|
Meine Wasser-Kur
Durch mehr als 35 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit von Sebastian Kneipp
Pfarrer in Wörrishofen (Bayern)
Neunundvierzigste Auflage
Kempten (Bayern) Verlag der Jos. Kösel'schen Buchhandlung 1894
"Geh' hin und wasche Dich siebenmal im Jordan, und Dein Fleisch wird wieder gesund und Du rein werden!" 4.Kön. 5, 10.
Vorwort zur ersten Auflage
Als Priester liegt mir vor Allem das Wohl der unsterblichen Seelen am Herzen. Dafür lebe ich, und dafür will ich sterben. In den verflossenen 4 Jahrzehnten, 30 bis 40 lange Jahre hindurch, haben mir indessen auch die sterblichen Leiber viele Arbeit und opfervolle Sorgen bereitet. Ich habe diese Arbeit nie gesucht. Das Kommen eines jeden Kranken war und ist mir (natürlich gesprochen) eine Last. Nur der Ausblick zu Demjenigen, der vom Himmel herabgestiegen ist, unser aller Krankheiten zu heilen, und der Gedanke an die Verheißung: "Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen . . . .; der letzte Trunk Wasser soll nicht unbelohnt bleiben" waren im Stande, die naheliegende Versuchung, alle Bittgesuche ohne Unterschied des Bittstellers in jedem Falle abzuweisen, zu unterdrücken. Diese Versuchung lag um so näher, da nicht Gewinn, vielmehr unberechenbarer Zeitverlust; nicht Ehre, vielfach Verleumdung und Verfolgung; nicht Dank, sondern in gar manchem Falle Undank, Spott und Hohn meine Diäten bildeten. So mußte es gut sein, und ich bin ganz damit zufrieden. Daß ich aber nach solchen Antecedentien (Vorgängen) nicht besondere Lust verspüre zum Schreiben, begreift ein Jeder, zumal bereits das Alter drückt und Geist und Körper sich nach Ruhe sehnen.
Nur das anhaltende und ungestüme Drängen meiner Freunde, die es eine Sünde gegen die Nächstenliebe nennen, wenn meine Erfahrungen mit meinem modernden Körper in die Grube fahren, zahllose Beschreiben von Geheilten, insbesondere aber das Flehen armer, verlassener Kranker auf dem Lande drücken mir den Schreibgriffel in die widerstrebende, bereits zitternde Hand.
Der ärmeren Klassen, der vielfach verwahrlosten und vergessenen Kranken auf dem einsamen Lande habe ich mich jederzeit mit besonderer Aufmerksamkeit und Liebe angenommen. Diesen vor allen soll mein Büchlein gewidmet sein. Die Sprache ist dem Zwecke angemessen, einfach, klar. Mit Absicht suche ich, mit Umgehung jedes gelehrten Firlefanzes, mehr in Unterhaltungsform zu schreiben, als ein dürres, ausgetrocknetes, saft- und kraftloses Gerippe zu geben. Die Breite der einen oder andern Erzählung, manche Wiederholungen mag man, den guten Zweck, die redliche Absicht im Auge behaltend, nachsichtig übersehen.
Nichts lag mir ferner, als gegen irgend eine der bestehenden medizinischen Richtungen polemisierend, kämpfend aufzutreten, irgend eine Persönlichkeit, deren Wissenschaftlichkeit und Ruf auch nur im kleinsten Punkte anzugreifen.
Ich weiß sehr gut, daß nur dem eigentlichen Fachmanne derlei Veröffentlichungen zustehen, ich lebe indessen in der Ueberzeugung, daß gerade solche dankbar sein werden, wenn einmal auch ein Laie seine vieljährigen Erfahrungen in dieser Beziehung mittheilt. Jedem aufrichtige Entgegenkommen werde ich stets mit Freuden die Hand reichen, Korrekturen und Winke dankbar annehmen. Um jenen unschweren Tadel und jene gar leichte Kritik aber, welche Parteistandpunkten entfließen, werde ich mich durchaus nicht kümmern und den "Pfuscher" und "Quacksalber" ruhig hinnehmen.
