Die Kamille ist schon seit Urzeiten als Heilkraut bekannt und ist bei mir immer in der Hausapotheke vorhanden. Die Kamille ist eine einheimische Pflanze, die sehr anspruchslos ist. Sie wächst bei uns auf Äckern, an Wegrändern, an Böschungen und vor allem in Getreidefeldern. Viele Landwirte nennen die Kamille auch ein übles Unkraut.
Tatsächlich ist die Kamille wahrscheinlich die am meisten verwendete Heilpflanze bei uns.
Der griechische Name der Kamille, chamaimelon, bedeutet so viel wie Erdapfel. Das liegt wohl daran daß das Kraut der Kamille einen leicht apfelartigen Geruch besitzt.
Die Kamille wird 20 bis 50 cm hoch, hat eine weiße Blüte und erblüht von Mai bis in den Juni. Beim Zerreiben der Kamilleblüten entsteht der sehr aromatische, typische Kamille-Geruch. Die Blüten bestehen aus weißen Zungenblüten um eine wunderschöne gelbe Mittelscheibe.
Man erkennt die echte Kamille daran, daß der typische kegelförmige Boden der Blüte hohl ist, bei anderen Kamillearten ist er gefüllt.
Die Anwendungsgebiete der echten Kamille sind unter anderem folgende:
Krämpfe, Magenbeschwerden, Ekzeme, Stimmungsschwankungen, Sonnenbrand, Nesselsucht, bei Schnitten und Verletzungen, Schleimhautentzündungen (Genitalbereich, Mund, Rachen, Afterbereich), Rheuma und Blutergüsse (als Auflage), Nebenhöhlenentzündungen (Inhalation und Tee), Haarschuppen (Waschung), Erkältungen, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Hautentzündungen, Entzündungen der Bronchien, Frauenkrankheiten uvm.
Die Kamille ist ein wahrer Tausendsassa, was die Heilwirkung betrifft.
Verantwortlich dafür sind u.a. die enthaltenen Stoffe, die eine antibakterielle, krampflösende und beruhigende Wirkung besitzen.
Die Kamille, die ursprünglich aus Eurasien stammt, wurde von nordischen Völkern als heilige Pflanze dem Sonnengott Baldur zugeordnet. Bereits in der Antike wurde die Kamille sehr hoch eingeschätzt, da sie eine hohe Heilwirkung hat. Inzwischen ist diese Heilwirkung auch medizinisch belegt.
In der Naturheilkunde finden vor allem die Blüten eine Anwendung. Dabei ist die Qualität der Kamille sehr stark abhängig vom Zeitpunkt des Pflückens und von der Art der Trocknung. Die beste Zeit zum Pflücken ist der dritte bis fünfte Tag nach dem Blühen. In dieser Zeit sind die Wirkstoffe am besten ausgebildet. Trocknen sollte man die Kamille sehr luftig und bei nicht allzu hoher Temperatur. Am besten verwendet man einen luftigen, schattigen Ort.
Die ätherischen Öle der Kamille hemmen Entzündungen, fördern die Wundheilung, lösen Krämpfe. Sie töten Bakterien und Pilze ab.
Die Kamille ist auch schon lange als ein beruhigendes und entspannendes Heilkraut bekannt. In der Kamille sind Substanzen enthalten, die in unserem Gehirn eine ähnliche Wirkung wie chemische Beruhigungsmittel haben. Man hat sogar festgestellt, daß die Kamille sogar bei Angststörungen hilft. Ein enthaltenes Flavonoid, das Apigenin, wird dafür verantwortlich gemacht, daß die Kamille diese angstlösende und beruhigende Eigenschaft besitzt.
Im Gegensatz zu chemischen Medikamenten macht Kamille jedoch nicht abhängig bzw. süchtig und hat zudem keine gefährlichen Nebenwirkungen.
Ein weiterer wünschenswerter Effekt der Kamille ist der, daß sie den Glyzinspiegel in unserem Körper erhöht. Dieses Glyzin, was eine Aminosäure ist, hat wiederum eine beruhigende Wirkung auf Nerven und Muskeln.
Sagen-haftes zur Kamille
Die Kamille, auch das "Kraut der Mutter" oder Mutterkraut genannt, half (und hilft noch) bei Schwangerschaft, Geburt, nach der Geburt und beim Kinde bei Säuglingskrankheiten. Daher kommt auch der erste Teil des griechischen Namens, das Matricaria, was so viel wie Mutter bedeutet.
Im alten Ägypten wurde die Kamille dem Gott der Sonne gewidmet.
Im alten England gehörte die Kamille zu den neun heiligen Kräutern.
Bei der Krönung von Königen in England hat derjenige, der König wird, immer ein Kamille-Sträußchen dabei. Dies ist angeblich auch heute noch so.
