Das Kräuter-Verzeichnis


Magenleiden


Armer Magen, was sollst du nicht alles verschuldet haben! Neben dem Herzen und den Nerven bist du wohl der Hauptsündenbock! Frage hundert Menschen, ob sie nicht magenleidend seien! Ganz wenige antworten mit einem entschiedenen Nein. Und doch ist in den allermeisten Fällen der Magen so unschuldig wie ein neugeborenes Kind und so gesund wie ein fröhlich spielender, heiterer Knabe. Beispiele mögen meine Behauptung erhärten.

Amalie hat ein ganzes Iahr hindurch das Meiste, was sie genossen, erbrechen müssen. Nichts konnte sie bei sich behalten als täglich 3 bis 4 Löffel lauwarmer Milch. Sie befragte mehrere berühmte Aerzte. Der Apotheker erklärte zuletzt, er habe in seiner ganzen Apotheke kein Mittel mehr, welches nicht schon versucht und angewendet worden sei.

Man brachte die Kranke, ohne anzufragen, auf einem Wagen vor meine Wohnung. Fortschicken konnte ich die armen Leute doch nicht. Die Arme war sehr abgemagert, die Züge eingefallen, die Stimme gebrochen, - ein Jammerbild. Husten indessen (das war nur das Wichtigste) war nicht vorhanden, nur ein fatales Magenleiden; ich sollte ihr doch, meinten die Leute, etwas geben für den Magen. Sofort erklärte ich, sie sollen ruhig sein und nicht so über den Magen herfallen und schimpfen, da fehle es ganz anderswo; zu den gesündesten Theilen an und in dieser Person gehöre der Magen. Die Einen ärgerten sich. die Anderen lachten; die Kranke selbst stutzte zweifelnd, ob ich auch recht bei Sinnen sei. Soweit hergefahren, mochte sie denken, unter solchen Schmerzen, und jetzt diese mitleidslose und harte Aussage eines Geistlichen! Mir war das alles eins.

Was brachte mich zu solchem Urtheile?

Die Person hustete nicht, aber es stieß ihr die Luft (die Gase) beim Munde heraus. Der Magen und der Unterleib waren mit Gasen bis auf's Aeußerste, bis zum Uebermaß gefüllt. In solcher Umgebung kann es Niemand mehr aushalten, selbst nicht der sonst so geduldige Magen; er muss seine geregelte Thätigkeit ganz oder zum größten Theile einstellen. Das Uebel vergrößerte sich dadurch, daß die Haut ganz trocken und jede Transspiration gehemmt war.

Die Aufeinanderfolge der Anwendungen war diese: Lauwarme Unterwickel, Waschung des Oberkörpers, kurzer Wickel, Ganz-Waschung, Knieguß (eine halbe Minute), abermaliger Unterwickel, Oberguß, in's kalte Wasser knieen (eine halbe Minute) bis an die Magengegend, Ganz-Waschung, Ober- und Unteraufschläger. Jeden halben Tag sollte die Kranke eine dieser Anwendungen der Reihe nach gebrauchen, dazu täglich ein paar mal auf nassen Steinen gehen.

Durch lauwarme Unterwickel suchte ich die Haut erst wieder wärmer, feuchter und weicher zu machen, dann durch Ganzwaschungen und all' die anderen Uebungen insbesondere auf den Unterleib einzuwirken. Es gelang; die Luft, die Gase suchten die richtigen Auswege, und die Transpiration, die normale Thätigkeit der Haut kam in Gang. Mit dem Schwinden der Gase rückte in den luft- und gasleeren Raum der Appetit ein; Blut und Säfte mehrten sich, und in der kurzen Zeit von 5 Wochen war die Kranke gesund.