Ich selbst habe nichts sehnlicher gewünscht, als daß ein Mann von Beruf, ein Arzt, mir diese schwere Last und drückende Arbeit abgenommen hätte, und ich trage kein innigeres Verlangen und Wünschen, als daß endlich die Leute vom Fach allgemeiner und umfassender auch die Wasserheilmethode gründlich studieren und in die Hand und Aufsicht nehmen mögen. Ein solcher wolle diese Laienarbeit als kleines Hilfsmittel betrachten. An dieser Stelle kann ich versichern, daß trotz meines vielfach sehr schroffen und abstoßenden Benehmens das größte Gebäude nicht ausgereicht hätte, all' die Kranken und Leidenden, welche ohne Übertreibung nach Tausenden und Zehntausende! zählen, aufzunehmen, daß ich ferner mit Leichtigkeit reich, sehr reich sein könnte, wenn ich nur einen Theil des mir angebotenen Heillohnes hatte annehmen wollen. Viele Patienten kamen und sagten: "Ich gebe 100, 200 Mark, wenn Sie mich gesund machen," Der Leidende sucht Hilfe, wo er sie findet, und bezahlt dem Arzte mit Freuden, was ihm zukommt, wenn er ihn heilt, gleichviel ob die Heilung mit der Medizinflasche oder der Wasserkanne geschieht.
Berühmte Männer aus dem Stande der Aerzte haben die Wasser-Heilmethode mit Entschiedenheit und großen Erfolgen begonnen. Mit ihnen wurden ihre Winke und Rathschläge und Kenntnisse vielfach begraben. Daß endlich einmal dem Morgenroth ein dauernder Heller Morgen folge!
Für jeden im Buche genannten oder angedeuteten Namen stehe ich jederzeit mit voller Verantwortung ein und werde nie anstehen, auf Verlangen denselben öffentlich zu nennen. Manche vielleicht harte Ausdrucksweise möge man auf Rechnung meiner etwas herben und derben Gemüthsart schreiben. Mit ihr bin ich alt geworden, und es fällt beiden schwer, uns im Alter noch zu verleugnen und zu trennen.
Dem die Wanderung antretenden Büchlein möge vor Allein Gottes Segen nicht fehlen!
Und wenn einst meine Wasserfreunde erfahren, daß ich in die Ewigkeit gewandert, dann wollen sie mir den Liebesdienst erweisen und in einem kräftigen Vaterunser einen kühlenden Strahl mir nachsendend allwo der Arzt der Arzte die arme Seele in der Feuerkur zum ewigen Leben heilt und läutert.
Eisenbahnstation Türkheim in Schwaben, 1. Oktober 1886.
Aus dem Vorworte zur fünften Auflage
Ich begrüße es mit Freuden, daß in Jordanbad bei Biberach in Württemberg eine Wasserheilanstalt ganz nach meiner Methode eingerichtet und im Frühjahr 1889 eröffnet wird unter der Leitung barmherziger Schwestern und eines praktischen Arztes, der sich während der letzten zwei Jahre eine solche Kenntniß und Erfahrung in meiner Heilmethode erworben bat, daß er mein volles Vertrauen genießt. Es sei daher die Heilanstalt "Jordanbad" bestens empfohlen; möge sie sich vervielfältigen wie mein Büchlein und vielen Kranken und Lebensmüden die verlorene Gesundheit wiedergeben; dieses ist mein Herzenswunsch! An Alle einen schönen Gruß zum Geleite!
Wörishofen, 27. Oktober 1888. Der Verfasser.
Aus dem Vorworte zur sechsten Auflage
Wie ich schon öfters, brieflich und mündlich, erwähnt habe, gereicht es mir stets zur größten Freude, wenn Aerzte sich die Mühe geben, mein Heilverfahren gründlich kennen zu lerne, und ich bin gern bereit, ihnen rathend und anweisend beizustehen. Aber dagegen muß ich Verwahrung einlegen, daß Jemand, ohne sich diese gründliche Kenntniß erworben zu haben, schon als Vertreter meiner Heilmethode sich ausgibt. Nachtheile, welche durch unrichtige Anwendung meines Heilverfahrens entstehen, fallen eben nur dem Mißbrauch und der Unkenntniß zur Last.
Ich benutze daher diese Gelegenheit, nochmals das Jordanbad bei Biberach in Württemberg bestens zu empfehlen, welches ganz nach meiner Heilmethode Anfangs Mai 1889 eröffnet wird unter Leitung des Dr. med. J. Stützle, eines tüchtigen Arztes, der sich, wie bereits in der 5. Auflage bemerkt, eine gründliche Kenntniß und Erfahrung daher und somit mein volles Vertrauen erworben hat. Ich lebe der festen Ueberzeugung, daß solchen Aerzten mein Heilverfahren ebenso zur eigenen Befriedigung, wie zum Segen ihrer Patienten gereichen wird,
Wörishofen, am Neujahrstage 1889. Der Verfasser.
