Das Heilkräuter-Verzeichnis

Bettnässen


Dieses Uebel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist's nur Schwindel. Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche Kinder noch mit Ruthe und Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Uebel nur ärger machen kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, gerathen dann um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Uebel die Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt, so muss jenes in Bälde weichen.

Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren rieth ich, sie sollten täglich in einer Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin- und hergehen 3-5 Minuten lang (siehe: Gehen in kaltem Wasser), dann im Zimmer oder Freien rasche Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen passirte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen waren auch diese geheilt.

Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten (siehe: Armbad), was sichtlich nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.

Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind, empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbenthee zu trinken, die eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.

Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Badern und erreichte das Gegentheil.

 

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Bitte beachten Sie:
Dies ist der Text eines Buches aus dem 19. Jahrhundert, der teilweise überholte Heilmethoden erläutert.
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