Das Kräuter-Verzeichnis


Krätze


Das verabscheute Uebel der Krätze kann am und noch mehr im Körper viel Unheil anrichten. Am meisten zu beklagen ist, daß man, um (es sei das triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu treiben, vielfach seine Zuflucht zu Mitteln nimmt, welche, statt zu heilen, grenzenlos schaden und den mißhandelten Körper in's größte Elend bringen können. Wer kennt alle die fettigen Salben mit Schwefel-, Branntwein- und, wer weiß, mit welch anderen Beimischungen? Eines thun diese eckelhaften Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich die Poren der Haut, verbarrikadiren der zum Wohlbefinden des Körpers absolut nothwendigen Transspiration durch fettige Krusten gründlich ihre Luft- und Wasserkanäle, treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper zurück, vergiften so Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten vor, Manchem die Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr betrübend, wenn man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die Krätze zu heilen ist.

Bei mir suchte ernmal ein 28jährrger, gutgewachsener Mensch Hilfe, dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett erinnerte. Nirgends fand er Rath; man wußte eigentlich nicht, was ihm fehle. Ich fragte ihn: "Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal die Krätze gehabt? Er bejahte meine vorwitzige Frage, indeß mit dem Aber: "Sie ist in drei Tagen geheilt worden." - So will ich nicht heilen. Gott bewahre!

Gerade bei derlei eckelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles Andere auf Giftiges schließen lassen, muss bei der Heilung obenanstehend der Grundsatz gelten: Was drinnen ist im Körper und nicht hinein gehört, das muss hinausgetrieben werden. Das Gegenteil praktiziren wollen hieße, etwa ebenso viel als Ungeziefer in die Kleider und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker einpflanzen. Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen, die das Ungesunde, Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei den ganzen Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.

Erst nahm unser Kranker drei Tage nach einander je ein warmes Bad (33° Reaumur = 40° Celsius) mit Absud aus Fichtenreisern mit dreimaligem Wechsel ins kalte Bad (1 Minute). Eine Seife that ihm vortreffliche Dienste, die Poren allseitig zu öffnen und den Schmutz zu entfernen. Man muss einmal die Dinge mit ihrem Namen nennen, - ich kann nicht dafür, - wenn es auch manche Nerven etwas unangenehm affizirt. Nach den Bädern folgten als stärkende Anwendungen noch in der ersten Woche nächtliche Ganzwaschungen vom Bette aus und ein viertes warmes Fichtenreiserbad mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein warmes Bad mit kalter Waschung und ein kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers; in der dritten Woche ein kaltes Ganzbad; in der Folge je innerhalb eines oder zweier Monate ein paar warme Bäder. Sollte die Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit den zwei letztgenannten Anwendungen fortgefahren werden. Selbst ein warmes Bad wöchentlich könnte nur gute Wirkungen haben.

In 6 Wochen war unsere recht armseliger Patient geheilt und konnte sich endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit an; von dem früheren lästigen Uebel hat er nie mehr das Geringste verspürt.

Also behandelt man die nach innen gedrungene Krätze.

Wird jemand äußerlich von der Krätze befallen, so nehme auch er ein warmes Bad von 33 bis 34° Reaumur = 40 bis 41° Celsius und reibe sich mit scharfer Seife, am wirksamsten mit "grüner Seife" (Kaliseife), die er in jeder Apotheke bestellen kann, kräftig ein. Nach 1/4-stündigem Bade wasche er sich mit reinem Wasser (kalt oder warm) und mit anderer, gewöhnlicher Hautseife ab. Trefflich würde es wirken, wenn der Kranke sofort in ein zweites derartiges Bad, jedoch mit erneuertem warmen Wasser steigen könnte (am Schlusse ebenfalls kalte oder warme Abwaschung).

Da die Krätze in sehr vielen Fällen durch Kleidungsstücke, Bettwäsche u. f. w. ansteckt und vererbt wird, so ist es eine Hauptsache, nach den Bädern sowohl die Leibwäsche und Kleidung, als auch die Bettwäsche gründlich zu wechseln. Alle Anwendungen würden sonst nichts nützen.

In 3 bis 4 Tagen kann auf diese Art die Krätze geheilt werden.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

 

 


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