Aus dem Vorworte zur zwölften Auflage
So sind denn bereits elf Auflagen von "Meine Wasserkur" hinausgegangen in die Welt als Rathgeber und Helfer in Krankheiten und allen verschiedenen Mühseligkeiten des irdischen Lebens, und es gereicht mir zum großen Trost, daß die leidende Menschheit durch das allgemein verbreitete Heilmittel, das "Wasser" Hilfe findet. Besonders aber tröstet mich, daß neue Heilanstalten entstanden und entstehen, so daß in den verschiedenen Gegenden die Leidenden nicht zu weit zu reisen haben, um Hilfe durch Wasser-Anwendungen zu bekommen. Das Jordanbad bei Biberach wurde eröffnet; recht viele Kranke haben sich dorthin gewendet, und die Anstalt hat schon viele recht glückliche Kuren aufzuweisen. Eine zweite Gelegenheit ist geboten in Immenstadt; auch von dieser Anstalt wird nur Rühmliches gesagt, und deßhalb ist gute Aussicht für die Zukunft vorhanden, daß sich dieselbe immer weiter entwickeln werde.
Die dritte Wasserheilanstalt wurde eröffnet in Ulm und wird, wie ich schon öfters gehört, sich nach und nach immer weiter entfalten.
In Rosenheim ist auf allgemeines Verlangen der Stadt eine Anstalt nach meinem System kürzlich eröffnet worden, und ich habe bereits gehört von den guten Erfolgen; denn Herr Dr. Bernhuber war längere Zeit in Wörishofen Badearzt und besitzt ein herrliches Talent für sein Fach. Er ist nicht bloß ein guter Arzt, sondern auch ein vorzüglicher Operateur; derselbe hat oft erklärt: "Mit Wasser werden Krankheiten geheilt, wo andere Mittel keine Hilfe mehr bringen können." Deßhalb hoffe ich mit Grund, daß gerade diese Anstalt sich recht segensreich entwickle.
Herr Dr. Georg Wolf hat in Traunstein, wo schon durch das frühere Bad die nöthigen Gebäude vorhanden sind, eine neue Anstalt eröffnet. Herr Dr. Wolf ist ein ruhiger, besonnener und edler Charakter, hat in Wörishofen durch längere Zeit mein ganzes Heilverfahren gründlich erlernt und eingeübt, und ich glaube, daß ich diesen Arzt mit Recht den Patienten für das Heilverfahren meiner Wasserkur auf's Wärmste empfehlen kann. So haben meine vielen Freunde und Gäste in der Nähe und in der Ferne, namentlich die in Oesterreich, eine günstige Gelegenheit, die guten Wirkungen meiner Wasserkur unter seiner Leitung kennen zu lernen; denn gerade Leidende aus Oesterreich und Ungarn, soweit von hier entfernt, haben mit großer Begeisterung meine hiesige Wasserkur-Anstalt besucht und nach der Heimkehr, in dankbarer Erinnerung an die erzielten Erfolge, mein Heilverfahren weiter vorbreitet.
Wörishofen, den 3. Dezember 1889. Der Verfasser.
Vorwort zur siebenundzwanzigsten Austage
Im Nachtrage zu den in meinem letzten Vorworte genannten Herren Aerzten, welche meine Wasserheilmethode bereits praktisch ausüben, erwähne ich noch besonders die derzeitigen Badeärzte von Wörishofen, Herrn Dr. Bergmann und Herrn Dr. Hacke, die mit Eifer mir meine schwere Last zu erleichtern suchen.
Zu den neuesten Anstalten, die nach meinem Prinzipe entstanden sind, gehört ferner die Kaltwasserheilanstalt Scharding in Oberoesterreich. Dieselbe wird von einem meiner Schüler, Herrn Otto Ebenhecht, geführt und kann ich vorgenannten Herrn Jedermann empfehlen.
Eine zweite Anstalt in Oesterreich hat in Brixen (Süd-Tirol) Herr Dr. Otto v. Guggenberg jüngst eröffnet. Auch dieses Institut eines meiner eifrigsten und gelehrtesten Jünger empfehle ich angelegentlichst zu fleissiger Frequenz.
Im Monat Januar 1891 hat Herr Dr. Wendelin Loefer eine Wasserheilanstalt nach meiner Methode in Veitshöchheim bei Würzburg eröffnet. Herr Dr. Loeser ist ein ruhiger Denker und wird sicher seinem Unternehmen Ehre machen.
Wörishofen, 26. Februar 1891. Der Verfasser.
Letzte und nächste Einträge
Zurück zum Verzeichnis
|