Die Kamille ist eine einheimische Pflanze, die sehr anspruchslos
ist. Sie wächst bei uns auf Äckern, an Wegrändern,
an Böschungen und vor allem in Getreidefeldern. Viele
Landwirte nennen die Kamille auch ein übles Unkraut.
Die Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch, hat eine weiße Blüte
und blüht im Mai bis Juni. Beim Zerreiben der Blüten
entsteht der sehr aromatische, typische Kamille-Geruch.
Die Kamille, die ursprünglich aus Eurasien stammt, wurde
von nordischen Völkern als heilige Pflanze dem Sonnengott
Baldur zugeordnet. Bereits in der Antike wurde die Kamille
sehr hoch eingeschätzt, da sie eine hohe Heilwirkung
hat. Inzwischen ist diese Heilwirkung auch medizinisch belegt.
In der Naturheilkunde finden vor allem die Blüten eine
Anwendung. Dabei ist die Qualität der Kamille sehr stark
abhängig vom Zeitpunkt des Pflückens und von der
Art der Trocknung. Die beste Zeit zum Pflücken ist der
dritte bis fünfte Tag nach dem Blühen. In dieser
Zeit sind die Wirkstoffe am besten ausgebildet. Trocknen sollte
man die Kamille sehr luftig und bei nicht allzu hoher Temperatur.
Am besten verwendet man einen luftigen, schattigen Ort.
Das ätherische Öl besitzt eine entzündungshemmende,
wundheilungsfördernde und krampflösende Wirkung
und zusätzlich bakterien- (bakterizide) und pilztötende
(fungizide) Eigenschaften. Ferner bewirkt das in dem Öl
enthaltende alpha-Bisabolol eine Hemmung der Pepsinfreisetzung
im Magen und damit eine Linderung von peptischen Beschwerden.
Pepsin ist ein Verdauungsenzym.
Sagen-haftes zur Kamille
Im alten Ägypten wurde die Kamille dem Gott der Sonne
gewidmet.
Im alten England gehörte die Kamille zu den neun heiligen
Kräutern.
Bei der Krönung von Königen in England hat derjenige,
der König wird, immer ein Kamille-Sträußchen
dabei. Dies ist angeblich auch heute noch so.
Laut Sage soll die Kamille mit dem heiligen Johannes in Verbindung
stehen, man brachte daher am Johannistag, dem 24. Juni, einen
Kranz aus Kamille an die Haustür an, so daß man
vor Donner, Blitz und Sturm geschützt war.
In alten deutschen Sagen stehen Kamillenblüten für
die Seelen von Soldaten, die unter einem Fluch gestorben waren.
Früher glaubte man, daß der Rauch der Kamille
Zauberkräfte hätte, der Unglück abwenden sollten.
Früher war es in einigen europäischen Ländern
üblich, daß, wenn man zur Kirche ging, einen Strauß
Kamille mitbrachte.
Im alten Ägypten verwendete man die Kamille unter anderem
bei Krankheiten wie Erkältungen, Schmerzen, Fieber, allerlei
Frauenkrankheiten und Schüttelfrost.
Im alten Rom verwendete man die Kamille als Mittel gegen
Schlangenbisse. Zudem verwendete man sie als beruhigendes
Mittel bei Depressionen, Schlafstörungen und Hysterie.
In der Neuzeit verwendete man die Kamille bei Malaria und
bei Schwindsucht, man räucherte Kamilleblätter und
verwendete den Rauch gegen Asthma und Schlaflosigkeit.
Alte (und noch aktuelle) Anwendungen von Kamille:
Bei Heuschnupfen oder einer verstopften Nase soll man mit
Kamillentee inhalieren.
Bei überanstrengten Muskeln sollte man Kamille mit in
das Badewasser geben, dies soll auch bei Blasenentzündungen
helfen.
Früher verwendete man Kamillentee, den man zusammen
mit den Schalen von Orangen aufkochte, als Waschwasser.
Früher verwendete man die Kamille zum Aufhellen der
Haare. Kamille hat eine ausbleichende Wirkung auf Haare, besonders
auf blonde Haare. Wenn man im Sommer seine Haare nach dem
Waschen mit einer Spülung aus Kamille ausspült und
dann in die Sonne geht, ist dieser Effekt besonders gut zu
beobachten.
Früher schenkte man älteren Menschen einen Strauß
aus Kamille und einem Zweig Salbei, der für die Weisheit
und die Gelassenheit des Alters stand.
Die Kamille ist die Pflanze derjenigen, die am 17. Dezember
Geburtstag haben. Sie steht für Kraft und ist der Sonne
zugeordnet.