Rosa leidet seit langen Jahren am Magen, seit einigen Monaten an besonders heftigen Magenkrämpfen. Sehr oft muss Sie das Bett hüten, und wenn das Aufsein auch leidlich ist, kann sie nur mit großer Noth und Anstrengung ihrem Berufe theilweise vorstehen. Mehrere Aerzte haben erklärt, es fehle ihr weiter nichts, sie besitze nur einen recht schlechten Magen. Die arme Geplagte brauchte viel in tropfbar-flüssiger und fester Form, in Pulver und Pillen- und anderer Gestalt, zum Theile scharfe Sachen.

Das Aussehen läßt auf arge Leiden schließen: die Gesichtszüge sind eingefallen, die Farbe ist blaß, der Körper nur mehr Haut und Knochen. Ihr Unterleib - so ergänzte sie das Krankheitsbild - sei stark aufgetrieben, und sogar das anliegende Kleid verursache ihr Schmerzen. Oft habe sie sich erbrochen, und Füße und Hände seien stets ganz kalt.

Mein Gutachten lautete wie im vorhergehenden Falle. Das Mädchen hatte sich den Unterleib gründlich dadurch verdorben, daß es oft plötzlich von der Hitze in die Kälte, vom heißen Herde weg in den Eiskeller kam und nicht wußte, wie sie sich gegen die schon bald fühlbaren schädlichen Einflüsse schützen könne. Dazu hatte sie Niemanden, dem sie sich anvertrauen wollte, und sie trug die vermeintlichen kleinen Uebel, so lange sie diese ertragen konnte, bis endlich der Druck vom Unterleib aus so heftig wurde, daß dem Magen, eingeengt und eingezwängt, wie er war, Alles, was er an Speisen ausnahm, förmlich wieder ausgepreßt wurde.

Zu den allgemeinen Anwendungen, die Thätigkeit in den ganzen Körper zu bringen hatten, mussten besondere für den Unterleib (nicht den Magen) hinzukommen, das Angesammelte, besonders auch die Gase, zu lösen und auszuleiten. Als Anwendungen folgten (jeden Tag eine derselben): der spanische Mantel; Ueberlagen mit angeschwellten Heublumen auf den Unterleib (Oberaufschläger), jeden Tag 2 Stunden lang; der kurze Wickel (auflösend und ableitend); Ober- und Unteraufschläger; kalte Ganzwaschungen, zweimal jede Nacht vom Bett aus; wiederum der spanische Mantel.

Als Nebenanwendungen dienten das Gehen auf nassen Steinen oder im nassen Grase, mitunter der Knieguß. Nach 4 Wochen reichten aus ein Wechsel zwischen dem spanischen Mantel und dem kurzen Wickel, jeden zweiten Tag eine dieser Anwendungen. Daneben musste die Kranke, wie oben bemerkt, häufig barfuß gehen. Rosa wurde ganz gesund und ist es heute noch. "So gesund bin ich," äußerte sie sich bei einer jüngsten zufälligen Begegnung, "wie noch nie in meinem Leben."

Friedrich erbrach Anfangs viel Magensäure, später alles Gegessene und Getrunkene. Alle Mittel halfen nichts, und der Arzt definirte das Uebel als Magenverhärtung mit Magenschluß.

Das Aussehen des Patienten war gar nicht schlecht, die Züge wohl etwas alt und die Gesichtsfarbe gelb. Luft stoße es ihm viel aus dem Magen, meinte er; der Unterleib sei vor Blähungen oft wie eine Trommel, und dann zeige sich auch regelmäßig heftiges Weh im Kopfe. Wiederum haben wir Unthätigkeit im unteren Revier, Schlaffheit der Gedärme. Daher der ungeregelte Stuhlgang, die Häufung der Gase und daher der Druck auf Magen und Kopf. Der Kranke musste 10 Tage hindurch täglich ein Tuch, getaucht in Wasser und Essig, 2 Stunden lang auf den Unterleib binden (Oberaufschläger), täglich ein warmes Fußbad nehmen mit Asche und Salz und den Rücken sich in jeder Nacht zweimal kalt abwaschen lassen. Nach 6 Tagen schon verbesserte sich der ganze Zustand. Nach 10 Tagen wandte der Patient wöchentlich zweimal den kurzen Wickel, einmal den spanischen Mantel an und nahm jeden zweiten Tag ein Fußbad mit Asche und Salz. Die dritte Verordnung bestimmte für die letzten 2 Wochen wöchentlich je 3 Ober- und Untergüsse und 2 Halbbäder (bis an die Magengegend). In 6 Wochen war der Kranke vollständig hergestellt.