Laut Sage soll die Kamille mit dem heiligen Johannes in Verbindung stehen, man brachte daher am Johannistag, dem 24. Juni, einen Kranz aus Kamille an die Haustür an, so daß man vor Donner, Blitz und Sturm geschützt war.
In alten deutschen Sagen stehen Kamillenblüten für die Seelen von Soldaten, die unter einem Fluch gestorben waren.
Früher glaubte man, daß der Rauch der Kamille Zauberkräfte hätte, die Unglück abwenden sollten.
Früher war es in einigen europäischen Ländern üblich, daß, wenn man zur Kirche ging, einen Strauß Kamille mitbrachte.
Im alten Ägypten verwendete man die Kamille unter anderem bei Krankheiten wie Erkältungen, Schmerzen, Fieber, allerlei Frauenkrankheiten und Schüttelfrost.
Im alten Rom verwendete man die Kamille als Mittel gegen Schlangenbisse. Zudem verwendete man sie als beruhigendes Mittel bei Depressionen, Schlafstörungen und Hysterie.
In der Neuzeit verwendete man die Kamille bei Malaria und bei Schwindsucht, man räucherte Kamilleblätter und verwendete den Rauch gegen Asthma und Schlaflosigkeit.
Culepeper nannte die Kamille den "Pflanzendoktor", da sie die Gesundheit des Gartens fördert. Sie lockt nämlich nützliche Insekten an. Zudem findet man sie oft als eine der ersten Pflanzen, die auf Baustellen wachsen, nachdem Erdmassen bewegt wurden. Sie wird auch als Heilerin des Bodens bezeichnet.
Früher wurde in Sachsen die Kamille in ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - Sie wurde dort auf großen Plantagen angebaut.
Alte (und noch aktuelle) Anwendungen von Kamille:
Bei Heuschnupfen oder einer verstopften Nase soll man mit Kamillentee inhalieren.
Ein Kamillentee
1,5 g getrocknete Blüten auf 1 Tasse kochendes Wasser geben und kurz ziehen lassen. Dosierung: Bis zu 4 Tassen täglich trinken.
Kamille
Bei überanstrengten Muskeln sollte man Kamille mit in das Badewasser geben, dies soll auch bei Blasenentzündungen helfen.
Früher verwendete man Kamillentee, den man zusammen mit den Schalen von Orangen aufkochte, als Waschwasser.
Früher verwendete man die Kamille zudem zum Aufhellen der Haare. Kamille hat eine ausbleichende Wirkung auf Haare, besonders auf blonde Haare. Wenn man im Sommer seine Haare nach dem Waschen mit einer Spülung aus Kamille ausspült und dann in die Sonne geht, ist dieser Effekt besonders gut zu beobachten.
Früher schenkte man älteren Menschen einen Strauß aus Kamille und einem Zweig Salbei, der für die Weisheit und die Gelassenheit des Alters stand.
Die Kamille ist die Pflanze derjenigen, die am 17. Dezember Geburtstag haben. Sie steht für Kraft und ist der Sonne zugeordnet.
Gesammelt wird im Mai bis in den Juli - bei Sonnenschein
Wie duftet und schmeckt die Kamille?
Typisch kamillig, leicht bitter, als Tee ohne Zucker leicht langweilig... Ansonsten mein Lieblingskräutertee!
Wo findet man Kamille
Wege, Äcker, Brachland. Auf kalkarmen und trockenen Feldern und Wiesen, in Kiesgruben und auf Schuttplätzen.
Anwendungsmöglichkeiten
Die Kamille eignet sich für Tee, Wickel, Auflagen, Salben, Öle, Haarspülungen und zur Inhalation
Anwendungsbeispiele und alte Rezepte rund um die Kamille
Kamillentee
1,5 g getrocknete Blüten auf 1 Tasse kochendes Wasser geben und kurz ziehen lassen.
Dosierung: Bis zu 4 Tassen täglich.
Gesichtsdampfbäder mit Kamillenzusatz bei Schnupfen, Heiserkeit und Stirnhöhlenvereiterungen
Badezusatz bei Gliederschmerzen und bei Hautproblemen
Aufguss von 500 bis 1000 g Kamille in 3 bis 4 Liter Wasser auf ein Vollbad
Menstruationsbeschwerden
Teemischung aus gleichen Teilen Kamille, Thymian und Quendel.
Alle Zutaten mit kochendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen.
Danach absieben. Abends 1 Tasse trinken.
Wechseljahrsbeschwerden
Teemischung aus 1 Tasse Baldrian, je 2 Teile Kamillenblüten und Pfefferminze.
