Der Liebstöckel
kommt wahrscheinlich aus dem alten Persien. Nach Europa gelangte er
um das 14. Jahrhundert herum, vermutlich aus dem Mittelmeerraum.
Man pflanzte ihn erst in den Klostergärten an, später auch in privaten Gärten.
Wie viele andere stark duftenden Pflanzen wurde der Liebstöckel im Mittelalter für allerlei Zauber verwendet. So sollen Mädchen in Deutschland angeblich ihr Badewasser damit aromatisiert haben,
um die Männer zu becircen.
Der Liebstöckel ist ein Vertreter der Doldenblütler-Familie,
er kann bis zu 2 Meter groß werden.
Die Blätter
und das Aroma des Liebstöckel ähneln etwas dem Sellerie.
Erblühen im Sommer
die großen, gelben Dolden des Liebstöckel, so bildet sich ein intensiver charakteristischer Geruch.
Liebstöckel gehört zu den ausdauernden Kräutern
und erlüht im Juli und im August. Wurzeln von mindestens
zweijährigen Pflanzen kann man im Oktober sammeln. Das
Kraut sammelt man im Juli und im August. Dabei sollte man
beachten, daß die Pflanze nicht aufgeblüht hat.
Die Wurzeln und das Kraut werden schnell, aber schonend, getrocknet.
In der Naturheilkunde wird der Liebstöckel als wassertreibendes
Mittel eingesetzt, das gleichzeitig den Appetit steigert.
Zudem kann er bei Blähungen, bei Erkrankungen der Harnwege
und der Blase eingesetzt werden, auch bei nervösen Erschöpfungszuständen
und bei Rheuma.
Geschichtliches und Sagen um den Liebstöckel "Liebstöckel, kräftiges Kraut, dich zu nennen
im duftenden Dickicht
Heißt mich die Liebe, mit der ich im Gärtchen alles
umfasse.
Zwar durch Saft und Geruch, so glaubt man, soll diese Pflanze
Schaden den Zwillingssternen der Augen und Blindheit bewirken.
Aber die kleinen Samen der Pflanze pflegen doch manchmal als
Beisatz
Andrer Arznei durch fremdes Verdienst sich Lob zu erwerben
" Walahfrid Strabo
Die Heilige Hildegard
von Bingen verordnete Liebstöckel bei Lungenschmerzen
und Wassersucht.
Der Liebstöckel zählt zu den Liebespflanzen. Will
der Geliebte nicht so richtig anbeißen, soll die Frau
ihm einen Sud von Wurzeln und Blättern in sein Badewasser
geben.
"Wurzel und Samen des Liebstöckel treiben den
Harn und verhelfen Männern und Frauen nicht nur zu unkeuschen
Gelüsten, sie tun es auch mit Begierde und Wonnen hernach".
Dioscorides
Mädchen aus Norditalien trugen ein Liebstöckl-Sträußchen
unter dem Rock, um dem Auserwählten zu gefallen.
Hauptwirkung des Liebstöckel
Liebstöckel wirkt entwässernd, krampflösend,
blähungsfördernd, außerdem magenstärkend
und appetitanregend.
Sammelzeit
Die Blätter im Frühjahr
Die Wurzel im frühen Frühjahr oder Spätherbst
Die Samen im Spätsommer
Anwendungsbeispiele und alte Rezepte rund um den Liebstöckel
Tee
Ein Teelöffel Wurzel mit 150 ml kochendem Wasser übergießen
und nach 10 Minuten absieben.
Badezusatz zur allgemeinen Stärkung und Kräftigung und bei Gliederschmerzen
Aufguss von 100 bis 250 g Liebstöckelwurzel in 1 Liter Wasser auf ein Vollbad
Harntreibender Tee mit Liebstöckel
Nehmen Sie bis zu zwei Teelöffel Liebstöckel-Wurzel, die vorher klein
geschnitten wurde und überbrühen Sie diese mit einer Tasse Wasser.
15 Minuten stehen lassen, danach absieben.
Bevor Sie sich selbst mit Heilkräutern behandeln
fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker!
Achtung!
Nicht in der Schwangerschaft anwenden.
Bei Nierenerkrankungen darf Liebstöckel wegen seiner
Reizwirkung auf die Nieren nicht verwendet werden.
Bei allergisch reagierenden Menschen kann Liebstöckel
Schwindelgefühle auslösen.