Das Heilkräuter-Verzeichnis

Nervenzerrüttung


Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurtheilen war, ob Geist oder Körper mehr zerrüttet sei.

Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund wieder auf's Neue zu beginnen.

Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen behandelt werden: Erster Tag: Den oberen Körper Vormittags mit Wasser und Essig ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein kalter Knieguß (eine Minute lang). Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste (waschen + Knieguß). Zweiter Tag: Eine Gießung auf den Oberkörper mit einem halben Gießer voll Wasser (Oberguß); gleich darauf auf nassen Steinen Bewegung machen und nebenzu einen Gießer voll Wasser auf die Kniee (Knieguß), Nachmittags dasselbe. Dritter Tag: Oberguß (1 Gießer voll) und Knieguß, Nachmittags: Oberguß (1 Gießer voll), daraufhin in's kalte Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese Anwendung war so schmerzlich, daß dem Patienten Thränen in die Augen kamen. So wird ungefähr eine Woche hindurch fortgefahren.

Die zweite Woche waren Obergüsse jeden Tag mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit Wasserstehen, so weit es die empfindlichen Füße zuließen, verordnet; diese Obergüsse steigerten sich während der Woche von 1 bis 3 Gießer. Auch das in's Wasser Stehen wurde verstärkt bis an die Kniee, aber immer nur 2, höchstens 3 Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse mit Knieguß und Wasserstellen weiter gesteigert und jeden zweien Tag ein Sitzbad genommen, gewöhnlich Nachmittags. In der vierten Woche: Oberguß mit Wasser stehen, je Vormittags, Nachmittags ein Halbbad. In der fünften Woche am Morgen ein Rückenguß mit Wasserstellen oder mit Knieguß, Nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag eine Anwendung: a) Oberguß mit Knieguß, b) ein Halbbad, c) Rückenguß bis zur vollständigen Heilung.

Innerlich wurde gegeben: a) weißes Pulver, täglich eine Messerspitze voll, im Wechsel mit b) Wachholderbeeren, täglich 6 bis 8 Beeren, und c) Thee von Wermuth und Salbei.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
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