Einen Teelöffel pro 250 ml Wasser. Dreimal täglich 1 Tasse trinken.
Bei empfindlichem Magen
20 g Tausendgüldenkraut
50 g zerstoßene Kümmelfrüchte
40 g Kamillenblüten
40 g Pfefferminzblätter
Zwei Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Bei nervösem Magen mit Blähungen
30 g zerstoßene Fenchelfrüchte
30 g zerstoßene Kümmelfrüchte
30 g Baldrianwurzel
15 g Melissenblätter
15 g Kamillenblüten
Zwei Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Bei Durchfall
20 g Kamillenblüten
20 g Thymiankraut
20 g Pfefferminzblätter
10 g Salbeiblätter
Zwei Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Kamille bei Sonnenbrand
Tragen Sie steif geschlagenes Eiweiß auf die betroffene Stellen auf, lassen sie es eintrocknen und waschen Sie es mit Kamillentee ab.
Kamillentee
Ein Esslöffel Kamillenblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen, danach absieben.
Dieser Tee hilft ungesüßt auch wunderbar bei Magenbeschwerden, Magenentzündung und Krämpfen im Magen.
Kamille-Umschläge
Zwei bis drei Esslöffel Kamille mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und für 15 Minuten ziehen lassen. Danach absieben und den Umschlag damit tränken. Auf die betroffenen Stellen legen.
Tee bei Krampfadern
Nehmen Sie zu gleichen Teilen Brombeerblätter, gelben Steinklee, Kamille, Löwenzahnblätter und Gartenraute.
Nehmen Sie davon zwei Teelöffel und übergießen Sie dies mit einer Tasse kochendem Wasser. Zehn Minuten ziehen lassen, danach absieben. Zwei Tassen am Tag trinken.
Kamille-Bad
Kochen Sie ca. 50 g Kamille mit einem Liter Wasser auf, lassen Sie die Mischung für fünfzehn Minuten stehen, sieben dann ab und geben Sie die Abkochung dem Badewasser bei.
Inhalation bei Nebenhöhlen-Entzündung
Stellen Sie einen Tee mit 2 Esslöffeln Kamille her und inhalieren Sie die Dämpfe.
Vorsicht: Wenn der Tee noch heiß ist den Kopf nicht direkt über das Gefäß halten, da man sich sonst die Schleimhäute verbrühen könnte.
Dieses Verfahren hilft beim Abheilen der Entzündung, löst Schleim und Vereiterungen.
Kompressen bei geschwollen Augenlidern und angestrengten Augen
Tränken Sie zwei Wattebällchen mit Kamillentee und legen Sie diese für etwa zehn Minuten auf die Augen.
Kamille-Bad bei Nagelbettentzündung
Stellen Sie eine Abkochung aus zwei Esslöffeln Kamille her, lassen Sie diese für fünfzehn Minuten ziehen und baden Sie mehrmals täglich den betroffenen Finger darin.
Bei nervösem Magen mit verbundener Appetitlosigkeit
30 g Kamillenblüten
30 g Thymiankraut
30 g Baldrianwurzel
15 g Pfefferminze
Zwei Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Ein altes und bewährtes Hausmittel gegen Magenbeschwerden ist die Rollkur.
Die Rollkur nutzt die Heilkraft der Kamille, die die Magenschleimhaut regeneriert und beruhigt.
Für eine Rollkur verwenden Sie Kamillentee, der möglichst stark sein sollte. 10 Teelöffel Kamille pro Liter Tee können es ruhig sein.
Durchführung der Rollkur
Trinken Sie einen Liter des Tees auf leeren Magen.
Danach legen Sie sich für je 5 Minuten auf den Rücken, dann auf die linke Seite, dann auf die rechte Seite. Zum Schluss legen Sie sich auf den Bauch.
Auf diese Art und Weise kommt die gesamte Magenschleimhaut mit dem Kamillentee in Berührung, wo er seine Wirkung entfalten kann.
Führen Sie eine solche Rollkur mindestens 2mal am Tag durch, über mindestens 2 Wochen hinweg.
Eine solche Rollkur kann übrigens auch mit Fertigpräparaten aus der Apotheke durchgeführt werden. Eine weitere Variante ist die Rollkur mit Süßholz (1 Teelöffel pro Tasse) oder auch mit Kohlsaft. Kohlsaft wird empfohlen, wenn die Ursachen der Beschwerden Magengeschwüre oder ein Geschwür des Zwölffingerdarms sind.
Vorsicht
Die Kamille hat einen austrocknenden Effekt. Wenn man also sowieso schon zu einer ständig zu trockenen Nase neigt, sollte man nicht noch zusätzlich mit Kamilledampf inhalieren. Auch entzundene Augen darf man deshalb nicht mit Kamille ausspülen.