Das Heilkräuter-Verzeichnis

Nierenleiden


Ein Bauer erzählt: "So stark und korpulent ich aussehe, gerade so elend bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen; die Athemnoth wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken. Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können. Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe oft ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Aerzte habe ich mehrere gehabt. Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine. Ein anderer hat behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde Nierenvereiterung eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue nicht, und deßhalb sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer sehr viel zäher Schleim vorhanden ist." Dem fast Trostlosen wurden folgende Anwendungen gerathen: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh (Haberstroh = Haferstroh - vom Bauern oder aus dem Kräuterladen) (37 bis 39 Grad Celsius) mit dreimaligem Wechsel ins kalte Wasser. (10 Minuten im warmen, 1 Minute im kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurzer Wickel, ebenfalls von Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2 Tassen Thee von Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang gesotten. In 6 Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist normal, der große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist entfernt, und wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine Kraft wiedergekehrt.

Ein armer Arbeiter schreibt: "Ich erkrankte an einem Nierenleiden ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888. Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen das Bett hüten musste. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte mir, das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem Schweiße her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer, röthlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter, daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deßhalb Tag für Tag die Füße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich wieder an die Arbeit, musste aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel medizinirt und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg, so entschloß ich mich aus Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen (zur Wasserkur) zu gehen. Ich wandte nun die KaltWasserkur an, die mir vortrefflich behagte."

Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen: 1 . den einen Tag Oberguß und Knieguß Vormittags, ein kaltes Halbbad eine halbe Minute lang Nachmittags; 2. den anderen Tag des Nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, Nachmittags Oberguß und Knieguß; 3. Oberguß, später Schenkelguß Vormittags, Rückenguß und Wassertreten Nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner 4. täglich eine Tasse Thee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, Morgens und Abends in je zwei Portionen trinken.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!