Der Wermut ist eine mehrjährige Pflanze und blüht von August bis September. Das Kraut kann man ab Juli bis September und anschließend getrocknet.
Ende des 19. Jahrhunderts war der Wermut vielen Menschen bekannt, denn er war der Grundstoff des damals sehr beliebten Schnapses Absynth. Da aber bei übertriebenen Genuss des Getränks sehr negative Wirkungen, wie zum Beispiel Nervenstörungen, auftraten wurde der Absynth aus dem Verkehr gezogen. Inzwischen gehen die Wissenschaftler jedoch davon aus, daß die meisten Probleme nicht vom Wermut kamen, sondern von schlecht gebrannten Absynth und vor allem dem Alkoholismus.
Der Wermut ist ein Strauch, der in den trockenen Gebieten Europas und Asiens heimisch ist. Er wird bis zu 1,20 m groß und hat stark verzweigte Äste. Die Pflanze riecht stark würzig und hat ein Aussehen, das dem Beifuß ziemlich ähnlich ist. Eine Verwechslung ist allerdings ungefährlich, da die Wirkung der beiden Pflanzen ziemlich ähnlich ist.
In der Naturheilkunde Verwendung finden die oberen zarten Teile der Pflanze. Diese sollte man zur Blütezeit abschneiden. Getrocknet werden sie an einem luftigen Ort.
Schon im Altertum erkannte man die heilende Wirkung des Wermut. Besonders bei Magenbeschwerden wurde er verordnet. Ein Aufguss, der aus zwei Teelöffeln Wermut und einer Tasse Wasser hergestellt wird, kann bei Darmkoliken, zur Anregung des Appetits, zur Unterstützung der Magensäfte und Verdauungssäfte als auch gegen Blähungen helfen.
In der Schulmedizin empfiehlt sich Wermut bei Magenbeschwerden und zur Appetitanregung.
Zur äußerlichen Anwendung empfiehlt sich der Wermut als Gurgelmittel oder als Umschlag bei Prellungen. Und schließlich kann man das enthaltene ätherisches Öl, welches man als Tinktur bei Krämpfen anwendet.
Der Wermut ist ein ausgezeichnetes Mittel bei Magenbeschwerden, Darmbeschwerden und Gallenbeschwerden. Er regt zusätzlich auf Grund seiner Bitterstoffe den Appetit an.
Namensursprung
Die Herkunft des deutschen Namens Wermut ist unsicher. Eine Deutung will ihn mit "Wurm" wegen wurmwidriger Eigenschaften der Pflanzenart, eine andere mit "Warm" als erwärmendes Mittel zusammenbringen.
Eine andere Variante ist das altenglische Wort wermod bzw. das althochdeutsche Wort werimuota, das so viel wie „Geist-Mutter” bedeutet.
Der Name Artemisia bringt den Wermut mit der Göttin Artemis in Verbindung, die auch die „Mutter der Kräuter” genannt wird.
Geschichtliches zum Wermut
Nach Dioskurides sollen die alten Ägypter den Wermut als Somi gekannt haben, welcher Name in der Form Saam schon im Papyrus Ebers vorkommt.
Nach Plinius trugen die Isispriester bei Festlichkeiten Zweige von "absinthium marinum" umher, dessen Geheimname bei ihnen "Herz des Geiers" war. In der klassischen Antike überhaupt ist der Wermut wohl bekannt gewesen, jedoch läßt sich infolge der flüchtigen botanischen Beschreibungen in der Literatur der Griechen und Römer nicht immer entscheiden, ob der gewöhnliche Wermut oder eine andere Art, z. B. A. pontica, A. arborescens, A. maritima usw., gemeint ist.
Theophrast berichtet eine Sage, nach der die Schafe am Pontus das "apkinthion" fräßen und dadurch die Galle verlören.
Nach Dioskurides, der verschiedene Absinthiumarten kennt, ist die gewöhnliche Art ein bekanntes Kraut, die beste Sorte davon wachse am Pontus und in Kappadokien. Dioskurides schildert ihn als erwärmend, adstringierend und verdauungsbefördernd. In der Propontis und in Thrakien wird daraus ein Wein bereitet, der als sehr gesund gilt. Mit Essig getrunken lobt er ihn als ein gutes Mittel gegen Vergiftung durch Pilze, mit Wein gegen Ischias und Vergiftung durch den Schierling.
