalten Füße zeigten klar an, daß der Blutandrang allzustark nach oben zielte. Daher die stärkere Ausbildung der oberen Körpertheile, vielleicht auch Anstauungen von Blut. Bei der Heilung musste allererst gesorgt werden, daß eine gleichmäßige Naturwärme im ganzen Körner eintrete, nicht am Kopfe Hitze herrsche und an den Füßen Kälte.

Das Mädchen nahm täglich zwei- bis dreimal ein kaltes Fußbad, höchstens eine Minute lang, mit darauffolgender Bewegung im Freien. Dazu ging es recht fleißig barfuß in dem durch Thau oder Regen genäßten Grase oder auf nassen Steinen. Leiteten diese Anwendungen das Blut und damit die Wärme nach den unteren Extremitäten, so musste durch neue Wassermittel alles Angestaute und Aufgedunsene am Kopf, Hals und Oberkörper aufgelöst und abgeleitet werden. Dazu taugen am besten während der ersten Woche täglich ein spanischer Mantel, der in der zweiten und dritten Woche nur jeden zweiten oder dritten Tag, noch später jede Woche nur einmal applizirt wurde. Nach ca. 14 Tagen wurde zur Stärkung und Kräftigung wöchentlich ein Halbbad genommen, höchstens eine Minute lang dauernd, mit Waschung des Oberkörpers. Statt des Halbbades und der Waschung ließe sich mit gleichem Erfolge ein Ober- und Unterguß anwenden. Bildung der Wärme war somit der erste, Auflösung und Ausleitung aller überflüssigen Stoffe der zweite, Kräftigung der Natur der dritte Theil des Heilverfahrens. Der Körper nahm zu an Kraft, die Stimme wurde reiner und klangvoller, als sie früher gewesen, für den Gesang, worin das Mädchen sich in besonderer Weise übte, geradezu ausgezeichnet.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
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