Unzählige solcher Fälle könnte ich noch anführen; das Gesagte mag indeß genügen.

Das muss und will auch ich gerne constatiren und zugeben: Wenn solche Uebelstande nicht beseitigt, wenn der fortwährende Druck und die stete Pressung mit der Hand in Hand gehenden Entzündung des Magens nicht gehoben werden, dann freilich müssen nach und nach die berüchtigten und gefährlichen Magengeschwüre entstehen, die meistens in die entsetzliche Krebskrankheit (Magenkrebs) ausarten.

Selbst da noch können Täuschungen und Irrungen vorkommen. Ein Beispiel will ich nur andeuten. Ein Familienmitglied habe, so meldete man mir einstens, nach dem Ausspruche verschiedener Fachleute den ausgebildeten Magenkrebs, und man lasse bei mir nur anfragen, welche Vorsichtsmaßregeln in diesem Hause zu treffen seien, daß die schreckliche Krankheit nicht ansteckend wirke. Ich gab Regeln an, darunter auch für den Kranken selbst solche, welche ihn in 4 Wochen vollkommen heilten und dem Krebs zum Rückzuge bliesen. Die Mittel bestanden in einfachen Theen von Schafgarbe, Wermuth und Salbei und in kurzen Wickeln im Wechsel mit Fußbädern.

Congestionen (Blutandrang) nach dem Essen, sowie Aufstoßen der Speisen, besonders 2 Stunden nach dem Essen und weiterhin den ganzen Nachmittag, wiederholten sich ungefähr alle 4 bis 5 Minuten; außerdem träger Stuhlgang, völlige Schlaffheit der Gedärme, starker Fußschweiß (starker, eckelhafter Geruch). Dieser Zustand dauerte 5 bis 6 Jahre. Verschiedene Mittel wurden angewendet, aber ohne Erfolg. Das Aussehen ist recht krankhaft, wie Porzellan-Farbe; die Ränder um die Augen sind ganz grau und blau, recht wenig Blut, wenig Naturwärme, schlechte Verdauung, deßhalb Blut und Natur nur krankhaft genährt.

Die Anwendungen müssen folgende sein: 1) die faulen Stoffe auflösen, 2) die Naturwärme vermehren, 3) durch Kräftigung der Organe eine bessere Verdauung bewirken, daß Blut und Säfte besser werden und die ganze Maschine in guten Gang bringen. Denn dieser Organismus ist doch einer Maschine gleich, die fleißig geschmiert wurde, aber kein gutes Material hatte, und deßhalb muss die Maschine überall gereinigt werden.

Anwendungen: 1) Warmes Fußbad zur Ausleitung der faulen Stoffe in den Füßen, ungefähr drei- bis viermal, bis der Fußschweiß aufhört. 2) Ganzwaschungen, die eine allgemeine Transspiration bewirken und zugleich die Naturwärme erhöhen. 3) Ober- und Unterguß.

Mit diesen Anwendungen soll man ungefähr 8 bis 10 Tage fortfahren, an jedem Tag zwei Anwendungen. Als zweite Kur kommt die Ganzwaschung, Ober- und Unteraufschläger, in's Wasser knieen, Rückenguß, wieder 10 Tage lang. Als dritte Kur folgen Halbbäder und Ganzwaschungen. In 3 bis 4 Wochen kann so ein Organismus wieder hergestellt werden. Zur Erhaltung und weiteren Befestigung aber ist nothwendig, in der Woche noch ein paar Anwendungen beizubehalten, wozu eine Ganzwaschung oder auch ein Ober- und Unterguß ausreicht.