Ein Zeichen der allgemeinen Wertschätzung des Wermuts war, daß bei den latinischen Festen der Sieger im Wettrennen mit Stiergespannen auf dem Kapitol einen Wermuttrank zu sich nahm. Lukretius erzählt, daß man den Kindern, die Wermut gegen Würmer erhielten, Honig um den Rand des Bechers schmierte. Galenus nennt ihn als antifebriles Mittel. Auch sonst wird er bei den römischen und griechischen Ärzten viel erwähnt.
Im Mittelalter begegnen wir dem Wermut zum ersten Male im "Hortulus", dem Lehrgedichte des Abtes Walafridus Strabus (9. Jahrhundert), dann bei der Hl. Hildegard, die ihn "wermuda" nennt. Für das hohe Ansehen, das die Pflanze genoss, spricht, daß ihr Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuche nicht weniger als 13 Folioseiten widmet. Die wichtigsten Anwendungen waren die als Wundmittel, gegen Cholera und Pest, Rheumatismus, Lähmungen, Gelbsucht, Wassersucht, Skorbut, Bleichsucht, Magenleiden, Frauenleiden, Epilepsie usw. Boerhaave empfahl ihn gegen Malaria.
Jedoch nicht nur in der Heilkunde, sondern auch sonst hatte man viel Verwendung für die Pflanze. So soll sie zur Verhinderung des Rausches gedient haben und ein beliebtes Mittel gegen Katzenjammer gewesen sein. Als einfaches und gutes Floh- und Lausmittel wird in R. Minderers "Kriegsarzneibüchlein für den Dreißigjährigen Krieg" folgende Vorschrift gegeben: "Willst du von Ungeziefer gesichert sein, so tauche dein Hemd in einen Absud von Wermut und Hufabschnitzeln von Pferden in halbverdünnter Lauge und laß es trocknen: so kommt dir keine Laus hinein, während sonst eine im Hemd stürbe und viele Tausende mit ihrer Leiche gehen." Der Brauch, den Matthiolus berichtete, daß man die jungen Blätter in Eierkuchen buk, scheint heute in Vergessenheit geraten zu sein. Die appetitanregende Eigenschaft der Pflanze hielt man für so groß, daß es genügte, die Blätter nur in die Schuhe zu legen, und darauf zu gehen, daß "die Lust zur Speiß komme". Auch in der sympathetischen Medizin und als dämonenabwehrendes Mittel hat der Wermut, der als Bestandteil von Hexensalben und -tränken galt, im Volke eine gewisse Rolle gespielt.
Wie beliebt der Wermut noch heute ist, zeigt der bergische Spruch "Wärmot ist för alles got". Das, was man als Absinthschnaps bezeichnet, ist kein Wermutwein, sondern ein Wermut-Destillat. In der Basler Gegend benutzt man den Absinthschnaps als Abortivum, auch im Kaukasus wird er als wehen treibendes Mittel verwendet.
Die Verwendung des Absinthlikörs scheint erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich aus Algerien eingeführt worden zu sein. Der Absinthgenuß hatte sich besonders in den schweizerischen und französischen Großstädten rasch verbreitet. Infolge der sehr schädlichen Wirkung (Schwindel, Muskelzuckungen, Krämpfe, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, epilepsieähnliche Anfälle) setzte um 1900 eine lebhafte Bewegung zur Bekämpfung des Absinthismus ein, die zu einem völligen Verbot der Herstellung und Einfuhr in Deutschland, in der Schweiz, in Italien und Holland und zu einer Einschränkung von Anbau, Fabrikation und Konsum in Frankreich führte.
Mönche im Mittelalter mischten Wermut in ihre Tinte, um das Papier später vor Tierfraß zu schützen.
Der Rauch schütze angeblich Kinder vor dem Teufel. Sie sollte einen davor bewahren eine Hexe zu werden. Kleine Kinder und Tiere wollte man mit Wermut vor dem Bösen schützen. Außerdem war die Pflanze ein traditioneller Grabschmuck.
In der Antike stellte man Absinth her, weil man glaubte, er helfe gegen die Degeneration des Gehirns.
In Ägypten war der Wermut eine wichtige Pflanzen, die Priesterinnen der Isis verwendeten sie bei ihren Ritualen.
Um den Hals getragen soll Wermut vor dem bösen Blick schützen, auch vor Verhexung: „Wer Wermut bei sich trägt, kann nicht beschrien werden.”
Anwendungsbeispiele und alte Rezepte rund um den Wermut
Tee zur Appetitanregung
Nehmen Sie einen Teelöffel Wermutkraut und übergießen Sie ihn mit 150 ml kochendem Wasser. Drei Minuten ziehen lassen, danach absieben. Eine halbe Stunde vor dem Essen trinken.
Mehr Rezepte mit Wermut Bevor Sie sich selbst mit Heilkräutern behandeln fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker!
