Das Kräuter-Verzeichnis


Blut-Armuth (Bleichsucht)


Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, So darf ich den Satz aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muss gutes Blut und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut hat, ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd; und wo wenig oder schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten eintreten können.

Zu einer guten Blutbildung ist vor Allem nothwendig eine gute, gesunde Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Thätigkeit des Körpers. Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut abnehmen, und Sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.

Blut-Armuth kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.

Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.

Ein Bild der Blut-Armuth ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider sind matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit, Mangel an Wärme, gebückte Haltung - somit ein Bild der Krankheit. Die weiteren Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Athem, besonders beim Treppen-Steigen, Kopfweh, Kreuz-Schmerzen, Ohnmacht, Krämpfe, Magen-Krampf, Verdauungs-Schwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu Speisen, die weder der Natur zuträglich sind, noch ein gutes Blut geben können.

Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm und schließe sich nie fest an den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann. Solche Kranke sollen wo möglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller, geschlossene Räume, rauchige Zimmer!

Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen: Milch, gutes Brod, gekochte Brod-Suppe und von ganz einfachem Mehl bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2 bis 4 Löffel voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen. Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.

Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett ausstehen, sich ganz waschen und gleich wieder in's Bett; in's Wasser stehen bis über die Waden, eine Minute lang; gleich darauf kommen auch die Arme in's Wasser, in der Woche ungefähr zwei bis dreimal.

Ist der Bleichsüchtige recht schwach, und hat er wenig Naturwärme, so soll Anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder Essig gemischt werden. Um den Appetit zu befördern, ist es recht gut, täglich dreimal, jedesmal 2 bis 3 Eßlöffel voll Wermuth-Thee einzunehmen. Ein vorzügliches Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal, jedesmal eine Messerspitze voll Kreidemehl in 4 bis 6 Löffeln Wasser einzunehmen.

Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand gebessert, dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäder in der Woche. zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und Knieguß, nicht zu oft angewendet, ihre Dienste thun.

Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.

Blutarmuth bei einem Kinde: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5 Jahre alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist also recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr die eines Todten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder Leben noch Muth, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind ist so blutarm und der ganze Organismus so unthätig, daß es mehr einem Greise ähnlich sieht. Mehrere Aerzte haben das Kind behandelt, geholfen hat nichts. Zwei Aerzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch der Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie gegen alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu thun?

1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd anziehen, in warmes Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden;

2) Jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;

3) wo möglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch in's Freie, in die frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2 bis 3 Löffel voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit.

1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden, 3 bis 5 Minuten lang;

2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;

3) in der Woche ein oder zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salz- oder Heublumenwasser getaucht.

Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens halb so oft gebrauchen.

 

Letzte und nächste Einträge

 

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis - Behandlungsmethoden nach Pfarrer Kneipp

 

Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
Das Lesen dieser Seiten ersetzt keinen Arzt.
Sollten Sie an einer Krankheit leiden, wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

 

 


Teilen Sie diesen Beitrag
zum Seitenanfang