Das Kräuter-Verzeichnis


Halsleiden


Andreas fängt zu erzählen an, wie folgte "Ich kann fast nicht mehr reden, manchmal will's gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg bösen Finger. Damals habe ich's das erste mal bekommen, daß ich nicht mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt, das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will ich aber nicht thun lassen."

Das Aussehen des Mannes zeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Aeußern im Innern angelaufen, aufgedunsen, daher im Allgemeinen Verengung in diesen Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist der kranke Finger das erste mal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entfernt worden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper säubert, der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke man ableitend zuerst auf den ganzen Körper ein, sodann im Besonderen auf die Kopftheile.

Ersteres geschieht durch die Anwendung des Sackes (Kurzer Wickel) und die Umlegung des Shawls. Der Sack steht dem Bauersmann am ehesten zu Gebote. Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn zuvor in Haberstrohabsud (Haferstroh) eingetaucht hat. Dieses thue er drei Tage nach einander, je 1,5 Stunden. Vom vierten Tage an beziehe er die nicht mehr ungewohnte Wohnung jeden dritten Tag. Den Shawl trage er täglich eine Stunde lang. Nach vierzehn Tagen kann er Ganzwaschungen vornehmen zweimal in der Woche, und einmal in der Woche soll er den spanischen Mantel tragen. Wenn das Halszäpfchen noch Beschwerden macht, kann er ein paar Kopfdämpfe vornehmen, natürlich an verschiedenen Tagen. Dem Uebel wurde gründlich gesteuert.

Ein Priester erzählt: "Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Uebel steigerte sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze affizirt. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und Gurgeln und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um Neujahr herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25. Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung Meran zu verlassen und Wörishofen (den Ort in dem Kneipp praktizierte) aufzusuchen.

Die Wasseranwendungen, täglich zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald Erleichterung im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger und bekam wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine kurze Homilie (Predigt) und ein Amt (Meßfeier) zu halten. Aber die Stimme war noch heiser, und ich hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals, die aber bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte ich Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und rein wie früher; ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen Pflichten voll und ganz nachkommen."

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

 

 


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