Vorsicht
Nicht in der Schwangerschaft anwenden.
Historische Anwendungsgebiete
Die hl. Hildegard gebrauchte ihn gegen Magenschwäche und Zahnschmerz.
Als magenstärkend (jedoch nur bei vollem Magen), wurmvertreibend, stuhlerweichend, grimmenstillend, emmenagog, als hilfreich bei Milzstechen, Vergiftungen, Wunden, Schwellungen, Pruritus und als Prophylaktikum gegen Seekrankheit führt Paracelsus den Wermut an.
Lonicerus rühmt recht viele Tugenden des Wermuts, so seine magenstärkende und -wärmende, verdauungsfördernde, appetitanregende, leber- und milzreinigende Kraft und die günstige Wirkung bei Gelb- und Wassersucht, Schlaflosigkeit, Trunkenheit, Fieber. Das Öl soll, in die Ohren geträufelt, das verlorene Gehör wiederbringen, das Kraut mit Honig aufgelegt die gequetschten Glieder heilen. Er wiederholt die Behauptung von Theophrast, daß dem Vieh, das mit Wermut gefüttert wird, die Galle verschwinden soll.
Wie Matthiolus schreibt, läßt Absinthium "das Blut nicht faulen" und treibt die Galle durch Stuhl und Harn aus. Beim Mundspülen mache es einen wohlriechenden Atem. Im übrigen wiederholt er die Angaben der anderen Kräuterbücher.
Weinmann berichtet, daß der Wermutwein mit Anis und Kümmel gemischt gern "von den Weibs-Personen, so die übrige Dicke hassen" genommen würde. Auch kennt er die äußerliche Anwendung in Form von Kräuterkissen gegen Magenbeschwerden.
Hecker schätzt den Wermut bei "Krankheiten, die aus Atonie der ersten Wege und Eingeweide des Unterleibes entspringen, Magenschwäche, Verschleimung, Würmern, Säure, Gicht, Steinbeschwerden, Hypochondrie, Verstopfung der Milz und Leber usw.", ferner bei Kachexien wie Hydrops, Ikterus, Skorbut. Gegen Krämpfe läßt er das ätherische Öl anwenden. Äußerlichen Gebrauch macht er vom Absinthkraut zur Zerteilung lymphatischer Geschwülste, schmerzhafter Rheumatismen, erysipelatöser Entzündungen usw.
In der russischen Volksmedizin wird der Wermut als ganz vorzügliches, heilsames Hausmittel bezeichnet. Im Vordergrund steht die Wirkung bei Fieber und als Magenmittel sowie als Anthelmintikum. Man gab den Kindern die pulverisierten Blätter mit Honig, als spirituöse Auszüge und wässrige Infuse. Die Tinkturen wurden auch äußerlich zu Einreibungen benutzt. Weiter galt der Wermut als nützlich bei Gelbsucht, Hautparasiten und gegen Motten. Der Absinthschnaps wurde den Priestern, Mönchen und Nonnen dringend empfohlen, damit sie von schlechten Bedürfnissen des menschlichen Leibes befreit würden. Man sieht, daß also das Mittel selbst als sexuelles Sedativum galt. Nach J. Schablowski gibt man es Gebärenden als wehentreibendes Mittel in Form einer Abkochung von einer Handvoll Kraut auf 2 Glas Wein jede halbe Stunde. Abortus soll dadurch nicht entstehen.
Gegen Hautleiden aller Art empfiehlt Wizenmann das gepulverte frische Wermutkraut, mit einigen Tropfen Zitronensaft angefeuchtet, aufzulegen.
Auch in der Veterinärheilkunde gilt der Wermut als gutes Mittel, das bei Freßunlust infolge von Verdauungsstörungen oder nach Krankheiten, bei Gelbsucht, Leberwürmern, Harthäutigkeit, besonders infolge chronischer Leberkrankheit, und bei Überfütterungskoliken angewandt wird. Äußerlich wird er in Absudform gegen Krätze gebraucht.
C. B. Inverni bezeichnet den Wermut in starken Dosen als emmenagog wirksam und besonders geeignet bei Amenorrhöe junger Mädchen. Inverni betont, daß der Wermut als Wurmmittel sowohl bei Askariden wie auch bei Oxyuren wirksam sei.
Nach Bohn umfasst der Wirkungskreis des Wermuts die Nerven des Magens und Zwölffingerdarms, die er zu vermehrter Tätigkeit anregt. Pfortaderstauungen mit Neigung zu Nieren-, Blasen- und Darmblutungen sind nach ihm Kontraindikationen für eine Anwendung.