Die Ringelblume ist die Heilpflanze des Jahres 2009.
Bescheidenen steht sie am Wegesrand, hätte jedoch wesentlich
mehr Aufmerksamkeit verdient: die Ringelblume. Sie ist eine
Bereicherung für jede Hausapotheke und soll angeblich
sogar verliebten helfen.
Er liebt mich, er liebt mich nicht..., in den jungen Jahren
hat wohl jeder einmal dieses selbst gemachte Orakel durchgespielt.
Dafür ist die Ringelblume mit ihren schönen großen
Blütenblättern genau richtig. Und falls es negativ
ausfällt, so kann man immer noch die gekrümmten
Samen, die der Pflanze den Namen geben, in die Fußspuren
des Geliebten pflanzen. Denn dadurch, so der Volksglaube,
kommt der Geliebte wieder zurück.
Man finde die Ringelblume in vielen Gärten auf dem Lande,
manchmal auch wild auf Schutthalden. Die Ringelblume wird
bis zu 60 cm hoch und hat gelbe Blüten. Man sagt, wenn
am Morgen nach 7:00 Uhr die Blütenköpfe noch geschlossen
sind, wird Regen kommen. Die Pflanze galt deswegen früher
als Regenanzeiger.
Den deutschen Namen bekam sie wegen den ringelförmigen
Samen.
Das Kraut verbreitet sich übrigens durch seine eigentümliche
Form, die wie ein Widerhaken wirken und sich so an Mensch
und Tier heften kann, wodurch es an neue Orte gelangt.
Die Ringelblume ähnelt sehr der Arnika,
ist aber in der Heilwirkung überlegen. Die Ringelblume
ist eine Blut reinigende Pflanze, wirkt zusammenziehend, ist
gut für den Kreislauf und fördert die Heilung von
Wunden.
Die Ringelblume wird in der Volksmedizin bei äußerlichen
Wunden empfohlen. Sie hilft bei Abschürfungen, Brandwunden,
Schnittverletzungen, ist Entzündungshemmend, bekämpft
Bakterien, Viren und Pilze. Allein die intensive Farbe der
Blüten weist auf den hohen Gehalt an Wirkstoffen hin.
Ihre antiseptischen und adstringierenden Eigenschaften machen
die Ringelblume zu einem wirksamen Mittel bei angegriffener
und entzündeter Haut, bei Sonnenbrand, Krampfadern, Akne und Hautausschlägen.
Die Wirksamkeit der Pflanze war schon Hildegard
von Bingen bekannt und sogar den griechischen Heiler Theophrast.
Somit kann das Kraut bei jeglicher Art von Entzündungen
angewendet werden und ist somit absolut vielfältig. Zur
innerlichen Anwendung empfiehlt sich ein Tee, den man aus
den Blüten macht. Besonders bei Übelkeit soll dieser
Tee richtig gut wirken, aber auch Menstruationsbeschwerden
und Gallenleiden sollen gelindert werden. Am bekanntesten
ist natürlich die Anwendung von Außen anhand von
Salben und Tinkturen, aber auch als Öl oder Umschlag.
Die Wirkung der Ringelblume beruht auf der Vielzahl ihrer
Inhaltsstoffe. Deswegen kommt immer das Gesamtextrakt zum
Einsatz, so zum Beispiel in Salben, Tinkturen, Shampoos, Nationen
oder in Badezusätzen.
Die Ringelblume ist sehr anspruchslos, wächst auf fast
jedem Boden und kann auch problemlos im Garten angepflanzt
werden, was sehr praktisch ist für die Hausapotheke.
Aber auch für die Seele ist die Ringelblume gut: An den
hellen und heiteren Gelb- und Orangetönen erfreut sich
die Seele bis in den Herbst hinein.
Die Pflanze gilt übrigens auch als ein Symbol für
die Unvergänglichkeit und Treue in der Liebe.
Der beste Zeitpunkt für die Ernte ist im Frühsommer,
bevorzugt an einem sonnigen Morgen, kurz nach dem sich die
Knospen geöffnet haben. Denn dann ist der Gehalt an Wirkstoffen
am höchsten. Die Blütenblätter werden im Schatten
getrocknet.
Geschichtliches um die Ringelblume
Aus alten Zeiten wird überliefert: Trägt man vor
dem ins Bett gehen eine Salbe
aus mit Sommerkräutern getrockneter, zermahlenener und
mit Honig und Essig verrührter Ringelblume auf, so träumt
man nachts von der einen, ganz großen Liebe.
Über Jahrhunderte hinweg stand die Ringelblume bei Bauern
als "Wetterprophet" in hohem Ansehen, denn sie faltet
ihre Blüten zusammen, wenn schlechtes Wetter mit Regen
aufzieht. Bei vielen Völkern wird die Ringelblume als
Symbol für die Unvergänglichkeit geschätzt,
weil sie so langlebig ist und den ganzen Sommer über
immer wieder blüht. Aus diesem Grund war sie eine beliebte
Grabpflanze und trug auch den Namen "Totenblume".
Von Theophrast und auch von Dioskurides
wird eine Droge "Klymenon" erwähnt, die mit
grosser Wahrscheinlichkeit mit unserer Ringelblume identisch
ist.
Im Mittelalter wird die Ringelblume erstmals bei Hildegard
von Bingen erwähnt. Man kann dies als Indiz dafür
nehmen, daß Calendula, bzw. das Ringele",
wie sie bei der Äbtissin vom Rupertsberg genannt wird,
bereits im 12. Jh. Bestandteil der Volksmedizin gewesen ist.
