Das Heilkräuter-Verzeichnis

Migraine


Die Migräne, das halbseitige Kopfweh, ist vorherrschend eine Frauenkrankheit, die aber auch geistesstarke Männer recht oft befallen kann, besonders solche, die viel und anstrengend geistig beschäftigt sind. Man kann manchmal den Trost eines Arztes hören: "Seien Sie ruhig, einen Dummkopf befällt keine Migraine!" Leicht kann dieses Leiden von gestörtem Blutlaufe herkommen, noch häufiger aber von störenden Einflüssen aus dem Magen und Unterleib. (Gänzlicher Mangel an Appetit und Widerwille gegen alle Kost.) Wenn der Unterleib im Ganzen etwas geschwächt ist, wenn sich häufig Gase sammeln und die Stuhlentleerungen nicht regelmäßig sind, so üben gar zu leicht und oft diese Beschwerden eine Rückwirkung auf den Kopf und verursachen an einzelnen Stellen diese Schmerzen. Oder es kann das Blut bei einem unregelmäßigen Lauf auf eine Stelle besonders hindrängen. Oft meldet sich das unheimliche Leiden, indem sich's wie Nebelflor auf die Augen legt. Bei Manchen spukt es in den Augenecken, bei Anderen wird das Augenlicht selbst ganz gestört, und es ist ihnen, als ob verschiedene Figuren vor den Augen tanzten.

Migraine kommt gerne nach Krankheiten, wenn die Natur sich noch nicht vollständig erholt hat und die Thätigkeit der Organe keine ganz normale ist. Migraine kann auch ein Erbtheil sein. Leute, die oft an Migraine leiden, erzählen dann, wie schon die Mutter oder der Vater daran gelitten.

Besagtes Kopfleiden ist unschwer zu heilen. Rührt die Migraine von Gasen her, und diese sind nach meiner Ansicht die Hauptursache, so kann es ausreichen, wenn man 2 bis 3 Tage nach einander täglich zwei bis viermal den Unterleib mit recht kaltem Wasser kräftig wäscht. Nicht nur die Gase werden durch diese einfache Anwendung oft vollständig abgeleitet, sondern diese wirkt sogar auf den Stuhlgang und bringt nicht selten allein Alles in Ordnung. Kräftiger noch ist die Wirkung, wenn in's Wasser, das man zur Waschung benützt, etwas Essig oder Salz gemischt wird.

Sollte diese Anwendung nicht ausreichen, dann können innerhalb einer Woche 2 bis 3 Halbbäder genommen werden. Diese sollten genügen. Nebenzu mag der Patient Thee verwenden, der die Gase auskehrt oder löst. Kümmel oder Fenchel, als Thee bereitet und getrunken, wirkt vortrefflich. Auch kleine Hausmittel sind nicht zu verachten. Jeden Morgen und jeden Nachmittag 5 Tropfen Spiköl auf Zucker thut denselben Dienst. 6 bis 8 Wachholderbeeren, im Tage nach einander zu verschiedenen Zeiten gekaut, haben schon Manchem geholfen.

Brausepulver halten Viele für ein Radikalmittel gegen dieses Leiden. Dieselben leiten vielfach Gase aus, das gebe ich zu; aber man übertreibe nicht. Radikalmittel sind sie nicht. Derlei Leute erinnern mich mit ihren Anpreisungen immer an jenes amüsante Geschichtchen, worin Einer mit einer Rakete einen Hasen todtschießt. Als das Non plus ultra für Migraine gilt heutzutage der Migrainestift, ein feines und fein gearbeitetes Holz, in dem die Wundereichel steckt, die stark nach Kampher riecht. Kein Gebildeter und keine feine Dame gehen mehr aus ohne dieses kleine Vade maecum. Die Wurzel des Uebels (der Migraine) sitzt, wie wir gesehen, zumeist und hauptsächlich im Unterleib. Mit dem Stifte braucht man aber nur eine gewisse Anzahl Striche auf die Stirne (glaube ich) zu machen, und gut ist's. Helfe, was helfen mag! Ich will mir darüber kein weiteres Urtheil erlauben; aber ich müßte lächeln, wenn ein Patient, dem Klystier verordnet ist, statt dieses zu nehmen, sich in das Ohr spritzen ließe.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!