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"Wer dieser Blätter undersich in sein Bettstatt
legt / dem vertreibt es alle Fleischliche Anfechtung. Ist
vielleicht deß Strohes / darauf die Barfüsser Münch
ligen."
"Das Laub in Wein gesotten / mit Honig vermischt
/ und den Mund damit gewaschen / heilet Mund und Zahngeschwär."
Hieronymus
Bock: New Kreütterbuch, 3. Aufl. Straßburg 1556
Schaffmülle / Agnus castus. Cap. lix. (S.
379vf.)
Den züchtigen vnd alle zeit frommen Closterleuten,
so keuschheit zu halten sich
vndernommen, schencke ich diß gewächß
jhre ruhe darauff zu haben, darmit jhrem
Eyd (den sie gethon) genug geschehe. Darumb das dieser
Baum mit seinen schmalen
Weidenblettern, die sich etlicher massen dem laub am
Oelbaum vergleichen, darzu
die schwartze runde Körnlein, dem Pfeffer gleich,
löschen vnd dilgen auß des
fleysches brunst vnnd begirde, wie die Alten daruon
schreiben, das zu Athen
etliche fromme Matronen jhr Läger auff dises Baums
bletter stäte keuschheit
zuhalten, gehabt haden. Jch halt die vngeschlachte
Barfüsser, so von der Welt
kommen, vnd doch die Welt nicht mehren, ligen auff
dises Baums laub, wie sich
dann rhümen, daz sie in keinem federbeth ligen,
es geschehe dann auff dem Lande.
So wächst aber diser staud gern nahe bey den wassern.
Die schwartze körnlein
haben ein weinechten geschmack. Vnnd ist dieser Baum
an vilen orten noch frembd.
Von den Namen
Keuschbaum vnd Schaffmülle, zu Latin Vitex Agnus
castus, auff Griechisch Lygos,
das ist Vimen genant, hat noch vil namen inn Diosc.
Lib. J. cap. cxx. (24) Als
nemlich Agonon, Amictomtenon, Tridactylum, Semnos,
Jbis sanguis, Sum, Salix
Amerina, Piper agreste, Ligusticum, Eleagnon, Osee
vnd andere namen mehr. Als in
Serapione stehet geschriben cap. ccxcix: Famanchest
vnd arbor Abrahe, die frucht
Piperella vnnd Piper Eunuchorum; inn Auerrhoe: Pentasiler,
Granum sterilitatis.
Von der Krafft vnd Würckung
Djser Closter vnd Münch Pfeffer ist druckener, warmer,
zusamen ziehender
eygenschafft, würt etwan inn der artzney gebraucht.
Jnnerlich
Djser Beerlein eins quinten schwer mit Wein gedruncken,
zuuor gestossen, treibt
den Weybern jhre krankheit, zertheilt die wind im leib,
vnd löschet auß die
begirde der Ehlichen werck. Wer von gifftigen Thieren
gestochen oder gebissen
ist, der soll die frucht brauchen. Deßgleichen
die Weyber, so vbel seugen, dann
es mehret die Milch. Es bekompt auch wol den Miltz-
vnd Lebersüchtigen menschen,
welche sich vor der Wassersucht besorgen.
Zu vil gebraucht schwechet das Haupt vnnd machet Schlaffen.
Eusserlich
Das laub zerknütscht vnd den safft herauß gedruckt,
darmit gesalbet, heylet
Spinnen stich.
Das laub inn Wein gesotten, Honig darzu gethon vnnd den
Mund darmit gewäschen,
heylet das Mund vnnd Zan geschwär.
Mit wasser gesotten vnd darmit gewäschen, heylet
allerhand Riß vnd Schrunden am
Hindern, sonderlichden Weybern, so an heimlichen enden
etwan entzündet werden,
denen soll man ein Fomentum auß dem laub machen
vnd darüber setzen.
So man den samen zerkmütscht vnnd mit Rosen wasser
auff die stirnen legt,
lindert es das Hauptwehe.
Dioscorides meynet, so jhemandts einen stengel dises gewächß
inn der hand habe,
wann er wandere oder vber feld gehe, der selbig sol
kein Wolff vberkommen.
Andere tugent mögen auß obernenten selbs
colligiert werden. Wer wills alle erschreiben.
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