Entzündlichen und krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts
Magengeschwüre
Hals-, Rachen- und Zahnfleischentzündungen
Erkältungskrankheiten
Hautausschläge
Entzündungen im Genital- und Afterbereich
Verwendete Pflanzenteile
Verwendet werden die Blüten
Inhaltsstoffe Ätherisches Öl, Azulen, Bitterstoffe, Flavone,
Cumarin
Sammelzeit
Gesammelt wird im Mai bis in den Juli - bei Sonnenschein
Wo findet man Kamille: Wege, Äcker, Brachland
Anwendungsbeispiele und alte Rezepte rund um die Kamille
Tee
1,5g getrocknete Blüten auf 1 Tasse kochendes Wasser geben und kurz ziehen
lassen. Dosierung: Bis zu 4 Tassen täglich.
Gesichtsdampfbäder mit Kamillenzusatz bei Schnupfen, Heiserkeit und Stirnhöhlenvereiterungen
Badezusatz bei Gliederschmerzen und bei Hautproblemen
Aufguss von 500 bis 1000 g Kamille in 3 bis 4 Liter Wasser auf ein Vollbad
Menstruationsbeschwerden
Teemischung aus gleichen Teilen Kamille , Thymian und Quendel.
Alle Zutaten mit kochendem Wasser übergiessen und 5 Minuten ziehen lassen.
Danach absieben. Abends 1 Tasse trinken.
Wechseljahrsbeschwerden
Teemischung aus 1 Tasse Baldrian , je 2 Teile Kamillenblüten und Pfefferminze.
Einen Teelöffel pro 250 ml. Dreimal täglich 1 Tasse trinken.
Bei empfindlichem Magen
20 g Tausendgüldenkraut
50 g zerstossene Kümmelfrüchte
40 g Kamillenblüten
40 g Pfefferminzblätter
2 Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergiesen und
10 Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Bei nervösem Magen mit Blähungen
30 g zerstossene Fenchelfrüchte
30 g zerstossene Kümmelfrüchte
30 g Baldrianwurzel
15 g Melissenblätter
15 g Kamillenblüten
2 Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergiesen und
10 Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Bei Durchfall
20 g Kamillenblüten
20 g Thymiankraut
20 g Pfefferminzblätter
10 g Salbeiblätter
2 Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergiesen und
10 Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Kamille bei Sonnenbrand
Tragen Sie steif geschlagenes Eiweiß auf die betroffene Stellen auf, lassen
sie es eintrocknen und waschen Sie es mit Kamillentee ab.
Kamillentee
Ein Esslöffel Kamillenblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergiessen
und zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen, danach absieben.
Dieser Tee hilft ungesüßt auch wunderbar bei Magenbeschwerden, Magenentzündung
und Krämpfen im Magen.
Kamille-Umschläge
Zwei bis drei Esslöffel Kamille mit 250 ml kochendem Wasser übergiessen
und für 15 Minuten ziehen lassen. Danach absieben und den Umschlag damit
tränken. Auf die betroffenen Stellen legen.
Tee bei Krampfadern
Nehmen Sie zu gleichen Teilen Brombeerblätter, gelben Steinklee, Kamille,
Löwenzahnblätter und Gartenraute.
Nehmen Sie davon 2 Teelöffel und übergiessen Sie dies mit einer Tasse
kochendem Wasser. 10 Minuten ziehen lassen, danach absieben. 2 Tassen am Tag
trinken.
Kamille-Bad
Kochen Sie ca. 50 g Kamille mit einem Liter Wasser auf, lassen Sie die Mischung
für 15 Minuten stehen, sieben dann ab und geben Sie die Abkochung dem Badewasser
bei.
Inhalation bei Nebenhöhlen-Entzündung
Stellen Sie einen Tee mit 2 Esslöffeln Kamille her und inhalieren Sie die
Dämpfe. Vorsicht: Wenn der Tee noch heiß ist den Kopf nicht direkt
über das Gefäß halten, da man sich sonst die Schleimhäute
verbrühen könnte.
Dieses Verfahren hilft beim Abheilen der Entzündung, löst Schleim
und Vereiterungen.
Kompressen bei geschwollen Augenlidern und angestrengten Augen
Tränken Sie zwei Wattebällchen mit Kamillentee und legen Sie diese
für etwa zehn Minuten auf die Augen.
Kamille-Bad bei Nagelbettentzündung
Stellen Sie eine Abkochung aus 2 Esslöffeln Kamille her, lassen Sie diese
für 15 Minuten ziehen und baden Sie mehrmals täglich den betroffenen
Finger darin.
Bei nervösem Magen mit verbundener Appetitlosigkeit
30 g Kamillenblüten
30 g Thymiankraut
30 g Baldrianwurzel
15 g Pfefferminze
2 Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergiesen und
10 Minuten ziehen lassen. Danach absieben.
Nach Bedarf 2 bis 3 Tassen pro Tag trinken.
Bevor Sie sich selbst mit Heilkräutern behandeln
fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker!
Vorsicht Kamille besitzt einen austrocknenden Effekt. Neigt man
zu chronisch trockener Nasenschleimhaut, sollte man deshalb
nicht mit Kamille inhalieren. Aus diesem Grund darf man entzündete
Augen ebenfalls nicht mit Kamille spülen.