Rezept zur Bereitung des Kleienbrodes

 


Man läßt in der Mühle den Weizen mahlen mitsammt der Kleie. Die Müller thun Dieses nicht gerne aus naheliegenden Gründen; man soll deßhalb die erhaltene Waare stets gut mustern.

Von dem Kleienmehle nimmt man 1, 2, 3 bis 4 Kilo (je nachdem man für wenige oder mehrere Personen zu backen hat) in eine Schüssel und macht mit heißem Wasser einen Teig an, der über die Nacht an einem mäßig warmen Orte stehen bleibt. Weder Sauerteig, noch Salz noch anderes Gewürz darf an den Teig kommen.

Am andern Tage formt man aus dem Teige kleinere, länglich runde Laibchen oder Wecken, bringt sie in den wie zum Backen gewöhnlichen Brodes geheizten Backofen und läßt sie 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden in der Hitze.

Sogleich beim Herausnehmen stößt man das gebackene Brod auf 3 bis 4 Stunden in siedend heißes Wasser dann kommt es gleich wieder zur Trocknung kurze Zeit in den Ofen.

Diese letztere Manipulation habe ich von einem Prior (Vorsteher eines Klosters) der Trappisten (römisch-katholischer Mönchsorden) erfahren, der sagte, er habe das Backen solchen Brodes lange und auf verschiedene Weise probirt und gefunden, daß diese Art des Backens die beste sei, indem so aus der Kleie aller Nähr-, insbesondere Zuckerstoffe ausgezogen werde.

Ich kenne viele Männer, die mit Vorliebe solches Brod gegessen haben, jetzt noch essen und sagen, daß es bei Magen-, bei Verdauungs- , insbesondere bei Hämorrhoidal-Beschwerden vorzügliche, einzige Dienste leiste.

Andere habe ich gekannt, die das geschmack- und gewürzte Brod beim ersten Verkosten sonderbar fad fanden, die aber später, ich kann sagen, mit fast leidenschaftlicher Vorliebe darnach gegriffen haben.

Das gebackene Brod werde an einem kühlen Orte aufbewahrt und, sollte die Kruste zu hart sein, mit einem feuchten Tuche umwunden.

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