Das Kräuter-Verzeichnis


Hüftnerven-Entzündung (Ischias)


Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, - das seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine leidende Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme Platten, und zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie ertragen konnte.

Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab, das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner, und er konnte selten eine Stunde schlafen.

Endlich faßte er Muth, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten gefürchtet hatte: das kalte Wasser.

Täglich bekam er zwei oder drei Anwendungen: 1) einen Rückenguß am Vormittag, 2) Nachmittags Oberguß; am zweiten Tag: am Morgen Oberguß, Nachmittags Rückenguß; jeden zweiten oder dritten Tag ein Halbbad; mitunter auch Barfußgehen, also Abhärtung.

Gleich nach dem ersten Guß konnte der Patient Nachts vier Stunden Schlafen; so gewann er Schlaf, besseres Aussehen, mehr Appetit. In vier Wochen hatte seine Krankheit kaum noch Bedeutung, und in sechs Wochen war er vollständig geheilt.

Ein Professor aus Ungarn leidet seit sieben Jahren an Hüftnervenschmerzen und besuchte deßhalb verschiedene Bäder: Ofen, Teplitz, Heviz u.a., jedoch ohne Erfolg, gebrauchte auch Dampfbäder. Seit zwei Jahren leidet er an Schlaflosigkeit. Appetit ist gut, Stuhl stets angehalten, Blähungsbeschwerden, Kopf eingenommen, am meisten in der Frühe. Besonders klagt der Patient über außerordentliche Empfindlichkeit gegen Temperaturveränderungen und anhaltendes Kältegefühl am ganzen Körper, obwohl er seit drei Jahren immerwährend Jäger'sche Wollkleidung trug. Ferner bestanden talgartige Ausscheidungen auf der Haut und unangenehme Feuchtigkeit der Hände.

Er bekam hier folgende Anwendungen: Jede Nacht Ganzwaschung; Vormittags Oberguß; Nachmittags Rückenguß; alle zwei Tage ein Halbbad; Kniegüsse; auch Sitzbäder gegen die Verstopfung.

Der Erfolg war ein vortrefflicher innerhalb 24 Tagen. Nach dem vierten Tage schon trat ruhiger, die ganze Nacht anhaltender Schlaf ein und blieb seitdem gut. Das langwierige Ischias-Leiden ist ganz gewichen. Die Haut ist auch wieder normal. Der Herr ist überglücklich.

Ueber seine jetzige Bekleidung rühmt er: "Ich trage so leichte Kleidung, auch an kühlen, regnerischen Tagen, als Jemand im Hochsommer haben kann: leinenes Hemd, leichte Socken, und fühle mich dabei so warm und bin gar nicht mehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse; es kommt mir alles wie ein Wunder vor."

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

 

 


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