Hildegard beschrieb die Ringelblume als kalt und feucht, empfahl
sie gegen Vergiftungen" durch üble Speisen
bei Mensch und Tier (Rind und Schaf). Gegen vellen"
und Grind am Kopf empfiehlt sie die äußere Anwendung
mit Speck, bei Grind mit Teig vermischt.
Albertus Magnus (um 1200-1280), ein großer Gelehrter
des Mittelalters, beschrieb die Ringelblume folgendermaßen:
"Sponsa solis sive solsequium est herba habens folia
spissa, sed non magna, florem citrinum, qui claudit se sole
occidente et aperit oriente. Frigida et humida est. Trita
confert morsui venenatorum, posita super vulnus. Sed succus
eius confert oppilationibus splenis et hepatis."
Übersetzt bedeutet das so viel wie:
"Sonnenbraut ist ein Kraut, das dicke, aber nicht große
Blätter hat und eine zitronengelbe Blüte, die sich
bei Sonnenuntergang schließt und beim Aufgang öffnet.
Sie ist kalt und feucht. Zerrieben hilft sie beim Biss giftiger
Tiere, wenn man sie auf die Wunde legt. Ihr Saft hilft bei
Verstopfungen der Milz und der Leber."
Hieronymus Bock über die Ringelblume
"Das Puluer von der Rinden gemischet mit Fenchelsamensafft,
Wein vnd ein wenig Öl, diß alles gesotten Biss
es dick würt; demnach thu darzu einwenig wachß,
machs zur Salben vnd bestreich das Miltz damit, desgleichen
den kalten Magen, es hilfft."
Tabernaemontanus (1520 - 1590) schrieb in seinem Kräuterbuch
"Der Safft von Ringelblumen in die Ohren gethan /soll
die Würm darin tödten. Zu den Wehetagen der Zähn
/ soll man des Saffts ein gut Theil in Mund nehmen / ein Zeitlang
darinn behalten / soll den Schmertzen bald benehmen."
Anwendungsbeispiele und alte Rezepte rund um die Ringelblume
Tee
2 Teelöffel getrocknete Blüten mit 1/4 l kochendem Wasser übergießen
und nach 10 Minuten absieben. Täglich mehrere Tassen trinken.
Offenes Bein
Beim offenen Bein wird eine getränkte Auflage angewendet, welche mit 1
Teelöffel Ringelblume auf ein 1/4 Liter Wasser als Aufguss hergestellt
wird.
Tee zur Regulierrung der Monatsblutung, bei Entzündungen des Verdauungstraktes
Einen Teelöffel Ringelblume mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen
und 5 Minuten abgedeckt ziehen lassen, danach absieben.
Bei akuten Hautreizungen
Eine handvoll Blüten in 1/2 Liter kaltem Wasser ziehen lassen. Danach zum Kochen
bringen und eine Viertelstunde leise köcheln lassen. Durch ein Sieb gießen und
die Kompressen mit der Flüssigkeit tränken.
Haut-Tee zur Förderung des Stoffwechsels und der Hautdurchblutung
Für den Tee je 1/3 getrocknete Gänseblümchen, Ringelblumenblüten
und Stiefmütterchen-Kraut vermischen. Davon ca. ein Teelöffel mit
250 ml Wasser übergiessen und aufkochen lassen. 5 Minuten ziehen lassen,
danach absieben.
Der Tee erhöht den Stoffwechsel und die Durchblutung der Haut und lindert
Hautausschläge.
Ringelblumensalbe
Zur Herstellung einer Ringelblumensalbe benötigt man 60 g Bienenwachs,
500 ml Olivenöl, 120 g getrocknete oder 300 g frische Blütenblätter.
Schmelzen sie das Bienenwachs zusammen mit dem Olivenöl im Wasserbad und
rühren Sie dann die Blütenblätter ein. Abgedeckt drei Stunden
im warmen Ofen bei circa 50° ziehen lassen. Danach die Mischung durch ein
Tuch absieben und möglichst gut ausdrücken. Vorsicht: die Salbe wird
schnell fest, deswegen sofort in dunkle Gläser füllen. Diese Salbe
ist circa drei Monate haltbar.
Ringelblumensalbe
Bei kleinen Wunden ist eine Salbe aus frischen Ringelblumen-Blütenblättern
hilfreich. Sie wirkt antiseptisch und dadurch entzündungshemmend. Sie wirkt
auch bei trockener, entzündeter Haut.
Verwenden sie dazu 50 g frische Ringelblumen-Blütenblätter und 2 Tassen
kaltes Wasser. Giessen sie beides in einen Topf und lassen sie es über
Nacht stehen. Am nächsten Tag so lange sanft kochen lassen, bis das Wasser
fast ganz verdampft ist (nicht anbrennen lassen!). Geben sie dazu 250 Gramm
Lanolin (Apotheke) und verrühren alles gut miteinander. Die ganze Mischnund
dann durch ein Tuch in ein Gefäß pressen und abkühlen lassen,
danach verschließen.
Die Anwendung erfolgt mehrmals täglich durch eincremen der betroffenen
Stellen.
Frauenheilkunde
Die Ringelblume leistet wertvolle Dienste für das Fortpflanzungssystem,
da sie Menstruationsbeschwerden lindert und den weiblichen Zyklus reguliert.
Bevor Sie sich selbst mit Heilkräutern behandeln
fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker!