Sanddorn (lat. Hippophae rhamnoides) gehört zur Familie der Ölweidengewächse. Der Strauch ist baumartig hoch, mit schmalen, silbrig-glänzenden Blättern und stachelbewehrten Ästen. Er wächst auf kargen und sandigen Böden und ist daher vor allem in den Dünenregionen Nord-Osteuropas, im Schotter der Alpenflüsse und in trockenen mediterranen Küstengebieten zu finden.
Ursprünglich entstammt der Sanddorn jedoch nicht europäischen Regionen, sondern ist am Ende der letzten Eiszeit (vor circa 17.000 Jahren) aus Zentralasien auf dem Land – und Seeweg hier verbreitet worden.
Der eigentliche Nutzen des Sanddorn liegt in den fleischigen, orange-roten Beeren. Inzwischen sind aber viele Länder dazu übergegangen, an steilen Böschungen und in erosionsgefährdeten Gebieten den Sanddorn zum Schutz des Bodens anzupflanzen. Das Wurzelwerk ist stark verzweigt, die Pflanze kann außerdem Stickstoff aus der Luft aufnehmen. Aus diesem Grund gibt es nicht nur sehr große Wildvorkommen in China, der Mongolei, zum Teil in Tibet und Indien, sondern auch viele Plantagen. Ein Bewuchsgürtel zieht sich von Zentralasien über Skandinavien bis an die Nord- und Ostseeküsten.
Sanddornbeeren wurden als bester einheimischer Vitamin-C-Lieferant lange verkannt
Die Botanik der Beeren ist in den Gebieten Asiens eine andere als die in Europa. Auf Grund der großen Hitze im Sommer und der Fröste im Winter enthalten die Sanddornbeeren dort weniger Wasser. Die Beeren würden sonst platzen. Stattdessen haben sie einen höheren Ölanteil. Dies erklärt, wieso in Europa vor allem Saft und Mus aus dem Fruchtfleisch genutzt werden, nicht aber das Sanddornöl.
Traditionell wird in Deutschland der aus den Beeren gepresste Saft pur oder mit anderen Säften vermischt getrunken (Apfel, Karotte). Er wir häufig zu einem Extrakt eingedickt oder zu Mus oder Gelee eingekocht. Außerdem wird Zucker, Honig, Ahornsirup oder ein anderes Süßungsmittel zugesetzt, denn die Sanddornbeeren schmecken fast unangenehm sauer und herb.
Geschätzt wird der Sanddorn wegen seines sehr hohen Gehaltes an Vitamin C. Dieser liegt weitaus höher als bei Zitrusfrüchten (circa zehnmal mehr als in einer Zitrone, das heißt im Durchschnitt 450 Milligramm pro 100 Gramm). Er wird von keiner heimischen Obstsorte übertroffen.
Sanddorn wird daher vor allem in Wintermonaten zur Stärkung des Immunsystems getrunken oder gegessen. Er kann vorbeugend oder therapiebegleitend eingesetzt werden, zum Beispiel bei Infektanfälligkeit, Erschöpfungszuständen, Appetitmangel und zur Leistungssteigerung.
Ein erhöhter Vitamin-C-Bedarf liegt in der Schwangerschaft, Stillzeit, im Wachstum, bei alten Menschen, bei Rauchern oder bei Menschen mit regelmäßigem Alkoholkonsum vor. Leicht kann dieser Mehrbedarf durch zwei bis drei Esslöffel Sanddorn-Vollfrucht täglich gedeckt werden.
Die Beeren liefern wichtige Substanzen für Stoffwechsel und Haut. Die Sanddornbeeren enthalten jedoch weit mehr als nur Vitamin C. Die bekanntesten Vitamine sind das Vitamin E (Alpha-Tocopherol), ß-Carotin oder die B-Vitamine B1, B2, B6 und B12. Vitamin E und ß-Carotin gelten wie Vitamin C als Radikalfänger. ß-Carotin dient der Bildung von Vitamin A im menschlichen Organismus. Der Zellschutz findet durch Lichtabsorption statt, es reichert sich im Gewebe an und soll entzündungshemmende und immunregulierende Wirkung haben. Zum Vergleich: Karottensaft enthält circa 6 bis 8 Milligramm ß-Carotin auf 100 Gramm. Im Sanddorn ist oft mehr als das Doppelte enthalten.
In 100 Gramm Sanddorn findet man außerdem bis zu 15 Milligramm Vitamin E, was der halben Tagesdosis für einen Erwachsenen entspricht. Vitamin E wird dadurch interessant, daß es die Haut besonders schützt: Es soll vor Hautalterung und Entmineralisierung der Haut schützen und vor Austrocknung bewahren.
Das Vitamin B12 kommt nicht natürlich in der Sanddornbeere vor, sondern entsteht durch Symbiose mit Bakterien auf der Außenschale. Für Menschen mit B12-Mangel oder für Risikogruppen (zum Beispiel Veganer) kann der Sanddorn daher ein weiterer pflanzlicher B12-Lieferant sein. Hier müssen jedoch die Produkte verzehrt werden, die Fruchtfleisch enthalten.
