Das Kräuter-Verzeichnis


Blutbrechen und Blutsturz


Wenn sich eine Blutung einstellt, So fragt es sich, ob das Blut aus dem Magen oder aus der Lunge kommt. Aus Lungenblutung kann man schließen, wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellroth und schaumig aussieht; hingegen auf Magenblutung, wenn es durch Erbrechen entleert worden und von dunkelbraun-rother, kaffeesatzartiger Farbe, klumpig und geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend und erheischt Vorsicht, da es immer größere oder geringere Gefahren in sich schließt.

Kommt das Blut aus dem Magen, wer weiß, welches Aederchen gelitten hat, ob und wann das Brechen sich wiederholen wird? Eine Vernachläßigung könnte Blutarmuth oder eine schwere Krankheit zur Folge haben. Man suche darum, die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das Blutbrechen aus dem Magen keine Bedeutung.

Von größerer, oft recht großer Gefahr ist das Blutbrechen aus der Lunge. Man schaffe deßhalb möglichst schnelle Abhilfe!

Bei beiden Arten des Blutbrechens ist Thee von Zinnkraut immer ein erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können, öfters solchen Thee durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10 bis 15 Minuten ein paar Löffel solchen Thee's ein. - In der Regel stillt derselbe sehr schnell. Der Thee werde selbst nach vollständiger Stillung noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, in dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.

Stellt sich das Blutbrechen öfter ein, so müssen die Ursachen erforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der Patient gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu starker Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muss (siehe: Congestionen = Blutandrang), oder es rührt von Magengeschwüren her.

Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende. Meistens tritt plötzlicher Tod ein.

Hier ein Wort über das Nasenbluten. Viele Menschen haben sehr häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf "wohl" wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen wird. Abgesehen von allem Andern muss nothwendiger Weise allmählig Blutarmuth, schwaches Blut u.s.w. eintreten und damit die bekannten Zustande: Angst, Furcht, Erschrecken, Aengstlichkeit, Skrupulantenthum (Überängstliche) der verschiedensten Art. Als gute stillende Mittel beim Nasenbluten werden hausig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu erschrecken, ihm Wasser in's Genick zu gießen, ihn verschiedene Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.

Ich bin gegen all' diese oft das Gegentheil bewirkenden Manöver. Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den Blutlauf in geregelten Gang zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und Gebrechen ergeben.

Zu dieser Ableitung des Blutes nach unten helfen vortrefflich: Anfangs ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 15 Minuten lang, in der Woche zwei bis dreimal; deßgleichen wöchentlich 2 bis 3maliges Gehen auf nassen Steinen und 2 bis 3 kurze Wickel. Ist die Natur erst erstarkt, so thun weiter vorzügliche Dienste der Ober- und Unterguß und Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.

Ein Nasenbluten gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem Tode (sog. Bluterkrankheit).

Mir selbst kam der Fall vor, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr 1,5 Stunden durch die Nase drei Lavoirs (Waschbecken) reines Blut verlor. Die zunehmende Todtenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das Aergste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft, ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich 0,5 Gießer mit Wasser auf den Kopf spülen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast augenblicklich hörte das Bluten auf.

Das Mädchen lag mehrere Stunden ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche nahm die Kranke - Appetit und Durst fehlten gänzlich - jede halbe Stunde 2 bis 3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen genommen, allmählig dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen. Der Oberguß wurde täglich pünktlichst vorgenommen. Die Blutungen blieben aus, dagegen meldete sich binnen Kurzem ein recht guter Appetit. In 4 bis 6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Aeußern war das Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

 

 


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