Ein Weib, 64 Jahre alt, hat heftiges Brennen im Magen, Aufstoßen und Erbrechen; oft kommt dazu kaltes Fieber und manches mal auch starker Schweiß. Wochen hindurch nimmt das Uebel immer zu trotz aller angewandten Mittel. Die beste Wirkung wird hervorbringen: Täglich zweimal jedesmal 20 Wermuthtropfen in einer kleinen Tasse ganz warmen Wassers; dazu täglich einmal ein warmer Unteraufschläger eine Stunde lang; ferner jeden zweiten Tag ein doppeltes Tuch, in warmes Wasser getaucht, auf den Unterleib gebunden, eine Stunde lang (Oberaufschläger). Jeden zweiten Tag ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang.

Eine Person, 40 Jahre alt, klagte über häufige Magenschmerzen, Schmerzen im Unterleib, Appetitlosigkeit, saures Aufstoßen und Entkräftung. Besonders waren Hände und Füße meistens kalt. Die Anwendungen waren folgende: 1) Jeden Morgen und jeden Abend Brust und Unterleib mit halb Wasser und halb Essig kräftig einreiben (Waschungen). 2) Täglich 6 bis 8 Wachholderbeeren essen. 3) In der Woche dreimal vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder in's Bett gehen. In 14 Tagen war die Kranke geheilt, und um gesund zu bleiben, wird selbe gut thun, wenn sie längere Zeit hindurch wöchentlich einmal sich ganz wäscht.

"Längere Zeit hindurch habe ich ein hartes Magenleiden. Es treibt mich gewaltig aus, und unter großen Schmerzen muss ich oft alles erbrechen. Meine Füße thun mir meistens weh und zeigen dabei krampfhafte Zuckungen. Meine Lippen sind beständig weiß; ich magere am ganzen Körper ab. Ich habe mehrere Aerzte gehabt; die haben mir aber nichts als zum Lavieren gegeben, und dieses hat mich wohl recht angegriffen und geschwächt."

Anwendungen: 1) In der Woche dreimal angeschwellte Heublumen auf den Unterleib binden, eine Stunde lang (Kurzer Wickel). 2) Jede zweite Nacht vom Bett heraus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder in's Bett gehen. 3) Jeden Morgen 25 Wermuthtropfen in Wasser einnehmen, jeden Nachmittag 25 Tropfen von Hagebutten.

Eine Hausfrau klagt: "Ich bin gar nie frei von Schmerzen im Unterleib; derselbe ist oft aufgetrieben, und wenn es recht arg ist, habe ich einen Druck auf den Magen, daß mir viele Säure aufstößt, oft auch die Kost erbrochen wird. Mein Kopf ist recht eingenommen, und nicht selten habe ich großen Schwindel. Es gibt Zeiten, wo ich alle halbe Stunde Harn lassen muss, dann wieder Tage, wo höchstens einmal Wasser abgeht. Drei Aerzte erklärten, ich habe Magenkatarrh."

Diese Kranke wurde geheilt innerhalb 4 Wochen auf folgende Weise: Die erste Woche bekam sie bloß täglich 2 Obergüsse und 2 Kniegüsse und täglich eine Tasse Thee von Wachholderbeeren und Zinnkraut; in der zweiten Woche täglich einen Oberguß und Knieguß, zweimal einen Wickel von unter den Armen an; in der dritten Woche einmal den spanischen Mantel, dreimal ein Sitzbad und einmal ein Halbbad; in der vierten Woche Halbbäder, dreimal den spanischen Mantel, einmal Wassergehen täglich.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

 

 


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