In größeren Mengen kommen im Sanddorn verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalzium, Magnesium, Mangan, Eisen) und die in ihrer Wirkung noch wenig erforschten sekundären Pflanzenstoffe wie Phytosterine, biogene Amine und Polyphenole vor.
Auf Grund dieser Inhaltsstoffe spricht man dem Sanddorn schützende und vorbeugende Wirkungen bei Herz- und Gefäßkrankheiten zu. Herz- und Nierenfunktion und Wasserausscheidung können günstig beeinflusst werden, die Phytosterine und biogenen Amine können außerdem den Cholesterinspiegel regulieren.
In Europa fast unbekannt: die Sanddorn-Öle
Erwähnenswert ist die besondere Zusammensetzung und Menge der Öle, die in den Beeren vorkommen. Hierzulande ist die Verwendung der Sanddornöle kaum bekannt. In der Heimatregion des Sanddorn, vor allem in Tibet, wird das Öl schon seit mehr als 1.200 Jahren medizinisch genutzt. Innerliche und äußere Verwendung für Haut und Schleimhäute sind überliefert.
Es muss zunächst zwischen Fruchtfleischöl und Kernöl unterschieden werden: Das Fruchtfleischöl wird durch Kaltpressung der Fruchtfleischanteile gewonnen (ähnlich wie Olivenöl). Es hat eine starke orange-rote Färbung, hervorgerufen durch viele Carotinoide.
Wichtig sind außerdem das Vitamin E und besondere Öle: die Palmitinsäure, die Palmitoleinsäure und die Ölsäure.
Fruchtfleischöl soll stoffwechselanregend wirken und bei Sodbrennen und Magen-Darm-Erkrankungen helfen (wenige Tropfen täglich in Wasser oder Saft eingerührt). Gegen Mandel- und Rachenentzündungen wird gegurgelt beziehungsweise pinselt man den Rachen mit dem Öl ein. Äußerlich angewendet, schützt es vor Sonneneinstrahlung oder regeneriert nach Sonnenbrand oder Verbrennungen (pur oder in Cremes).
Das Sanddorn-Kernöl wird aus dem nussartigen Samenkern gewonnen. Es ist schwach rötlich, da hier weniger Carotinoide enthalten sind. Stattdessen hat es einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren wie Linol- und Linolensäure. Das Kernöl soll entzündungshemmend und antibakteriell wirksam sein, zum Beispiel bei Akne und Hautallergien helfen und die Wundheilung beschleunigen (Einsatz in der Schönheitschirurgie zum Beispiel nach Entfernung von Tätowierungen, nach Laserbehandlungen).
Alle dem Sanddorn zugeschriebenen Wirkungen sind durch Studien untersucht. Auf Grund der Inhaltsstoffe ergibt sich eine mögliche Anwendungs- und Wirkungsweise.
Der Sanddorn kann aber nicht als Arzneimittel oder Heilmittel mit spezifischer Wirkung betrachtet werden. Es kann lediglich durch die besonders hohen Mengen oder die besondere Kombination eine vorbeugende oder unterstützende Wirkung, vor allem bei komplexen Krankheiten wie Krebs, angenommen werden.
Hingewiesen werden muss auch auf die Möglichkeit von allergischen Reaktionen bei empfindlichen Personen.
Verwendung/Rezepte:
Es sollte nur qualitativ hochwertiger Sanddorn verwendet werden. Nach Öffnen einer Flasche oder eines Glases sollte dieses im Kühlschrank aufbewahrt werden, damit das Aroma und die Inhaltstoffe erhalten bleiben.
Sanddorn sollte möglichst in fertige Speisen eingerührt und nicht mitgekocht werden. Hier einige Tipps zur Kombination mit anderen Lebensmitteln:
Ideal ist Sanddorn zum Frühstück beispielsweise in Joghurt, Quark, Müsli eingerührt oder als Brotaufstrich.
Er eignet sich für diverse Mixgetränke (Frucht- oder Milchmix),
Zur geschmackliche Verfeinerung von Suppen, Saucen, Chutneys (passt zu Möhren, Kürbis, roten Linsen, Süßkartoffeln),
Als Marinade für Tofu und Fisch,
Vermischt mit Salatöl (einige Tropfen genügen) zum Beispiel zu Chicoree, Wintersalaten
Zu Hauptgerichten mit Wirsing, Rosenkohl, Möhren, Steckrüben, Kürbis, Linsencurries,
Als Omelettefüllung, Keks- oder Kuchenglasur, für Süßspeisen.
Auf dem Markt erhältlich sind Cremes (zum Teil mit Zusatz von Harnstoff), Körperlotionen, Massageöle, Seife, Nabelöl zur Säuglingspflege, Lippenpflege, Reinigungsmilch, Fruchtfleisch- und Kernöl pur. Es gibt ebenso Kapseln zur Nahrungsergänzung (mit Fruchtfleischöl).
Neben Säften gibt es als Lebensmittel Brotaufstrich, Elixiere, Sanddorn-Vollfrucht (gewonnen durch feines Vermahlen der ganzen Beere) und Fruchtschnitten. Die Produkte sind in Apotheken, Reformhäusern und Naturkostläden zu bekommen (bitte nachfragen – manchmal nur auf Bestellung).